Stormarn
Handball

Nina Schilk aus Bargfeld träumt von Heim-WM

Nina Schilk im Trikot der deutschen Nationalmannschaft

Nina Schilk im Trikot der deutschen Nationalmannschaft

Foto: Fotostand / Wolf / picture alliance / Fotostand

Handballerin Nina Schilk hat sich durch starke Leistungen in der Bundesliga für das Nationalteam empfohlen

Bargfeld-Stegen.  Am morgigen Sonnabend wird Nina Schilk
27 Jahre alt. An Feiern ist aber gar nicht zu denken. Noch bis Sonntag nimmt die Handballerin aus Bargfeld-Stegen, die vor einem Jahr zu Rekordmeister Bayer 04 Leverkusen wechselte, am Athletik-Lehrgang der Deutschen Nationalmannschaft teil und ist froh, wenn sie überhaupt mal eine Viertelstunde Ruhe findet. „Trainieren, essen, trainieren, kurz ausruhen, wieder trainieren“, beschreibt sie den durchgetakteten Tagsablauf.

In einem ungewohnt hohen Alter klopft Schilk das erste Mal in ihrer sportlichen Laufbahn an das Tor zur Nationalmannschaft an. Vor wenigen Tagen saß sie beim Testspiel gegen die Schweiz das erste Mal auf der Bank. Eingewechselt wurde sie nicht, doch sie gehört nun zum elitären Kreis der besten Handballerinnen des Landes – und jetzt will die Linksaußen, die unter anderem beim Ahrensburger TSV und TSV Bargteheide lernte, mehr. Im Winter spielt Deutschland bei der Europameisterschaft in Schweden, die Zwischenstation für das ganz große Ereignis ist: Die Weltmeisterschaft 2017 im eigenen Land. „Vor ein paar Monaten stand die Nationalmannschaft für mich gar nicht zur Debatte, ich habe daran gar keine Gedanken verschwendet“, sagt Schilk. „Aber mittlerweile ist es schon mein Ziel, bei der WM dabei zu sein.“

Ihre erste Bundesligasaison verlief für Schilk äußerst erfolgreich. Für Leverkusen war die Spielzeit eine Achterbahnfahrt mit guten und schwachen Leistungen im Wechsel, die Stormarnerin aber konnte sich darüber freuen, direkt zu den wichtigen Stützen des Teams zu zählen. Schnell kam Lob von Leverkusens Trainerin Renate Wolf und schließlich auch vom neuen Bundestrainer Michael Biegler. Nur das übertriebene Hadern mit sich selbst konnte die Flügelflitzerin noch nicht abstellen.

Der Trainingsaufwand in Leverkusen gleicht dem von Profisportlern, doch reich wird man im Frauen-Handball nicht. Schilk kommt um die Doppelbelastung nicht umhin, hat an einer Leverkusener Grundschule eine Vertretungsstelle besetzt. Im Oktober beginnt sie nach dem bereits absolvierten Bachelor ein Master-Studium in Sport und Mathematik auf Lehramt.

Schilk spricht ganz offen über die negativen Aspekte

So erfreulich und hoffnungsbringend das vergangene Sportjahr für Nina Schilk lief – die intensive Zeit bringt auch negative Begleiterscheinungen mit, über die sie ganz offen spricht. Das Privatleben bleibt auf der Strecke. „Man wünscht sich ja nur mal zwei freie Tage, um in die Heimat zu fahren. Aber das geht kaum“, sagt sie. Selbst in der Sommerpause hatte sie aufgrund der Verpflichtungen in der Schule nur eine Woche Urlaub. An der Hochzeitsfeier eines guten Freundes konnte sie nicht teilnehmen, weil sie mit Leverkusen ins Trainingslager fahren musste. Auch ein Richtfest bei anderen Freunden verpasste sie. „Ich habe das Gefühl, mein gesamter Freundeskreis heiratet, baut ein Haus oder ist schwanger. Aber ich bekomme das nur am Rande mit.“

Ob der Aufwand in einem gesunden Verhältnis steht zu den positiven Erlebnissen, darüber macht sich Schilk durchaus Gedanken. Ihr Vertrag in Leverkusen läuft noch ein Jahr, dann kommt die WM. „Und danach“, sagt Schilk, „werde ich sehen, wie es weitergeht. Innerhalb eines Jahres kann sich meine Sichtweise allerdings auch schon mal ändern.“

Eine ausschweifende Geburtstagsfeier, so viel steht wohl fest, wird es für Nina Schilk auch in 366 Tagen nicht geben können.