Stormarn
Leichtathletik

Oldesloer hört als Wettkampf-Organisator auf

Hubert Woelki stößt mit einem Glas Wasser auf die stressfreie Zeit an

Hubert Woelki stößt mit einem Glas Wasser auf die stressfreie Zeit an

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Hubert Woelki will nach mehr als zehn Jahren keine Leichtathletik-Veranstaltungen mehr für den VfL leiten. Kritisch begründet er seine Entscheidung.

Bad Oldesloe.  Hubert Woelki, ein Dino unter den Leichtathleten Stormarns, nimmt leise Abschied. Die in Bad Oldesloe ausgetragenen Kreismeisterschaften im Crosslauf waren die letzte Veranstaltung, die der 73-Jährige nach knapp zehnjähriger Tätigkeit als Organisator für den VfL Oldesloe geleitet hat. „Die Zeit ist einfach reif“, sagt Woelki. „Wenn aber meine Hilfe gewünscht wird, stehe ich weiterhin mit Rat und Tat zur Seite.“

Der Grabauer macht keinen Hehl aus den Gründen, die ihn zu dem Schritt bewogen haben. „Seit einiger Zeit schon gehen die Ziele der Leichtathletik-Abteilung nicht mehr konform mit meinen Vorstellungen“, sagt Woelki. „Der Trainerstab verfolgt verstärkt leistungsorientierte Ziele, während mir eine Ausrichtung auf den Breitensport – mit verstärkter Einbindung der Eltern der Jugendlichen – wichtiger ist.“

Frustriert hat ihn auch das Pleiten- , Pech- und Pannenjahr 2016: Den Auftakt machte im März die Absage der in der Kreisstadt beliebten Familienolympiade des Vereins. „Die Stadt und der VfL waren nicht in der Lage, sich auf einen Termin zu einigen“, sagt Woelki, „obwohl es sich um eine dreistündige Veranstaltung an einem Sonntagvormittag gehandelt hat. Eine Zeit also, in der in den Sporthallen sicher kein Hochbetrieb herrscht.“

Fünf Jahre leitete Hubert Woelki die Leichtathletik-Abteilung des VfL Oldesloe

Auch der erste Werfertag des VfL fiel trotz guter Meldezahlen kurzfristig aus. Woelki: „Der Bauhof hatte für die Schutznetze der Diskus-Wurfanlage zu kurze Befestigungsseile bestellt und war deshalb nicht in der Lage, sie anzubringen.“

Das Programm der traditionellen Bahneröffnung Anfang Mai musste der VfL reduzieren. „Obwohl der Stadtverwaltung der Termin bekannt war, führte sie genau an dem Wochenende Reparaturarbeiten an der Tartanbahn aus.“ Der erste Läuferabend wurde gestrichen, weil der Schleswig-Holsteinische Leichtathletik-Verband (SHLV) nicht, wie vereinbart, die elektronische Zeitmessung lieferte. Gleiches galt für die zweite und dritte Laufveranstaltung. „Wir mussten die Sprints aus dem Programm streichen und bei den längeren Distanzen die Zeit mit der Hand stoppen“, sagt Woelki.

Der 73-Jährige überlegt einen kurzen Moment, ehe er fortfährt: „Auch wenn ich in den Jahren die eine oder andere Enttäuschung erlebt habe, eine wesentliche Antriebskraft für mich war immer die gute Zusammenarbeit mit den Kampfrichtern des VfL und den vielen freiwilligen Helfern, die mich mit aller Tatkraft unterstützt haben.“

2016 ist für ihn ein Pleiten-, Pech- und Pannenjahr

Woelki wechselte 1987 vom TSV Grabau – dort trainierte er einige Fußball-Jugendmannschaften – zum VfL Oldesloe. Ein Jahr später erreichte der Spezialist für die Sprintstrecken bei den Deutschen Meisterschaften der Senioren über 400 Meter den achten Platz. Ein Achillessehnenanriss beendete später seine sportliche Laufbahn. Von 2008 an leitete er fünf Jahre die Leichtathletik-Abteilung des VfL.

Mit Ehefrau Marion ist Woelki seit 52 Jahren verheiratet. „Das Geheimnis einer langen Ehe ist Durchhaltevermögen, Toleranz und die Fähigkeit, Fehler zu ertragen und vergessen zu können“, sagt der 73-Jährige.

Woelki war 40 Jahre in Hamburg als Polizeibeamter unterwegs. Er begann als Streifenpolizist, war Zivilfahnder und beendete seine berufliche Karriere bei der Kriminalpolizei. Die gewaltsamen Vietnam-Demonstrationen vor dem amerikanischen Generalkonsulat Ende der 1960er-Jahre hat er noch gut in Erinnerung. „Nicht nur ich stand im Zwiespalt zwischen dem Verständnis für die Sache und der Aufgabe der Bewahrung der freiheitlichen, demokratischen Grundordnung“, erzählt Woelki.

Die Terroraktionen der Baader-Meinhof-Bande haben ihn ebenso geprägt. „Die Bundesrepublik Deutschland stand am Rande des Kollaps“, sagt Woelki. „So eine Zeit möchte ich nicht wieder erleben.“