Stormarn
Handball

Bargteheider ist bei Pokal-Endrunde dabei

Christopher Rudeck pariert einen Wurf des Gummersbachers Kevin Schmidt. Trotzdem verlor der Bargteheider mit dem Bergischen HC das Bundesligaspiel mit 22:23

Christopher Rudeck pariert einen Wurf des Gummersbachers Kevin Schmidt. Trotzdem verlor der Bargteheider mit dem Bergischen HC das Bundesligaspiel mit 22:23

Foto: nph/Freund / picture alliance / nordphoto

Der aus Stormarn stammende Christopher Rudeck spielt mit dem Bergischen HC beim Final Four in Hamburg.

Bargteheide.  Wenn Maren und Peter Rudeck aus Bargteheide ihrem Sohn Christopher beim Handballspielen zusehen wollen, müssen sie normalerweise mehrere hundert Kilometer weit fahren. Der 21-Jährige spielt seit dieser Saison beim Bundesligaklub Bergischer HC im Tor.

An diesem Wochenende haben sie es einfacher: Rudeck ist fast vor der eigenen Haustür im Einsatz. Er hat sich mit seiner Mannschaft für das Final Four im Deutschen Pokalwettbewerb in Hamburg qualifiziert. Am Sonnabend ab 17.45 Uhr spielen die Solinger im Halbfinale in der mit mehr als 13.000 Zuschauern ausverkauften
Barcleycard Arena gegen den SC Magdeburg (Live auf Sport1). Zuvor treffen um 15 Uhr die beiden Favoriten Rhein-Neckar Löwen und SG Flensburg-Handewitt aufeinander.

Nicht nur Rudecks Familie wird auf der Tribüne sitzen und ihn anfeuern. „Ich habe auch einigen früheren Mitspielern aus der Bargteheider B-Jugend Karten besorgt“, sagt der Zwei-Meter-Hüne.

Für Rudeck ist es die erste Pokal-Endrunde. „Wir sind schon alle voller Vorfreude. Als Außenseiter können wir absolut befreit aufspielen. Vielleicht schaffen wir ja die Überraschung und erreichen das Endspiel“, sagt er.

Eine Woche später trifft der Bergische HC erneut auf die Magdeburger. Wenn Rudeck es sich aussuchen dürfte, würde er lieber das Bundesliga-Heimspiel gewinnen. Denn im Kampf um den Klassenverbleib kann seine Mannschaft jeden Punkt gut gebrauchen. Derzeit liegen die Oberbergischen nur einen Zähler vor den Abstiegsrängen. Rudeck: „Der Druck ist so groß, dass wir leider oft verkrampfen.“

Das Restprogramm ist jedoch günstig: „Von den sechs verbleibenden Spielen können wir fünf gewinnen“, glaubt der Torwart. Lediglich in der letzten Partie in der Flensburger Campushalle dürfte ein Sieg illusorisch sein. Rudeck freut sich dennoch auf die Partie im hohen Norden, der mehrere Jahre seine zweite Heimat war. Im Alter von 14 Jahren ist er bei einem Jugendspiel von den Flensburger Talentspähern entdeckt worden dann in die dortige Handball-WG gezogen. An der Förde wurde er zum Jugend- und Juniorennationalspieler. Rudeck gewann mit der Deutschen U18 und U20 jeweils den Europameistertitel, bekam mit 19 einen Profivertrag und von Cheftrainer Ljubomir Vranjes erste sporadische Einsätze in der Bundesliga.

Weil die Flensburger im Tor mit Mathias Andersson aber einen Weltklassemann hatten, entschieden sie sich, den hoch talentierten Rudeck auszuleihen, um ihm mehr Spielpraxis zu ermöglichen. Der Bargteheider spielte eine Saison beim dänischen Erstligisten Mors-Thy Handbold. „Das Jahr hat mich nicht nur sportlich extrem weitergebracht. Ich habe auch eine neue Sprache gelernt. Auch das dortige Lebensgefühl hat mich beeindruckt: Die Menschen sind ungewöhnlich offen und herzlich.“

Dann kam das Angebot vom Bergischen HC und somit die Möglichkeit auf regelmäßige Einsätze in der stärksten Liga der Welt, das er nicht ausschlagen konnte. „Im Rückblick habe ich bisher alles richtig gemacht“, sagt Rudeck. Er zog mit seiner aus Flensburg stammenden Freundin Nele in eine Dreizimmer-Wohnung nach Solingen. Vor kurzem hat er an der Fern-Uni in Bad Honnef ein BWL-Studium begonnen. „Es tut ganz gut, zwei Jahre nach dem Abitur den Kopf wieder zu benutzen“, sagt Rudeck mit einem Lächeln.

Noch ist er hinter dem isländischen Nationaltorwart Björgvin Gustavsson die Nummer zwei. Aber das ist für Rudeck kein Problem. „Er hat große Erfahrung, ich kann noch viel von ihm lernen. Wir haben ein gutes Verhältnis, sprechen auch während der Spiele viel miteinander.“ Mehrfach stand er aber auch schon in der Startformation. Mittelfristig möchte er in der Bundesliga Stammtorwart werden – sein Vertrag beim Bergischen HC läuft noch ein Jahr und ist Spielklassenunabhängig.

Weshalb seine Mannschaft fast ausschließlich in eigener Halle punktet, kann Christopher Rudeck auch nicht verstehen. Er sieht diesen Umstand aber als gutes Omen für das Halbfinale gegen die Magdeburger: „Wir spielen zwar in Hamburg, sind aber erstgenannter Verein und somit so etwas wie die Heimmannschaft. Deshalb klappt es hoffentlich mit dem Sieg“, sagt er. Maren und Peter Rudeck sowie die alten Weggefährten aus Bargteheider Zeiten würde es freuen.