Stormarn
Reinfeld

Heimat und Familie statt Schalke 04

Seit Sommer ist er Chefcoach des SV Preußen Reinfeld. Als Fußballer verpasste Ronny Tetzlaff den Sprung ins Profigeschäft knapp – aus vielen Gründen

Reinfeld. Es ist keine zwei Monate her, dass der Mittelstürmer Ronny Tetzlaff für den SV Preußen Reinfeld das letzte seiner 29 Saisontore schoss und mit seinen Teamkollegen die überragende Saison und den Aufstieg in die Fußball-Verbandsliga feierte. Nun füllt der 37-Jährige eine andere Rolle aus. Aus dem Stürmer ist der Cheftrainer geworden, nachdem der Posten urplötzlich vakant geworden war. „Ungewohnt“ seien die ersten Wochen der Vorbereitungsphase für ihn gewesen, erzählt Tetzlaff. „Auf der anderen Seite macht es viel Spaß mit den Jungs. Alle sind sehr euphorisch.“

Seine aktive Zeit als Fußballer hat Tetzlaff damit wohl beendet, er will kein Spielertrainer sein. Nur im äußersten Notfall würde er eingreifen. Damit klingt eine Sportlerlaufbahn aus, wie sie bewegter kaum hätte sein können. Jahrelang wandelte der hochtalentierte Angreifer an der Grenze zum Profigeschäft. Er spielte vor Tausenden Zuschauern, einmal sogar gegen den HSV. Doch zur ganz großen Karriere hat es nicht gereicht. „Natürlich war das früher mein Wunsch“, sagt er. „Aber ich möchte die Zeit nicht missen. Es ist alles gut, so wie es gelaufen ist.“

Eine Vielzahl an Ereignissen, Entscheidungen, auch Zufällen hat verhindert, dass Tetzlaff bei einem Profiverein untergekommen ist. Pech war dabei. Das falsche Timing. „Aber manchmal hat auch meine Leistung einfach nicht gereicht“, gibt er zu.

Doch die erste richtungsweisende Entscheidung traf er ganz allein – und aus ehrenhaften Gründen. 16 Jahre war er alt, spielte in der Jugendmannschaft seines Heimatvereins VfL Grün-Gold Güstrow, als der große FC Schalke 04 anklopfte. Eine Woche trainierte der Teenager in Gelsenkirchen mit. Er überzeugte und bekam das Angebot, für Schalkes A-Jugend zu spielen. Doch Tetzlaff hatte gerade einen Ausbildungsvertrag unterschrieben und wählte den sicheren Weg. „Es war eine Entscheidung für Heimat, Familie und Ausbildung“ sagt er.

Heimat, das war und ist Mecklenburg-Vorpommern. Gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Heiko, ebenfalls Fußballer, wuchs er am Stadtrand von Güstrow auf, einem Ort mit kleiner, schmucker Altstadt, 40 Kilometer südlich von Rostock gelegen. „Es war eine schöne und behütete Kindheit. Ich fahre immer wieder gern hin“, sagt Tetzlaff, der heute in Lübeck lebt und beruflich in Reinfeld als Wohneinrichtungsberater tätig ist.

Dass seine Kindheit in Güstrow ein Leben hinter Mauern war, habe für ihn als Kind keine Rolle gespielt, erzählt Tetzlaff. „Die politischen Dinge habe ich in dem Alter nicht mitbekommen.“ Die Wende realisierte der Zwölfjährige Ronny dann in Form einer Coca-Cola-Dose, die er in einem Ferienlager am Krakower See leerte. Was folgte, war eine „aufregende und tolle Zeit“, sagt Tetzlaff. „Alles war neu. Die 90er-Jahre waren die schönste Zeit.“

Seine fußballerisch beste Phase aber begann mit dem Ende der 90er-Jahre. Im Juli 1999 wurde Tetzlaff vom damals sehr ambitionierten FC Schönberg abgeworben. Bei dem Viertligaclub herrschten dank eines Großsponsors profi-ähnliche Verhältnisse. Die Mannschaft verpasste erst in der Relegation den Aufstieg in die Dritte Liga. Viermal gewann Tetzlaff mit dem FC Schönberg den Landespokal, lief daraufhin dreimal im DFB-Pokal auf: 2001 gegen den VfB Stuttgart (2:4), 2002 gegen den HSV (0:6) und 2004 beim 0:15 gegen den 1. FC Kaiserslautern. „Das waren die Highlights. Mehr kann man als Amateur nicht erreichen“, sagt der Unterstützer von Hansa Rostock, HSV und FC Bayern.

Auch die zwei Jahre beim VfB Lübeck II hält Tetzlaff in guter Erinnerung. Außerdem spielte er für Borussia Lübeck, SV Todesfelde, FC Voran Ohe und von 2009 bis Ende 2013 beim Sereetzer SV, wo er bereits sechs Monate lang erste Erfahrungen als Spielertrainer sammelte. „Ich habe es mir leichter vorgestellt“, sagt er heute. „Es fehlte aber auch Unterstützung. Ich war für alles zuständig, das hält man nicht lange durch.“ Bei Preußen Reinfeld sei das anders. „Wir sind gut aufgestellt“, sagt der Coach eine Woche vor dem Start in die Verbandsliga-Saison.

Zeit für ein weiteres großes Hobby neben dem Fußball bleibt Tetzlaff kaum. Aber eines gilt für den 37-Jährigen ebenso wie damals für den Teenager, der dem großen FC Schalke 04 absagte: „Das wichtigste ist, dass man das Leben genießt, gemeinsam mit Freunden und der Familie.“