Stormarn
Karate

Pauline aus Reinbek beherrscht den Karate-Kick

Pauline Sattler beim Training in der Sporthalle der Grundschule Mühlenredder. Seit vergangenem Jahr ist die Zwölfjährige Mitglied im Landeskader.

Pauline Sattler beim Training in der Sporthalle der Grundschule Mühlenredder. Seit vergangenem Jahr ist die Zwölfjährige Mitglied im Landeskader.

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Zwölf Jahre alte Kampfsportlerin der TSV fährt zu einem internationalen Turnier nach Hessen. Kürzlich wurde sie Landesmeisterin.

Reinbek.  Um den wahren Gemütszustand von Pauline Sattler vor einem großen Event wie dem 6. internationalen Randori in Wald-Michelbach zu erforschen, bedarf es schon eines gewissen Insiderwissens. „Pauline kann sich gut sammeln und strahlt eine enorme Ruhe aus“, sagt Sabine Sattler und lacht. „Als Mutter merke ich aber schon, dass sie ein wenig Muffensausen hat.“

Was kein Wunder ist, denn am kommenden Freitag reist die zwölf Jahre alte Karatekämpferin der TSV Reinbek nach Hessen, um bei dem großen Karate-Turnier erste Erfahrungen mit Kämpfern aus anderen Ländern zu sammeln. „Dabei werde ich die Gelegenheit nutzen und Pauline dem Jugend-Bundestrainer Klaus Bitsch vorstellen“, verrät Timo Stieger-Fleischer. „Sie ist ein Ausnahmetalent, das in einigen Jahren bei deutschen Meisterschaften oder sogar höher eine gewichtige Rolle spielen kann.“ Warum der Landestrainer und Coach der TSV so überzeugt von dem Potenzial der Zwölfjährigen ist, begründet er wie folgt: „Pauline ist eine äußerst intelligente Kämpferin“, sagt Stieger-Fleischer. „Sie hat ein hohes Verständnis für technische Abläufe und setzt Dinge, die wir abgesprochen haben, perfekt um.“ So geschehen bei den Landesmeisterschaften in Bad Bramstedt, bei denen Pauline in ihrer Gewichtsklasse (bis 43 Kilogramm) vor Kurzem den ersten Titel gewann. „Nach Platz zwei und drei in den vergangenen Jahren war der Finalsieg nur die logische Konsequenz“, sagt Pauline scherzend. Im Endkampf gegen Dauerkonkurrentin Luca Schmidt (Dojo Jiyu Neumünster) bewies sie mentale Stärke.

Pauline Sattler lebte drei Jahre in Budapest

„Luca ging gleich zu Beginn mit einer gelungenen Fausttechnik in Führung“, erzählt Pauline. Trotz des Rückstands hielt sie sich weiter an den Plan ihres Trainers. „Pauline sollte mit einem halbherzigen Angriff ihre Gegnerin aus der Reserve locken, um anschließend mit aller Entschlossenheit zu kontern“, sagt Stieger-Fleischer. „Das ist ihr letztendlich auch perfekt gelungen.“

Die junge Kampfsportlerin lebt in Hamburg-Bergedorf. Zuvor verbrachte sie drei Jahre in Budapest. Vater Sebastian verschlug es aus beruflichen Gründen in die Hauptstadt Ungarns. „Es war eine sehr schöne Zeit, dennoch war ich froh, wieder zurück nach Hause zu kommen“, sagt Pauline, die in Budapest die deutsche Schule besuchte. „Freundschaften unter Klassenkameradinnen waren meist nur von kurzer Dauer, da sich die jeweiligen Eltern ebenfalls nur zeitlich begrenzt in Ungarn aufhielten.“

Die Zwölfjährige steht mit beiden Beinen im Leben

Vergangenes Jahr erreichte Pauline bei einem Vorlesewettbewerb in Hamburg die Endausscheidung. Ein Hörbuchverlag wurde auf sie aufmerksam und lud sie zu einer Leseprobe ins Tonstudio ein. Pauline: „Ich las zwei unterschiedliche Texte vor und erhielt anschließend den Zuschlag für eine Folge der Hörbuchreihe „Wieso? Weshalb? Warum?“.

Dass die Zwölfjährige mit beiden Beinen im Leben steht, zeigt ihr Interesse an aktuellen Themen. „Zurzeit lese ich viel über das Thema Sekten“, sagt Pauline. „Gefährlich wird es immer dann, wenn eine Gruppierung durch ihre Ideologie sich selbst, die Familie oder andere Menschen gefährdet.“