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Zwei Stormarner starten ihre erste Bundesliga-Saison

Hauke Wahl bei der Saisoneröffnung des FC Ingolstadt, der Grander wechselte diesen Sommer vom SC Paderborn in die Fußball-Bundesliga

Hauke Wahl bei der Saisoneröffnung des FC Ingolstadt, der Grander wechselte diesen Sommer vom SC Paderborn in die Fußball-Bundesliga

Foto: Stefan Bösl / HA

Hauke Wahl wird Sonnabend mit dem FC Ingolstadt gegen den HSV debütieren. Vitaly Janelt muss sich bei RB Leipzig noch gedulden.

Grande/Bargfeld-Stegen.  Der aktuell bekannteste Fußballer aus Stormarn ging in diesem Sommer einen Schritt zurück. Max Kruse, aufgewachsen und ausgebildet in Reinbek, wechselte vom VfL Wolfsburg zu Werder Bremen, auf der Suche nach alter Form und neuer Ruhe. Für zwei andere Spieler aus dem Kreis soll mit dieser Bundesliga-Saison, die am heutigen Freitag beginnt, die Karriere erst richtig losgehen.

Einen passenderen Ort für sein Debüt im Fußball-Oberhaus hätte der Spielplan Hauke Wahl nicht bescheren können. Früher besuchte der gebürtige Hamburger mit seinem Vater Heimspiele des HSV, feuerte die Rothosen an und bewunderte vor allem die Offensivspieler Sergej Barbarez, Mladen Petric und Rafael van der Vaart. Am morgigen Sonnabend wird er selbst auf dem Rasen des Volksparkstadions stehen – allerdings als Gegner des HSV. Beim FC Ingolstadt hat sich der 22-Jährige, der in Grande aufwuchs, als einziger Neuzugang direkt einen Platz in der Startelf erkämpft. Etwa 30 Freunde und Familienmitglieder werden Wahl von der Tribüne aus die Daumen drücken.

In der Jugend kickte Wahl für Witzhave und Trittau

Am vergangenen Wochenende feierte der 1,85 Meter lange Blondschopf einen gelungenen Pflichtspiel-Einstand in der DFB-Pokal-Erstrundenpartie gegen Erzgebirge Aue (8:7 nach Elfmeterschießen). „Ich habe in der Vorbereitung etwas Zeit gebraucht, um mich an das Niveau und Tempo zu gewöhnen. Inzwischen kann ich gut mithalten“, sagt der gelernte Mittelfeldspieler, der 2013 bei Drittligaclub Holstein Kiel zum Innenverteidiger umgeschult wurde und vergangene Saison beim SC Paderborn in der Zweiten Liga spielte.

In der Jugend kickte Wahl für den Witzhaver SV und beim TSV Trittau, ehe er im jungen Alter von 13 Jahren das Elternhaus verließ und in ein Sportinternat in Schwerin zog – und von Heimweh geplagt wurde. „Dann habe ich ein halbes Jahr lang wirklich viel geheult“, gestand er 2014 dem Abendblatt. Doch Wahl biss sich durch und hat sich nun auch im fernen Süden schnell eingelebt. „Ich wurde in Ingolstadt sehr gut aufgenommen, ich fühle mich wohl, der FCI ist ein sehr familiärer Verein“, sagt Wahl, der in der Nähe der Donau eine Wohnung bezogen hat. „Auch die Stadt gefällt mir mit ihrer bayerischen Kultur.“

Nebenher hat Hauke Wahl ein BWL-Studium begonnen

Ungewöhnlich für einen Fußballprofi ist Wahls Freizeitbeschäftigung: Studieren. „Man hat als Fußballer ein bisschen Freizeit, die kann man gut für den Kopf nutzen“, sagt er. „Wenn man immer nur Fußball spielt und abends zu Hause die Play Station einschaltet, wird man es nach der Karriere extrem schwer haben, noch mal das Lernen zu lernen. Deswegen mache ich ein BWL-Fernstudium, aber in aller Ruhe.“ Im Vordergrund steht die Akklimatisierung im Bundesliga-Geschäft. Angesprochen auf seine persönlichen Ziele sagt er: „Ich möchte so viele Spiele wie möglich machen. Ich finde es aber schwer, sich konkrete Ziele zu setzen.“

Stormarns zweiter Bundesliga-Newcomer, der 18-jährige Vitaly Janelt aus Bargfeld-Stegen, der in diesem Sommer bei Aufsteiger RB Leipzig seinen ersten Profivertrag unterzeichnete, definiert seine Wünsche dagegen klar und ambitioniert: „Langfristig möchte ich Bundesliga-Spieler werden. Der Europapokal wäre eine tolle Erfahrungen, auch die Nationalelf“, sagt der U17-Vize-Europameister von 2015. „Aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ich werde alles dafür geben, dieses Ziel zu erreichen.“

Zunächst muss sich der defensive Mittelfeldspieler in Geduld üben. In der Vorbereitung verpasste er wegen einer altbekannten Rückenverletzung das Trainingslager. Nun trainiert er in der Woche unter Coach Ralph Hasenhüttl mit dem Bundesliga-Team, kommt am Wochenende aber zunächst in der U23 (Regionalliga Nordost) zum Einsatz. Die Konkurrenz für den Youngster ist riesig, für seine Position verpflichtete Leipzig zum Beispiel Naby Keita aus Salzburg – für kolportierte 15 Millionen Euro Ablöse. Aber Janelt gibt sich selbstbewusst: „Im Fußball geht es schnell. Je nachdem, wie die Situation ist und wie ich mich präsentiere, könnte es auch diese Saison schon mit der Bundesliga klappen.“

Was eine Profi-Karriere an medialer Aufmerksamkeit mit sich bringt, erfuhr der talentierteste von vier Brüdern – Vincent (SV Eichede) und Victor (VfL Tremsbüttel) sind in Stormarn aktiv, Vitus spielt nicht mehr Fußball – spätestens im vergangenen Dezember. „Kauft Klaus-Michael Kühne Talent Vitaly Janelt zurück?“ fragte die BILD. „Wenn man in der Zeitung liest, dass der HSV angeblich eine Million für mich zahlen will, ist das schon eine krasse Summe. Ich habe mich damit aber nicht weiter beschäftigt“, sagt Janelt, der vier Jahre in der Jugend des HSV spielte. Eine Rückkehr kam nicht infrage. „Seit dem Wechsel nach Leipzig ist alles so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte, sogar noch besser. Jetzt kann es richtig losgehen“, sagt der Teenager, der bald aus dem Vereins-Internat ausziehen und seine erste eigene Wohnung anmieten will.

Im Dezember könnten sich Hauke Wahl und Vitaly Janelt übrigens erstmals begegnen – dann empfängt der
FC Ingolstadt RB Leipzig.