Stormarn
Neues Projekt

Stormarn bekommt mobilen Sportlehrer

Markus Kratz kennt sich im Kreis aus: Er wuchs in Mollhagen auf, ging in Bargteheide zur Schule, spielte beim VfL Oldesloe Badminton, und zieht demnächst nach Ahrensburg

Markus Kratz kennt sich im Kreis aus: Er wuchs in Mollhagen auf, ging in Bargteheide zur Schule, spielte beim VfL Oldesloe Badminton, und zieht demnächst nach Ahrensburg

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Der Kreissportverband Stormarn will Inklusion in seinen Vereinen fördern. Der 26-jährige Markus Kratz aus Mollhagen soll das Projekt leiten.

Bad Oldesloe.  Inklusion bedeutet Zugehörigkeit, also das Gegenteil von Ausgrenzung. Wenn jeder Mensch – egal ob behindert oder nicht – überall dabeisein kann, dann ist das gelungene Inklusion. In Kitas und Schulen funktioniert das zum Teil schon ganz gut – in Sportvereinen noch nicht. „Die meisten unserer Vereine haben mit dem Thema bisher noch keine Berührungspunkte“, sagt Joachim Lehmann, Vorstandsmitglied des Kreissportverbands (KSV) Stormarn und zugleich Vorsitzender des TSV Glinde.

Das will der Verband jetzt ändern – mit dem Projekt „Sport für alle – Stormarner Vereine leben inklusiven Sport“. „Es gibt bereits einige wenige Vereine wie den Hoisbütteler SV, die gute Sportangebote für das Miteinander von Menschen mit und ohne Behinderung haben, doch das reicht nicht“, sagt der KSV-Vorsitzende Adelbert Fritz. „Mit dem Projekt wollen wir den Vereinen Hilfestellung geben, um vorhandene Angebote für Menschen mit Behinderung zu öffnen oder ganz neue Angebote zu konzipieren, um damit Integration und Inklusion zu ermöglichen.“

Deshalb wird den Vereinen künftig ein Experte in Sachen Inklusion im Sport zur Seite gestellt: Der Mollhagener Markus Kratz fungiert ab dem 1. März im Auftrag des Kreissportverbands als „mobiler Sportlehrer“. Er soll zunächst Kontakte knüpfen, Vereine mit Behinderteneinrichtungen zusammenbringen, Sportangebote entwickeln und später anleiten. „Die größte Schwierigkeit wird sein, in den Vereinsvorständen Überzeugungsarbeit zu leisten, Hemmschwellen und Berührungsängste abzubauen“, glaubt Lehmann. Erste Vorgespräche mit einigen Vereinsvertretern habe es bereits gegeben. Vereine wie der TSV Bargteheide, Ahrensburger TSV, die SG Stoba oder Preußen Reinfeld hätten Bereitschaft signalisiert, sich zu beteiligen, so Lehmann. Er glaube dennoch an einen langen Prozess des Überzeugens. Deshalb wollen die Initiatoren nichts überstürzen. Lehmann: „Praktischen Sport wird es erst nach den Sommerferien geben.“

Das Projekt ist zunächst auf drei Jahre angelegt. Finanziert wird es zu einem großen Teil von der Sparkassen-Stiftung und Sparkassen-Sozialstiftung Stormarn, die 120.000 Euro zur Verfügung stellen und damit die gesamten Personalkosten und die Anschaffung eines Autos für den Sportlehrer abdecken.

„Das ist von der Summe das größte und eines der wichtigsten Projekte, die wir in den vergangenen Jahren begleitet haben“, sagt Martin Lüdiger, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Holstein. Vom Landessportverband kommen weitere 5000 Euro. „Die Gesamtkosten können wir noch nicht genau beziffern. Das hängt davon ab, wie viele Vereine sich an dem Projekt beteiligen und was alles an Sportmaterialien anzuschaffen ist“, sagt Verena Lemm, Geschäftsführerin des KSV.

Markus Kratz freut sich auf eine „spannende Aufgabe“. Der 26-Jährige kann sich noch gut an die Zeit erinnern, als er selbst nicht wusste, wie er Menschen mit einer Behinderung begegnen sollte. „Dann habe ich meinen Zivildienst in der Woldenhorn-Schule in Ahrensburg abgeleistet und dort gelernt, dass man ganz normal mit ihnen umgehen kann. Behinderte Menschen sind offen, direkt und ehrlich und dabei sehr begeisterungsfähig. Das gefällt mir.“ Kratz blieb drei Monate länger als geplant an der Schule, studierte dann in Kiel Pädagogik und Sportwissenschaft. Nebenbei hat er in Schwimm- und Leichtathletikgruppen immer mit geistig oder körperlich behinderten Menschen zu tun gehabt. Das Thema seiner Abschlussarbeit lautete: „Leistungsmotivation bei geistig behinderten Fußballspielern.“

Einer seiner Professoren im Masterstudiengang an der Uni steht ihm auch jetzt zur Seite: Manfred Wegner wird das Projekt wissenschaftlich begleiten. Die Thematik Behinderung im Sport beschäftigt ihn schon seit mehr als 20 Jahren. Was die Begegnung von Behinderten und Nichtbehinderten im Sport angeht, mahnt er zur Zurückhaltung. „Wir dürfen uns nicht überfordern und sollten zunächst Menschen ansprechen, die ohnehin schon Erfahrungen in diesem Bereich haben. Man muss klein anfangen und den Stein ins Rollen bringen.“

Wann ist das Projekt ein Erfolg? „Wenn zehn Vereine mitmachen, wäre das toll“, sagt Lehmann. Lüdiger wünscht sich vor allem Nachhaltigkeit: „Es soll etwas entstehen, dass in fünf Jahren aus sich selbst heraus lebt.“