Stormarn
Leichtathletik

Ein Trainer aus Bad Oldesloe träumt vom großen Wurf

Willi Studt gibt seinen Speerwerferinnen einige gute Tips. Der 55-Jährige möchte im herbst die Trainer-B-Lizenz erwerben

Willi Studt gibt seinen Speerwerferinnen einige gute Tips. Der 55-Jährige möchte im herbst die Trainer-B-Lizenz erwerben

Foto: Henrik Bagdassarian

Coach Willi Studt hat beim VfL den klassischen Leichtathletik-Sportgeräten Speer, Hammer, Kugel und Diskus neuen Glanz verliehen.

Bad Oldesloe. Er hört gern die Musik von AC/DC, Santana und den Beatles. „Bitte aber auch in genau dieser Reihenfolge“, sagt Willi Studt und lacht. Der Leichtathletiktrainer des VfL Oldesloe ist gut gelaunt. Aus gutem Grund, denn zurzeit läuft es einfach rund für den Kreisstädter.

Beim VfL hat er innerhalb weniger Jahre eine kleine, leistungsorientierte Werfergruppe aufgebaut. Speerwerferin Leoni de Graaf, das Aushängeschild der Oldesloer Leichtathletiksparte, hat Studt zur deutschen Jugendmeisterschaft gebracht. Nun hat Maria Ritschel, Speerwurf-Bundestrainerin des Deutschen Leichtathletik-Verbands (DLV), ein Auge auf den 55-Jährigen geworfen.

Willi Studt war 1985 für das Finale der deutschen Mehrkampfmeisterschaften qualifiziert

Ende März, während des letzten Kaderlehrgangs, empfahl sie Studt, die Ausbildung zum B-Trainer im Bereich Wurf zu absolvieren, um anschließend in den Trainerstab des DLV aufgenommen zu werden. „Das Angebot der Bundestrainerin kam für mich total überraschend“, sagt Studt, „und obwohl diese Aufgabe für mich noch weniger Freizeit bedeutet, reizt sie mich gewaltig.“ Im Oktober will Studt die Prüfung ablegen und danach bei Bundes- und Landestrainern hospitieren. „Bis Jahresende könnte alles unter Dach und Fach sein“, sagt er.

Der Liebhaber von Science-Fiction-Filmen – er gibt zu, das Heldenepos „Krieg der Sterne“ ungezählte Male förmlich verschlungen zu haben – war früher selbst erfolgreich auf der Tartanbahn unterwegs. Höhepunkt für Studt war 1985 die Teilnahme am Endkampf der deutschen Mehrkampfmeisterschaften in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen).

Seine Leichtathletik-Karriere begann Studt vor 45 Jahren beim VfL Oldesloe. 1987 wechselte er zu Phönix Lübeck, neun Jahre später zum Spiridon-Club Bad Oldesloe. Dort begann er auch erste Erfahrungen als Trainer zu sammeln. „Als aktiver Athlet übernahm ich eine kleine Laufgruppe von Schülern“, sagt der 55-Jährige, „was mir viel Spaß bereitet hat.“

2007 kehrte Studt voller Tatendrang zum VfL zurück. An die erste Begegnung mit Jennifer Fentroß erinnert er sich gut. „Jennifer stand allein mit dem Medizinball in der Hand auf der Trainingsanlage und wusste nicht so genau, was sie damit anfangen sollte“, erzählt Studt.

Fortan hatte der Oldesloer ein bestimmtes Ziel vor Augen. Studt: „Ich wollte der Leichtathletik beim VfL, dabei speziell dem Mehrkampf und den klassischen Wurfdisziplinen Diskus, Speer und Kugel, wieder neues Leben einhauchen.“

Unterstützt von Fentroß, die in den folgenden Jahren wiederholt mit der Kugel, dem Diskus und dem Hammer bei Kreis- und Landesmeisterschaften Medaillen abräumte, begann Studt beim VfL mit dem leistungsorientierten Training. Schnell wurde das Travestadion in Stormarn zur Hochburg der Werfer.

Was nicht unbemerkt blieb, denn Jan Dreier, Trainer vom LK Weiche, riet Leoni de Graaf während eines Kaderlehrgangs vom SV Friedrichsgabe nach Bad Oldesloe zu wechseln. Er erzählte der damals 15-Jährigen, dass er VfL-Coach Willi Studt sehr gut kenne und sicher sei, dass dieser sie im Speer- und Diskuswurf sowie im Kugelstoßen weiter bringen würde.

Der Vereinswechsel zahlte sich aus. Innerhalb von wenigen Monaten vollzog Leoni beachtliche Fortschritte und erfüllte im vergangenen Jahr in allen drei Disziplinen die Norm für die deutschen Jugendmeisterschaften.

Laura Westermann verstärkt das Team des VfL

Als kleinen Nachteil sieht Studt allerdings die geografische Lage der Kreisstadt an. „Für viele Athleten in Norddeutschland ist Bad Oldesloe ein wenig bekannter Fleck auf der Landkarte“, sagt Studt. Nicht viele seinen in der Lage richtig einschätzen zu können, mit welcher Intensität die Leichtathletiksparte des VfL ihre Trainingseinheiten absolviere.

Ende Juni wird eine weitere Wurfspezialistin das Team von Studt verstärken. Laura Westermann, 25, kehrt von ihrem Auslandssemester aus Norwegen zurück und wird vom Hamburger Sport-Verein in die Kreisstadt wechseln.

„Wir sind uns in den vergangenen Jahren in Hamburg beim Training in der Alsterdorfer Sporthalle immer wieder über den Weg gelaufen“, sagt Studt. „Laura passt menschlich hervorragend zu uns, zudem werden Leoni und Jennifer von ihrer Erfahrung profitieren.“ Auch wenn Leichtathleten im Wettbewerb meist Einzelkämpfer sind, ist der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe von immenser Bedeutung, glaubt der Coach.

„Als Leichtathlet braucht man unbedingt jemanden, mit dem man seine Leidenschaft teilen kann“, sagt Studt. Die Leistungsgruppe sei gerade in den beiden vergangenen Jahren menschlich greift und fester zusammengewachsen. „Die Mannschaft trifft sich öfter auch außerhalb des Sportplatzes“, sagt Studt und grinst. „Und das nicht nur um vor dem Fernseher zu sitzen und Bier zu trinken.“