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Glinde

Glinder Judo-Ass holt EM-Bronze

Mascha Ballhaus überrascht bei U-18-Europameisterschaften in Finnland

Glinde.  Aus einer Niederlage Kraft zu schöpfen, ist meistens leichter gesagt als getan. Dass ein verlorener Kampf aber auch für einen erheblichen Motivationsschub sorgen kann, hat Judokämpferin Mascha Ballhaus bei den U-18-Europameisterschaften im finnischen Vantaa in der Gewichtsklasse bis 48 Kilogramm eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

„Die unerwartete Niederlage gegen die Serbin Andrea Stojadinov in der dritten Runde hat mich schon sehr geärgert“, sagt die 15 Jahre alte Glinderin und schmunzelt. „Gold und Silber waren somit außer Reichweite, deshalb wollte ich unter allen Umständen die Bronzemedaille holen.“

Drei Kämpfe und ebenso viele Siege später war es in der sogenannten Trostrunde soweit: Nach einem überraschend deutlichen Sieg im „kleinen Finale“ gegen die Ungarin Fanni Kopasz hielt Mascha das begehrte Edelmetall in der Hand.

In diesem Kampf zeigte die 15-Jährige, dass sie nicht nur Wurf- und Bodentechniken beherrscht, sondern trotz ihres jungen Alters auch schon taktisches Kalkül besitzt. „Von meiner Gegnerin wusste ich nur, dass sie in den Wettkämpfen zuvor eine Gewichtsklasse höher angetreten war und extra für die Europameisterschaften vier Kilogramm abgenommen hat“, erzählt Mascha.

Mascha beeindruckt durch taktisches Kalkül

Die junge Glinderin beschäftigte ihre Gegnerin von Beginn an mit Griff- und Haltetechniken. „Ich war sicher, dass der starke Gewichtsverlust sie körperlich geschwächt hat und sie schnell konditionelle Probleme bekommen würde“, so Mascha Ballhaus.

Die 15-Jährige lag mit ihrer Einschätzung goldrichtig. Schon nach kurzer Zeit offenbarte die Ungarin Konzentrationsschwächen und ging nach einem Hüftwurf von Mascha, einem sogenannten Sode-Tsuri-Komi-Goshi, zu Boden. Das deutsche Judotalent erhielt für die Technik als Wertung einen Waza-ari.

Gut zwei Minuten später das gleiche Spiel. Mascha nutzte eine Unaufmerksamkeit der Ungarin, um sie erneut – diesmal mit einer Fußsichel (O-Soto-Gari) – zu Fall zu bringen. Sie erhielt wiederum einen Waza-ari, der zum Kampfabbruch und demzufolge zum Medaillengewinn der Deutschen führte.

Für Mascha, die seit Jahresbeginn gemeinsam mit ihrer Schwester Seija für den TH Eilbeck antritt, ist der Gewinn einer Medaille bei einer Europameisterschaft der bisher größte sportliche Erfolg. So richtig realisiert hat die 15-Jährige den Triumph noch nicht.

„Es gibt Momente, da kommt es mir so vor, als hätte ich das Ganze nur geträumt“, sagt sie und lacht. „Dann greife ich schnell zur Medaille und weiß, dass es wahr ist.“ Wo sie das Edelmetall in ihrem Zimmer aufbewahren wird, weiß Mascha noch nicht. Viele freie Plätzchen gibt es angesichts der vielen Urkunden, Pokale und anderen Auszeichnungen jedenfalls nicht mehr.

Zwillingsschwester Seija war in Finnland ebenfalls am Start. Nach gewonnener ersten Runde unterlag sie in der Gewichtsklasse bis 52 Kilogramm der Tschechin Renata Safarova und schied aus.

Die Reise nach Skandinavien war für beide verbunden mit bleibenden Eindrücken. „Für jemanden, der in Großstadtnähe wohnt, war es seltsam, auf der Fahrt vom Flughafen nach Vantaa überall nur Bäume, kaum Menschen und nur ab und zu ein Auto zu sehen“, erzählt Mascha.

In Glinde besucht Mascha die neunte Klasse des Gymnasiums. Ihr Notendurchschnitt ist 1,3. Auch wenn das Abitur noch in weiter Ferne liegt, kann die Teenagerin sich vorstellen, später Sport und Mathematik auf Lehramt zu studieren.

Naturwissenschaftliche Fächer sind ihre Sache. „Ich kann es mir selbst nicht erklären, aber Chemie, Physik und Mathematik liegen mir einfach“, sagt sie. Eines können Mascha und Seija sich nicht vorstellen: während eines Judowettkampfs aufeinander zu treffen. „Die häufig gestellte Frage, wer denn nun von uns beiden die bessere Kämpferin ist, beantworten wir mit einem Lächeln“, sagt Mascha. „Die Frage erübrigt sich sowieso, da wir in unterschiedlichen Gewichtsklassen antreten.“

Bis auf zwei kleinere Wettkämpfe ist die Saison für die Schwestern so gut wie beendet. In den kommenden Tagen setzten sich beide mit ihren Trainern Swenja Krosien und Slavko Tekic zu einer Analyse zusammen.