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Regionalliga Nord: Aufstiegsrunde ohne Favorit

Szenen aus dem ersten Spiel in der Aufstiegsrunde: Richel Monteiro (r.) schirmt den Ball gegen Chris Pfeifer ab

Szenen aus dem ersten Spiel in der Aufstiegsrunde: Richel Monteiro (r.) schirmt den Ball gegen Chris Pfeifer ab

Foto: TayDucLam / WITTERS

Nach 1:1 des SV Eichede gegen Altona fragen sich die Fußballer, was der Punkt wert ist. Trainer Zapel kritisiert den Schiedsrichter.

Steinburg.  Am Morgen nach dem ersten großen Aufstiegsrunden-Spiel war für die Trainer und Spieler des SV Eichede wieder stinknormaler Alltag angesagt. Während Chefcoach Oliver Zapel die Partie auf Video ein zweites Mal sah, büffelte Kapitän Nico Fischer, Jurastudent, für sein Erstes Staatsexamen. Und Evgenij Bieche? Der Teenager, der gegen Altona 93 vor 3721 Zuschauern kurz nach seiner Einwechslung mit dem Kopfballtreffer zum 1:1-Endstand seinen 30 Minuten kurzen Auftritt zur Hauptrolle umgeschrieben hatte, drückte die Schulbank.

Volkswirtschaftslehre, Französisch und die Fertigstellung eines Videoprojekts standen für den 19-Jährigen am Donnerstag auf dem Stundenplan. Der Jüngste des SVE ist an der Beruflichen Schule des Kreises Stormarn in Bad Oldesloe aus dem Gröbsten raus, hat das schriftliche Abitur bereits hinter sich. Die noch anstehenden mündlichen Prüfungen dürften den Offensivspieler vor keine mentalen Probleme stellen – hat er doch selbst vor der überwältigenden Kulisse an der Adolf-Jäger-Kampfbahn die Nerven bewahrt. „Sich vor so vielen Zuschauern warmzulaufen, war beeindruckend, aber sobald ich auf dem Platz stand, habe ich das kaum mehr wahrgenommen“, sagte Bieche, der nach eigener Aussage gar nicht mit seiner Einwechslung gerechnet hatte. Zuletzt war er in ein kleines Loch gefallen, lief körperlich „auf der letzten Felge“, wie es Trainer Zapel ausdrückte, und vergab bei den A-Junioren eine Reihe an klaren Chancen. Nun aber hat er sich den perfekten Moment für sein erstes Tor im Herrenbereich ausgesucht. „Vielleicht war das einer der wichtigsten Treffer der Vereinsgeschichte“, so Zapel.

Prognosen der Medien und Beobachter widersprechen sich

Wie wertvoll das punktbringende Tor wirklich war und wie bald Bieche, der dem Verein erhalten bleibt, wieder vor einer ähnlichen Kulisse spielen darf, hängt vom Verlauf der nächsten zwei Spiele ab. Für die Partie gegen Germania Egestorf-Langreder (Sonnabend, 15 Uhr, In der Ahe in Rotenburg/Wümme) ist Bieche plötzlich ein heißer Kandidat für die Startelf. Ursprünglich hatte Zapel andere Pläne mit dem Youngster, wollte ihn bei den um den Klassenerhalt in der Regionalliga Nord kämpfenden A-Junioren einsetzen. Nun aber kommt der Trainer an dem Oldesloer als wichtige Option für den rechten Flügel nicht mehr vorbei. „Das Tor wird wie eine Befreiung für ihn sein“, so Zapel.

Die große Frage, wie die Aktien des SVE gegen die unbekannten Gegner stehen – auch nach Spieltag eins von drei in der Aufstiegsrunde ist sie kaum zu beantworten. „Die Ausgangslage hat sich ja nicht verändert“, sagte Kapitän Fischer und bezifferte die Chancen auf den zweiten Regionalliga-Aufstieg der Vereinsgeschichte auf „weiterhin
50 Prozent“. Weil auch die Partie zwischen Egestorf-Langreder und dem Bremer SV 1:1 endete, stehen alle vier Clubs punkt- und torgleich da – passend dazu, dass sich die Prognosen unterschiedlicher Medien und Beobachter frappierend widersprechen.

Zapel: Schiedsrichter verweigerte Tor und zwei Elfmeter

Bereits am Donnerstagabend ließ Zapel trainieren, wie nun an jedem spielfreien Tag bis zur abschließenden Partie zu Hause gegen den Bremer SV (Dienstag, 7. Juni). „Ich nehme das Positive mit“, sagte er mit Blick auf die durchwachsene, phasenweise von Nervosität geprägte Leistung seiner Schützlinge in Altona. „Entscheidend ist, dass wir nach dem Gegentor zurück in unser Spiel gefunden haben.“

Der Blick geht nach vorn, es bleibt kaum Zeit für die Aufarbeitung des Altona-Spiels. Doch komplett kam Zapel während des Videostudiums ums Hadern nicht umhin. Der Treffer durch Arnold Lechler sei zu Unrecht wegen einer vermeintlichen Abseitsposition aberkannt worden, sagte Zapel. Zudem habe es nach Fouls gegen den Eicheder Stürmer zweimal Elfmeter geben müssen: „Wir dürfen uns mit der Erkenntnis nicht lange aufhalten, aber ein Geschmäckle bleibt.“

Ob Gerrit Schubring, der gegen Altona wegen einer Hüftprellung nur auf der Bank saß und von Australien-Rückkehrer Jonathan Marschner ordentlich vertreten wurde, in die Startelf zurückkehren kann, steht noch nicht fest. Alle anderen Eicheder – abgesehen von den Langzeitverletzten – waren vor den beiden Trainingseinheiten vor der Partie gegen die Niedersachsen fit.

Seinen dringlichen Appell an die Anhänger des SV Eichede erneuerte Zapel nochmals. „Wir sind auf Impulse der Fans angewiesen und brauchen jetzt unbedingt von außen das Gefühl, getragen zu werden.“