Stormarn
Reinfeld

Preußen Reinfeld – Kreisligist im Aufbruch

In der Fußballabteilung werden die Weichen für eine goldene Zukunft gestellt. Mit dem Aufstieg in die Verbandsliga soll noch nicht Schluss sein

Reinfeld. Auch wenn sie es beim SV Preußen Reinfeld so niemals sagen würden: Bei 18 Zählern Vorsprung auf den Tabellendritten WSV Tangstedt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis der Aufstieg der Kreisligafußballer in die sechstklassige Verbandsliga auch rechnerisch perfekt ist. Nach Platz fünf (2012), Platz zwei (2013) und Rang drei (2014) gelingt dem Team im vierten Anlauf der Sprung in die Verbandsliga – doch damit soll noch lange nicht Schluss sein. „Wir trauen uns durchaus zu“, sagt Chefcoach Jochen Prieß, „in fünf Jahren an das Tor zur Schleswig-Holstein-Liga anzuklopfen.“

Der Traum von der Fünftklassigkeit ist dabei Zukunftsmusik, bei der Prieß wohl nicht mehr die erste Geige spielen wird. In diesem Winter hat der 60-Jährige seinen Vertrag noch mal um ein Jahr verlängert. Möglich, dass danach Schluss ist für Prieß, der den Kreisligaclub vor fünf Jahren übernahm und mit nachhaltiger Jugendarbeit und der Verbesserung der Infrastruktur zu dem machte, was er heute ist: Der kommende Meister. „Damals“, erinnert er sich, „gab es hier keinen Co-Trainer, keinen Torwarttrainer, keinen Physiotherapeuten und keine Betreuer.“

In der Gegenwart sieht es deutlich besser aus, „eitel Sonnenschein“ nennen Prieß und sein Co-Trainer Christopher Naatz die Situation sogar: Alle Leistungsträger haben bereits für die nächste Saison zugesagt, nur der 36-jährige Ronny Tetzlaff zögert noch. Wenn es nach Naatz und Prieß geht, hängt der Routinier noch ein Jahr dran und steigt dann in den Trainerstab auf. Zwei erfahrene Spieler sollen zur neuen Saison verpflichtet werden, „wir werden der Mannschaft aber kein komplett neues Gesicht geben“, so Prieß.

Aus dem Jugendbereich sieht das Trainergespann vier „sehr starke Jahrgänge“ heranwachsen, wie Naatz sagt. „Da rücken einige Spieler mit erheblichem Potenzial nach.“ Etwa einmal im Monat werden die A-Junioren in das Training eingebunden und selbst einige B-Junioren haben schon beim Herrenteam mittrainiert, um früh herangeführt zu werden.

Auch die Zusammenarbeit mit der zweiten Mannschaft soll intensiviert, ein leistungsorientiertes Nachwuchsteam aufgebaut werden. Die bisherige „Oldie-Mannschaft“ wird zur Drittvertretung. Naatz: „Es geschieht ein totaler Umbruch. Es ist unheimlich spannend, wie sich der Verein gerade gestaltet.“

Einige Jahre dauern dürfte es dagegen noch, bis sich der Wunsch nach einem Kunstrasenplatz erfüllt. Derzeit diskutieren Verein und Politik einen möglichen Umzug der Fußballabteilung in den Norden der Karpfenstadt. Dort könnten zwei Kunstrasenplätze und ein Rasenplatz entstehen. „Das ist eine Sache, an der man gar nicht vorbeikommt, wenn man sich weiterentwickeln will“, sagt Naatz. Aus dem Gelände am Bischofsteicher Weg, wo die Sparte derzeit beheimatet ist, könnte dann Bauland werden.

Ein bereits bestehender Luxus, der den SVP deutlich von der Kreisliga-Konkurrenz abhebt, ist die Trainerkonstellation. Prieß, Trainer seit 30 Jahren, der einst Eintracht Segeberg in die SH-Liga führte, hat quasi die gesamte Trainingsarbeit seinem jungen Nebenmann übertragen. „Ich habe keinen Coach erlebt“, sagt er, „der sich der Trainingsarbeit mit solcher Hingabe widmet wie Christopher. Er liest Bücher, schaut sich Videos an, beschäftigt sich mit der Lehre intensivst.“ Die letzte Entscheidung über Aufstellungen und Taktik liegt aber immer bei Prieß.

Auch sonst ist der erst 24 Jahre alte Naatz eine Ausnahmeerscheinung. Seine Laufbahn als Fußballer beendete er in der A-Jugend. Erst stoppten ihn Meniskusschäden auf beiden Seiten, dann eine chronische Schleimbeutelentzündung im rechten Knie. Nun steckt er seine Energie in seine Trainerausbildung. In der Winterpause hospitierte er eine Woche unter Oliver Zapel beim SV Eichede. Ein klares Ziel als Coach habe er noch nicht. „Momentan gehe ich den Reinfelder Weg sehr gern mit.“

„Wir haben hier schon einiges bewegt“, sagt Prieß. „Mit dem Aufstieg in die Verbandsliga wäre ich dann auch mit meiner Ära hier im Reinen.“