Stormarn
Judo

Drei Brüder haben dem TSV Glinde alles zu verdanken

Der Judosport ist die große Leidenschaft der drei Brüder (v. l.): Lasse, Pit (beide 13 Jahre)  und Yerrick Schriever

Der Judosport ist die große Leidenschaft der drei Brüder (v. l.): Lasse, Pit (beide 13 Jahre) und Yerrick Schriever

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Lasse, Pit und Yannick Schriever zählen in ihrer Altersklasse zu den besten Judokämpfern. Regelmäßig trainieren sie noch beim TSV.

Glinde.  Manchmal kommt es einfach anders als gedacht. Den Wahrheitsgehalt dieser viel zitierten Floskel bestätigt das Ehepaar Schriever ohne wenn und aber. „Als unsere Söhne klein waren, haben meine Frau Stefanie und ich inständig gehofft, dass sie nicht irgendwann eine Leidenschaft für den Fußballsport entwickeln“, sagt Vater Carsten Schriever. Mit einem Lachen fügt er hinzu: „Wir wollten nicht an jedem Wochenende in den benachbarten Dörfern Stunden auf den dortigen Sportplätzen verbringen.“

Nicht in Trittau, Hamfelde, Witzhave oder Möhnsen, sondern im beschaulichen Kuddewörde an der Grenze zu Stormarn, ihrem Wohnort, wollten die Schrievers die freien Tage genießen.

Nun aber sind an vielen Wochenenden Städte wie Berlin, Dortmund oder Halle das Ziel der fünfköpfige Familie. Aus gutem Grund: Yerrick (15) und die Zwillingsbrüder Pit und Lasse (beide 13) sind erfolgreiche Judokämpfer. 2016 ist das bisher herausragende Sportjahr der drei Brüder.

Im Frühjahr holte Yerrick in Herne (Nordrhein-Westfalen) überraschend in der Gewichtsklasse bis 46 Kilogramm den deutschen Meistertitel der Altersklasse U18. Zuvor stand er bei den norddeutschen Titelkämpfen in Hollage (Niedersachsen) ebenfalls ganz oben auf dem Treppchen.

Pit und Lasse eiferten bei den vor Kurzem in Bremen ausgetragenen norddeutschen U15-Meisterschaften ihrem großen Bruder nach: Pit gewann den Titel in der Gewichstklasse bis 37 Kilogramm, Lasse setzte sich im Finale bis 46 Kilogramm durch. Eine Teilnahme an einer DM bleibt den beiden dieses und auch kommendes Jahr aus Altersgründen noch verwehrt. Erst 2018 – dann vollenden sie ihr 15. Lebensjahr – dürfen sie bei der U18-Meisterschaft starten.

Einmal wöchentlich kehren Lasse, Pit und Yerrick an alte Wirkungsstätte zurück

Bis zu fünfmal pro Woche steht bei den drei Brüdern, die seit Jahresbeginn für den TH Eilbeck starten, Training auf dem Programm. Drei- bis viermal findet dieses im Hamburger Landes-Leistungszentrum statt. Einmal wöchentlich kehren sie an alte Wirkungsstätte zurück und trainieren unter Swenja Krosin beim TSV Glinde. Auf die Frage, warum ein 13-Jähriger bei dem enormen Trainingsaufwand freiwillig auf jede Menge Freizeit mit Freunden und Klassenkameraden verzichtet, hat Pit eine passende Antwort parat.

„Durch den hohen Zeitaufwand für das Training oder die Wettkämpfe kommt bei mir einfach keine Langeweile auf“, sagt er 13-Jährige mit einem Schmunzeln. „Ohne den Judosport wäre ich nicht so ausgelastet und hätte ein großes Problem mit dem Stillsitzen.“ Lasse schlägt in die gleiche Kerbe, als er sagt: „Judo macht unglaublich viel Spaß, sonst würden wir diese Sportart nicht betreiben. Zudem lernt ein Judoka Werte wie korrektes Auftreten oder Respekt vor dem Gegner kennen.“ Yerrick geht sogar noch einen Schritt weiter. „Ein Judoka lernt nach einem verlorenen Kampf noch auf der Matte mit Niederlagen umzugehen“, sagt der 15-Jährige. „Das kann im Privat- oder später im Berufsleben nur von Vorteil sein.“

Beim TSV Lütjensee, der mehr auf Breitensport ausgerichtet war, lernten die Schriever-Brüder die ersten Griff- und Wurftechniken im Judosport. Dort wurde schnell das in Yerrick schlummernde Potenzial erkannt und ihm ein Wechsel zum leistungsorientierteren TSV Glinde empfohlen. Bei Trainerin Swenja Krosin vollzog Yerrick eine ungewöhnlich rasche Entwicklung. Bereits nach kurzer Zeit zählte er in Norddeutschland zu den Besten seiner Altersklasse. Von der Gewichstklasse bis 46 Kilogramm stieg Yerrick im Laufe des Jahres in die Stufe bis 55 Kilogramm auf.

Ein Judoka lernt Werte wie Respekt vor dem Gegner kennen

„Das habe ich einem ganz normalen Wachstumsschub zu verdanken“, sagt Yerrick freudestrahlend. Denn nun darf der 15-Jährige auch auf internationaler Bühne in den Kampf um die Medaillenränge einsteigen. Bei Europa- oder Weltmeisterschaften beginnen die Gewichtsklassen erst bei 50 Kilogramm.

Seine Ziele für das kommende Jahr hat Yerrick fest im Auge. „Ganz oben auf der Liste steht der Titelgewinn in der nächst höheren Gewichstklasse bei den Deutschen Jugendmeisterschaften“, sagt der Teenager. „Und bei den European-Cups in Berlin und im tschechischen Teplice wäre eine Medaille das Größte für mich.“ Für Pit und Lasse ist 2017 der erneute Gewinn des norddeutschen Meistertitels das Maß aller Dinge.

Zunächst aber steht bei den Zwillingen eine Auszeit vom Judosport auf dem Programm. Mit Vater Carsten besuchen sie für zwei Wochen in Florida/USA die Großeltern Christa und Lutz Thurm. Im Scherz sagt Carsten Schriever: „Man könnte das Ganze auch Sponsorenbesuch nennen, denn meine Eltern unterstützen Yerrick, Lasse und Pit, wo sie nur können.“

Zu Hause kommen die Schriever-Brüder aber ebenfalls nicht zu kurz. Mit Brigitte Martens, der Großmutter mütterlicherseits, steht den Dreien eine weitere Gönnerin zur Seite.