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Oststeinbeks Fußballer müssen absteigen

Der Erste Vorsitzende zog die Meldung zur Oberliga Hamburg zurück. Verband weist Widerspruch zurück. Tiefer Sturz in die Kreisliga

Oststeinbek. Der Oststeinbeker SV hat seine Fußballmannschaft aus der Oberliga Hamburg abgemeldet. Einen wenige Stunden später selbst eingelegten Widerspruch gegen die Abmeldung wies der Hamburger Fußball-Verband (HFV) zurück. Damit muss die Mannschaft in die Kreisliga – also aus der fünften in die achte Liga, in der bislang die zweite Mannschaft spielt – absteigen. Der Verein kann bis Freitagnachmittag um eine mündliche Verhandlung vor dem Spielausschuss bitten. Trainer Mohet Wadhwa sagte dem Hamburger Abendblatt: „Wir werden auf jeden Fall in Berufung gehen.“

Was war passiert? Am Dienstag zog der Erste Vorsitzende des OSV, Hans-Helmuth Luther, die bereits vorliegende Meldung der Ligamannschaft per E-Mail an den HFV zurück. Wenige Stunden später folgte der Rückzug vom Rückzug – unterschrieben von den Vorstandsmitgliedern Matthias Minar (stellvertretender Vorsitzender) und Volker Großmann (Leiter der Finanzen). Während Luther inzwischen in Kanada weilt und für das Hamburger Abendblatt nicht zu erreichen war, äußerte sich sein Stellvertreter Minar zu den Gründen des Verwirrspiels: „Der Teammanager der Fußballmannschaft hat bis Dienstag nötige Unterlagen nicht unterschrieben – trotz mehrfacher Anmahnung. Deswegen haben wir unsere Drohung wahrgemacht und die Meldung für die Oberliga zurückgezogen.“ Da die fehlenden Unterlagen daraufhin durch Teammanager Stefan Salewski eingereicht wurden, habe man die Rücknahme wiederum widerrufen.

Es geht dabei um eine Freistellungserklärung durch das Management der ersten Fußballmannschaft. Zuständig ist seit dieser Saison Salewski, der in die Fußstapfen des erkrankten Holger Rochow tritt. Minar: „Die Erklärung beinhaltet, dass der zuständige Ligamanager selbst haftet, wenn es zu einer finanziellen Unterdeckung kommen sollte. Wir sind ein Breitensportverein und die Ligamannschaft muss sich selbst tragen.“ Wadhwa sagte: „Diese Erklärung wurde in den letzten Jahren immer von Holger Rochow unterschrieben, der nun verhindert ist.“ Auch Salewski war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Wadhwa sagte, der Erste Vorsitzende habe diverse Male darauf hingewiesen, dass ein Schreiben fehle. Dennoch: „Für mich kam die Rücknahme der Meldung genau so überraschend, wie für alle Anderen auch.“

Wadhwa, der das Traineramt vor wenigen Wochen offiziell vom zurückgetretenen Stefan Kohfahl übernommen hat, brachte die Situation bereits vor der endgültigen Entscheidung durch den HFV so auf den Punkt: „Das ist alles ziemlich unglücklich gelaufen. Bei uns und beim Verband.“ Der HFV hatte den Oststeinbeker Rückzug bereits am Dienstag nicht nur im Internet verkündet, sondern den Verantwortlichen des USC Paloma und des FC Süderelbe schon zum Aufstieg in der Oberliga gratuliert. Beide Teams trafen am Dienstagabend im Relegations-Hinspiel aufeinander. Bei einem Rückzug des OSV hätten beide Vereine den Aufstieg sicher. Ein Mitarbeiter der HFV-Geschäftsstelle erklärte das Relegationsspiel auf seinem privaten Facebook-Profil zum „Freundschaftsspiel“. Als der OSV schließlich Widerspruch gegen den eigenen Rückzug einlegte, wurden Paloma und Süderelbe anderthalb Stunden vor dem Anpfiff durch den Verband gebeten, das Spiel nun doch wieder ernstzunehmen. Die Partie endete 2:1 für Süderelbe, beide Vereine kündigten nach dem Spiel an, rechtliche Schritte einleiten zu wollen, sollte der OSV nun doch in der Oberliga bleiben. Süderelbes Vereinssprecher Joachim Stoltzenberg etwa sagte dem Interportal fussballhamburg.de: „Die Spannung bei den Spielern war raus, einige haben bereits was getrunken.“

HFV-Geschäftsführer Karsten Marschner erwiderte: „Die durch diesen Vorgang entstandenen Irritationen und Verärgerungen bedauert der HFV außerordentlich. Wir sind selbst nicht glücklich darüber, aber es steht außer Frage, dass der HFV kurzfristig auf die beiden gegenläufigen Erklärungen des OSV reagieren musste. Dabei gab es keinerlei Anzeichen dafür, dass einer eindeutigen Erklärung des Vereinsvorsitzenden in einer so entscheidenden Angelegenheit nur wenige Stunden später ein Widerruf durch ein anderes Vorstandsmitglied folgen würde.“

Dass der HFV seine Entscheidung nach einer mündlichen Verhandlung wieder zurücknimmt, erscheint unwahrscheinlich. Realistischer ist da wohl ein Szenario, das dem Untergang des Oststeinbeker Leistungsfußballs gleichkommt. All die Zusagen der Spieler für die kommenden Saison dürften hinfällig sein. Diverse Leistungsträger wurden bereits von anderen Vereinen kontaktiert. Wadhwa: „Ich hoffe, dass die Spieler jetzt nicht vorschnell handeln.“ Im negativen Falle dürfte dabei auch die Zukunft des neuen Trainers völlig offen sein.