Stormarn
Fechten

Säbel-Fechterin aus Witzhave feiert ihren ersten Titel

Hannah Parow (FC Lütjensee)

Hannah Parow (FC Lütjensee)

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Hannah Parow qualifiziert sich als Landesmeisterin für Deutsche Meisterschaften. Trainingslager in der Ukraine zahlte sich aus.

Witzhave.  Wenn Hannah Parow über Fechtsport spricht, erstrahlen ihre Augen in einem besonderen Glanz. „Fechten ist eine Sportart, die einfach perfekt zu mir passt“, sagt die 15-Jährige vom FC Lütjensee, „zumal sich bei mir nach der Umstellung vom Florett auf den Säbel nun langsam auch der Erfolg einstellt.“

Zwei Jahre trainierte Hannah mehr schlecht als recht mit dem Florett. Ende 2014 stieg sie dann – nicht zuletzt auf Anraten ihrer Trainerin Friederike Janshen – auf den handlicheren Säbel um.

„Auch wenn ich beim Florettfechten zum Ende hin viel Frust geschoben habe, Gedanken an eine Umstellung habe ich mir seinerzeit nicht gemacht“, sagt die 15-Jährige. „Immerhin besaß ich ja die gesamte Ausrüstung mit Maske, Weste und Waffe.“ Die Umstellung auf eine andere Waffe sollte Hannah nicht bereuen. Die ersten Erfolge stellten sich schnell ein.

Bisheriger Höhepunkt: Bei den in Bad Segeberg ausgetragenen Landesmeisterschaften gewann Hannah vor Kurzem den Titel bei den weiblichen A-Jugendlichen. Mit 15:9 bezwang sie im Finale ihre Dauerkonkurrentin und Freundin Alisa Drescher vom Hanseatischen Fecht-Club Lübeck. Mit dem Erfolg löste Hannah auch gleich das Ticket für die deutschen Jugendmeisterschaften in Künzelsau (7. und 8. Mai).

Hannah Parow reiste ins Traininglslager in der Ukraine

Zwei weitere Fechter vom FC Lütjensee lieferten sich in Bad Segeberg ein packendes Duell, wobei Fabian Carsten im Finale der männlichen A-Jugendlichen mit 15:14 seinen ersten Sieg über Jim Mauz feierte. Vereinskamerad Levin Villnow wurde Dritter.

Ihren sportlichen Ritterschlag erhielt Hannah vor knapp einem Jahr. Es war der Tag ihrer Taufe. Der harte Kern der Familie saß spätnachmittags zusammen bei Kaffee und Kuchen, als das Telefon klingelte. Friederike Janshen war am Apparat und fragte, ob Hannah mit in die Ukraine reisen wolle. Die Trainerin hatte dort ein zehntägiges Trainingslager organisiert. Während das Fechttalent begeistert auf die Einladung reagierte, überwogen bei den Eltern zunächst die Zweifel. „Wir mussten praktisch von heute auf morgen entscheiden, ob wir unsere Tochter in ein Krisengebiet reisen lassen“, sagt Mutter Sabine Parow. Nach reiflicher Überlegung und Rücksprache mit der Trainerin stimmten die Eltern zu.

Für Hannah war der Aufenthalt in Lemberg – mit 730.000 Einwohnern die siebtgrößte Stadt der Ukraine – eine wertvolle Erfahrung. „Der Fechtstil der Ukrainer unterscheidet sich doch ziemlich von unserem“, sagt Hannah. „Es war sehr aufschlussreich, zu einigen Dingen auch eine andere Meinung zu hören. Dass sich das Land trotz Waffenstillstands immer noch im Kriegszustand befindet, war an jeder Ecke zu spüren.“ In ihrer Freizeit besuchte sie einen russisch-orthodoxen Gottesdienst und schaute sich die Sehenswürdigkeiten an.

Die 15-Jährige ist politisch interessiert

Die Rückfahrt sorgte bei den Eltern für eine schlaflose Nacht. „Planmäßig sollten wir gegen Mitternacht in Witzhave sein“, erzählt Hannah. „Da wir aber sechs Stunden an der Grenze warten mussten, kamen wir erst gegen
6 Uhr morgens zu Hause an.“

Die 15-Jährige ist politisch interessiert. Hannah mag die Fächer Geschichte und Wirtschaftspolitik. „Politik ist unser aller täglich Brot“, sagt die Neuntklässlerin des Gymnasiums Tritt­au, „deshalb halte ich es für wichtig, dass auch Jugendliche sich mit dem Weltgeschehen auseinandersetzen.“ Hannah liebt aber auch Musik. Am liebsten hört sie den deutschen Rapper Alligatoah. Am 18. März besucht sie in der Hamburger Sporthalle ein Konzert des Niedersachsen.

Aufgewachsen ist sie allerdings mit der Musik der amerikanischen Rockband Linkin Park. „Von morgens bis abends schallten Songs der Band aus dem Zimmer meines Bruders“, sagt sie mit einem Lachen. „Deshalb gefallen mir die Lieder mittlerweile auch.“

Solange der Spaß im Vordergrund steht, will Hannah weiter fechten. Sie sagt: „Ein Leben neben dem Sport muss aber sein.“