Stormarn
Fußball

Jugendtrainer fliegt zum Lehrgang nach Spanien

Pascal Efrom ist 18 Jahre alt – und 17 Jahre Mitglied im VfL Rethwisch

Pascal Efrom ist 18 Jahre alt – und 17 Jahre Mitglied im VfL Rethwisch

Foto: Thomas Jaklitsch / HA

Pascal Efrom darf wegen seines ehrenamtlichen Engagements beim VfL Rethwisch bei der DFB-Aktion „100 stille Helden“ mitmachen.

Rethwisch. Als Pascal Efrom aus Bad Oldesloe vor etwa einem Jahr vorsichtig mit dem Gedanken spielte, sich als Fußballtrainer zu engagieren, hätte er nicht gedacht, dass alles so schnell gehen könnte. Er informierte sich unverbindlich über die Aufgabe als Jugendcoach bei seinem Vater Joachim Efrom – und der ist als langjähriges Vorstandsmitglied bestens vernetzt im VfL Rethwisch. Wenige Telefonate und nur drei Wochen später war Pascal Efrom Trainer der Rethwischer E-Juniorenfußballer.

Inzwischen sind die E-Junioren in die D-Junioren aufgerückt, und auch sonst ist viel passiert in dem einen Jahr. Pascal Efrom, der 18 Jahre alt und schon seit seinem ersten Lebensjahr Mitglied im VfL Rethwisch ist, absolvierte die C-Lizenz-Prüfung. Er ging erfolgreich auf Sponsorensuche für neue Trainingsanzüge, bemühte sich um einen Praktikumsplatz beim VfB Lübeck und bietet eine zusätzliche Trainingseinheit für alle jugendlichen Torhüter des Vereins an. Und nun fährt er zu einer Fortbildung nach Spanien.

Zu verdanken hat das Efrom, der selbst im Rethwischer Herrenteam gegen den Ball tritt, dem Jugendobmann Daniel Springborg. Der nämlich schlug den jungen Coach bei der DFB-Aktion „100 stille Helden“ vor. Efrom wurde unter rund 1000 Anwärtern gemeinsam mit 99 anderen auserwählt, an der fünftägigen Veranstaltung in Barcelona teilzunehmen. Prominente wie der frühere Bundestrainer Erich Ribbeck, Ex-Nationalspieler Uli Stielike und Schiedsrichter Urs Meier halten Vorträge. Außerdem stehen eine Stadionführung durch das Camp Nou und mehrere Ausflüge in das Umland auf dem Programm.

Der DFB begründet die 2013 ins Leben gerufene Aktion im Internet so: „Genauso wichtig wie die Unterstützung der Kinder und Jugendlichen ist die Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit, damit die aktiven Trainer auch in schwierigen Zeiten am Ball bleiben und andere Fußballbegeisterte zu einem Trainerjob motivieren.“ Das sieht auch Jugendobmann Springborg so: „Ich habe Pascal vorgeschlagen, weil er im äußersten Maße engagiert ist.“

Wer für eine lebhafte Jugendarbeit in einem Dorfverein wie dem VfL Rethwisch zuständig ist, für den sind Trainer wie Pascal Efrom dringend benötigte Stützen. Denn in den höheren Altersklassen wird es für Clubs immer schwieriger, ausreichend Spieler für eine Mannschaft zu behalten. So wird der VfL kommende Saison keine C-Jugend melden. Im jüngeren E- und F-Jugend-Bereich verzeichnet Springborg dafür einen „unheimlichen Zulauf“.

„In den drei höchsten Altersklassen ist es jede Saison schwierig“, sagt der Jugendobmann. Der Club bildet deswegen Spielgemeinschaften mit anderen Vereinen. Ein Grund für den Abgang vieler Teenager sei der zunehmende Druck in der Schule und in den ersten Lehrjahren, meint Springborg.

„Es wird immer mehr Leistung gefordert. Damit kommen viele Jugendliche nicht zurecht und geben deswegen ihr Hobby auf. Dabei kann der Fußball als Ventil so wichtig sein“, sagt Daniel Springborg, der selbst als Trainer für die B-Junioren zuständig ist. „Dort merkt man dem einen oder anderen schon an, dass er mit den Gedanken woanders ist.“

Auch Pascal Efrom wird wieder die Doppelbelastung von Schule und Fußball zu spüren bekommen. Ab September holt er sein Abitur nach, um danach zu studieren. „Sport und angewandte Trainingswissenschaft“ sollen es werden. Seinem großen Hobby würde er damit treu blieben und es im besten Fall zu seinem Beruf machen. „Ich würde gern im Leistungsbereich arbeiten, am liebsten als Torwarttrainer“, sagt Pascal. Seine Heimat aber müsste er verlassen. Der Studiengang wird nur in Berlin und München angeboten.