Stormarn
FUSSBALL

Eichede vor Rekordkulisse im Pech

Zweikampf zwischen Nico Fischer (l., SV Eichede) und  dem Lübecker Torschützen Marcello Meyer, der früher selbst bei den Stormarnern spielte

Zweikampf zwischen Nico Fischer (l., SV Eichede) und dem Lübecker Torschützen Marcello Meyer, der früher selbst bei den Stormarnern spielte

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Stormarner Regionalligafußballer verlieren vor 1207 Zuschauern ihr erstes Punktspiel in der Vereinsgeschichte gegen den VfB Lübeck mit 0:1

Steinburg.  Zu gern würde Jörn Großkopf auf einer der obligatorischen Pressekonferenzen nach den Regionalliga-Spielen seines SV Eichede mal wieder etwas anderes erzählen. Woche für Woche gratuliert der Coach eingangs seines Statements dem gegnerischen Trainer zu drei Punkten, Woche für Woche schließt er mit dem Versprechen: „Wir machen weiter.“ Und Woche für Woche entschuldigt er sich für die Wiederholungen. Die Partie gegen den
VfB Lübeck hatte zwar unter außergewöhnlichen Rahmenbedingungen stattgefunden, die nackten Zahlen aber waren wieder dieselben: Null Tore, null Punkte. Endergebnis 0:1 (0:1).

Immerhin: Niederlagen als Fortschritt im Abstiegskampf zu bewerten, dürfte dem Trainer ebenso wie seinen Spielern immer leichter fallen. Eine Woche nach dem unglücklichen 0:1 beim FC St. Pauli II hätte der Aufsteiger auch im ersten Punktspiel der Vereinsgeschichte gegen den VfB Lübeck mindestens einen Punkt verdient gehabt. Zweimal verhinderte nur das Aluminium einen Eicheder Torerfolg. Selbst die zahlreichen mitgereisten VfB-Anhänger, die dem SVE im Ernst-Wagener-Stadion zu seiner Regionalliga-Rekord-Kulisse von 1207 Zuschauern (darunter Landrat Henning Görtz sowie der zur SG Sonnenhof-Großaspach gewechselte Stürmer Arnold Lechler) verhalfen, wurden im zweiten Durchgang unruhig, als die Grün-Weißen phasenweise kaum mehr für Entlastung sorgten. Lübecks Trainer Rolf Martin Landerl sagte anerkennend über den SVE: „Wenn die Mannschaft weiter so auftritt, ist der Klassenerhalt durchaus möglich.“

Marc Oldag schießt einen Foulelfmeter nur an die Latte

Die größte Chance, das 0:1 durch den früheren Eicheder Marcello Meyer (16. Minute) auszugleichen und sein Team damit etwas näher in Richtung Klassenerhalt zu schießen, vergab Marc Oldag. Einen Foulelfmeter, den er in der 45. Minute selbst herausgeholt hatte, jagte der Flügelspieler an die Unterkante der Latte. „Der hätte drin sein müssen. Ich habe den Ball leider ein bisschen zu weit unten getroffen“, sagte Oldag nach dem Spiel, kündigte aber an: „Den nächsten Elfmeter nehme ich auch.“

Doch wer dachte, der Tabellenletzte würde an dem verschossenen Strafstoß zerbrechen, sah sich getäuscht. Die Steinburger kamen noch stärker aus der Pause zurück, erspielten sich im zweiten Durchgang ein Chancenplus und wären in der 87. Minute um ein Haar belohnt worden – doch Innenverteidiger Gerrit Schubring scheiterte aus der Drehung am linken Pfosten.

Wer soll Eichedes Sturmproblem lösen?

„Auf diese Leistung können wir aufbauen. Wenn wir so weiterspielen, bin ich überzeugt, dass wir die nötigen Punkte holen“, sagte Neuzugang Eyke Kleine, der bei seinem Punktspieldebüt für den SVE eine gute Leistung als Rechtsverteidiger zeigte und mit seiner Lauffreudigkeit einer der Hoffnungsträger für die kommenden Wochen ist. Kapitän Nico Fischer lief erstmals im defensiven Mittelfeld auf.

Doch auch die starke zweite Halbzeit konnte nicht überdecken, dass Eichede weiterhin ein Sturmproblem hat. Als einzige Spitze bot Großkopf diesmal Pawel Lysiak auf, der den Trainer nach einem physischen Tief zuletzt im Training wieder mehr überzeugt hatte. Doch auch gegen den VfB blieb der Neuzugang einen Qualitätsnachweis schuldig und wurde in der 55. Minute ausgewechselt. Bezeichnend, dass die Defensivspezialisten Gerrit Schubring und Petrik Krajinovic mehr Torgefahr ausstrahlten als der Pole, der vor einem Monat beim 1:2 gegen den BSV Rehden den bislang letzten Eicheder Treffer erzielte.

Kommenden Sonntag müssen die seit nunmehr 378 Minuten torlosen Stormarner zur SpVgg Drochtersen/Assel – die Niedersachsen sind mit acht Gegentreffern die stärkste Defensive der Regionalliga. Die Mannschaft muss also neue Qualitäten zeigen, damit der Trainer auf einer Pressekonferenz endlich Sätze mit neuem Inhalt formulieren darf. Nach dem 0:1 gegen Lübeck blieben Großkopf nur Veränderungen in der Ausdrucksweise: „Wir haben die Scheiße am Hacken kleben, auch wenn das etwas lapidar ist. Man kann nicht immer nur die feine Sprache wählen.“

SV Eichede: Schenk – Stachnik (81. Facklam), Marschner, G. Schubring, Kleine – Fischer, Krajinovic (75. Lohmann) – Oldag, Maltzahn, Mankumbani – Lysiak (55. Peters).