Stormarn
Stapelfeld

Die Herrin der Ringe

17 Jahre alte Bogensportlerin Ann-Kathrin Krohn vom VSG Stapelfeld feiert nationalen Titel. Und rückt in die nächst höhere Altersklasse auf

Stapelfeld. Manchmal sind es Kleinigkeiten, die Ann-Kathrin Krohn das tägliche Leben ein wenig erleichtern. Und ihr eventuell sogar einiges an Zeit einsparen. Wie im Fall des Sammeltaxis, das die 17-Jährige von der VSG Stapelfeld von der Haustür bis zum Trainingsgelände befördert und nicht – wie normalerweise Usus – an der einen Bushaltestelle aufsammelt und an der anderen wieder ausspuckt.

„Seit drei Jahren fahre ich mit dem Sammeltaxi fast täglich von Brunsbek zum Training nach Stapelfeld“, erzählt die junge Bogensportlerin, „kein Wunder also, dass die Fahrer mich mittlerweile kennen, ein Auge zudrücken, und mich von Tür zu Tür befördern.“ Vielleicht trug die daraus resultierende Zeiteinsparung ein wenig dazu bei, dass die 17-Jährige, nach 2012, vor Kurzem ihren zweiten nationalen Titel feierte. Denn bei den in Hamburg ausgetragenen nationalen Jugendmeisterschaften des Deutschen Bogensport-Verbands sicherte sich die junge Brunsbekerin mit dem Recurvebogen den Titel in der Altersklasse U 17, verbesserte nebenbei sogar den von ihr gehaltenen deutschen Rekord um zwei Ringe.

Kurz vor Ende des Wettkampfes konnte keiner mehr damit rechnen, da die 17-Jährigen über die 30-Meter-Distanz gleich zweimal die weiß unterlegte Zielauflage verfehlte. Während ein Pfeil sich in die äußere Kante der dunklen Stramitscheibe bohrte, blieb ein weiterer ein paar Meter hinter der Zielscheibe im grünen Gras stecken.

„Bei so einem Missgeschick vor den vielen Zuschauern möchte man als Bogensportlerin am liebsten tief im Boden versinken“, sagt Ann-Kathrin, die gedanklich allerdings mehr damit beschäftigt war, „dass mir der sicher geglaubte Titelgewinn nicht kurz vor Ende noch aus den Händen gleitet“. Zum Glück kann die 17-Jährige sich auf ihre Nervenstärke verlassen. Im letzten Durchgang lieferte sich die Brunsbekerin mit Laura Göttges (Krefelder SSK) ein wahres Kopf-an-Kopf-Rennen um Rang eins, welches die Stormarnerin – allerdings bei gleicher Anzahl von Ringen im Gesamtergebnis – für sich entschied. „Den Ausschlag gab letztendlich die höhere Anzahl an Innenzehnern“, sagt Ann-Kathrin, die ihren Pfeil rund zehnmal in der goldenen Mitte der Scheibe versenkt hatte.

In der im Oktober beginnenden Hallensaison steigt Ann-Kathrin in die Altersklasse U 20 auf. Sie gibt sich dennoch weiterhin selbstbewusst: „Ich sehe mich durchaus in der Lage, mit den älteren Schützinnen mitzuhalten.“ Im Verein wird ihre Meinung geteilt. „Ann-Kathrin hat bisher höchstens 70 Prozent ihres Leistungspotenzials ausgeschöpft“, sagt Danny Karl, selbst mehrfacher deutscher Meister im Bogenschießen und seit rund vier Wochen stellvertretender Abteilungsleiter der Stapelfelder Bogensportsparte.

Es sind Ann-Kathrins Beharrlichkeit, ihr Durchhaltevermögen und unermüdlicher Fleiß, die die 17-Jährige innerhalb von nur vier Jahren im Bogensport weit gebracht haben Genau diese Eigenschaften sollen ihr auch den Weg in ein erfolgreiches Berufsleben ebnen. Ann-Kathrin hat feste Vorstellungen. Sie sagt: „Ich möchte als Produktdesignerin bei Volkswagen arbeiten, deshalb versuche ich alles, schon jetzt dafür die entsprechende Grundlage zu legen.“

Seit vergangenem Jahr besucht Ann-Kathrin in Hamburg-Wilhelmsburg die staatliche Gewerbeschule, absolviert eine Ausbildung als technische Produktdesignerin sowie als Bauzeichnerin. Nach erfolgreichem Abschluss im kommenden Jahr plant sie eine anschließende duale Ausbildung bei einem großen Anbieter von Gabelstaplern und Intralogistiksystemen – ebenfalls mit Abschluss Produktdesignerin. Die Bewerbung ist seit Wochen raus geschickt. „Ein wenig nervös bin ich schon, denn täglich rechne ich mit einer Antwort“, sagt Ann-Kathrin.

Ihr ist bewusst, dass auch diese Ausbildung kein Zuckerschlecken ist. Schon jetzt reißt werktags der Wecker die 17-Jährige jeden Morgen um 4:45 Uhr aus dem Tiefschlaf. Es folgt ein langer Arbeitstag, der seinen Abschluss – wie sollte es anders sein – meist auf dem Bogenplatz am Drehbarg findet.