Stormarn
Karate

Zwei Reinbeker Karatekämpfer greifen nach DM-Medaillen

Fabian Ziebinski (l.,) und  Sascha Veldung bereiten sich bei einer letzten lockeren Trainingseinheit auf die Titelkämpfe in Bergisch-Gladbach vor

Fabian Ziebinski (l.,) und Sascha Veldung bereiten sich bei einer letzten lockeren Trainingseinheit auf die Titelkämpfe in Bergisch-Gladbach vor

Foto: Henrik Bagdassarian / HA

Sascha Veldung und Fabian Ziebinski vertreten die TSV an diesem Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Bergisch-Gladbach.

Reinbek.  Zum Gespräch erschienen Sascha Veldung und Fabian Ziebinski locker und entspannt. Nervosität war den beiden Karatekämpfern der TSV Reinbek kurz vor ihrem großen Auftritt bei den deutschen Meisterschaften in Bergisch-Gladbach (Nordrhein-Westfalen) an diesem Wochenende nicht ansatzweise anzumerken.

Der Schein trügte jedoch, jedenfalls bei Veldung. „Sobald ich an die DM denke, setzt bei mir eine gewisse Unruhe ein“, räumte der 21-Jährige ein und lacht. „Dann hilft nur eins: Kopfhöhrer auf und volle Lautstärke Musik von Queen oder Prince Pi hören.“ Ob seine Wahl auf die eher rockigen Klänge der britischen Rockband oder den rhythmischen Sprechgesang des deutschen Rappers fällt, hinge von seiner jeweiligen Stimmungslage ab.

Ziebinski hingegen war sicher, dass – wenn überhaupt – die Aufregung bei ihm erst später einsetzt. „Wenn ich im Bus nach Bergisch-Gladbach sitze, könnte es soweit sein“, prophezeite der 22-Jährige grinsend, „denn dann gibt es für mich keinen Weg mehr zurück.“

Die beiden jungen Männer verbindet weitaus mehr als die Leidenschaft für die asiatische Kampfsportart. Sowohl Veldung als auch Ziebinski starten in der Gewichtsklasse bis 84 Kilogramm. Beide sind große Queen-Anhänger und studieren an der Universität Hamburg, um später Lehrer zu werden. „Ich arbeite gern mit Menschen“, sagte Veldung. Um sein Studium zu finanzieren, leitet er für die Hansestadt als Dozent Sprach- und Integrationskurse für Flüchtlinge.

„Täglich begegne ich dort wissbegierigen Menschen, die einfach Lust auf Deutschland haben und sich aktiv einbringen möchten“, sagte Veldung. „Der Umgang mit ihnen hat mich gelehrt, die Flüchtlinge als Individuen wahrzunehmen und nicht als die breite Masse, wie sie uns von den Medien präsentiert wird.“

Auch Ziebinski hat täglich Kontakt mit Menschen aus Krisengebieten. Als Brief- und Paketzusteller der Deutschen Post hat er Zugang zu Flüchtlingsheimen.

„Die Gastfreundschaft ist manchmal schon überwältigend“, sagte er. „Kinder ziehen an meinen Hosenbeinen, um mit mir zu spielen, während die Väter mich auf eine Tasse Tee einladen, was ich leider nicht annehmen kann.“ Für seine Bachelorarbeit hatte er sich das Thema „Sozialerzieherische Potenziale des Kartesports im Schulsport“ ausgesucht.

„Die Kultusministerkonferenz hat 1991 an Schulen ein Verbot ausgesprochen von Kampfsportarten, die Schläge und Tritte beinhalten“, sagte Ziebinski. „Mit meiner Arbeit konnte ich eindeutig belegen, dass Karate nicht nur die soziale Kompetenz bei Jugendlichen erhöht, sondern auch einen Reifeprozess in Gang setzt, der viele Jahre anhält.“

In Bergisch-Gladbach treten Veldung und Ziebinski nicht nur im Einzelwettbewerb an. An diesem Sonntag werden an gleicher Stelle auch die nationalen Mannschaftsmeisterschaften ausgetragen. „Mit Sascha und Fabian haben wir zwei Vertreter der TSV Reinbek im Team Schleswig-Holstein“, sagte Timo Stieger-Fleischer von der TSV.

Der Landestrainer hat sein Team mit Mannschaftsweltmeister Patrick Urban, Mannschafts-Vize-Weltmeister Noah Bitsch und dem amtierenden deutschen Vizemeister Robin Endricat prominent aufgerüstet.