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Ahrensburg

Jana Klasen setzt auf Santinello

Dressurreiterin der RG Ahrensfelde startet mit ihrem Wallach bei einem international besetzten Turnier für junge Pferde in Lübeck

Ahrensburg. Auch wenn die innere Anspannung bei Jana Klasen vor den Lübecker Reitertagen stündlich zunimmt, äußerlich bleibt die 38 Jahre Reitsportlerin der RG Ahrensfelde gelassen. „Die einzelnen Lektionen einer Dressurprüfung Klasse S* St. Georg-Spezial kann ich bei Santinello jederzeit abrufen“, sagt Klasen. Respekt habe sie bei ihrem ersten gemeinsamen Auftritt bei einer Qualifikationsprüfung zum Nürnberger Burgpokal eher vor dem international besetzten Starterfeld.

Die speziell für junge Pferde (sieben bis neun Jahre) ausgerichtete Dressurprüfung auf der Reitsportanlage des Lübecker Reitervereins ist für diesen Sonntag angesetzt (13 Uhr). Siegchancen rechnet sich Klasen mit ihren neun Jahre alten Wallach nicht aus. „Ich hoffe, dass wir beide Spaß am Turnier haben und Santinello als junges Pferd wichtige Erfahrungen sammeln kann“, sagt die in Hamburg lebende Zahntechnikerin.

Familie Klasen ist mit ihren Pferden seit mehr als drei Jahrzehnten auf der Reitanlage in dem Ahrensburger Ortsteil zu Hause. Ihr erstes Sportpferd Piccolo dient mit jetzt 31 Jahren den Kindern auf dem Hof Lutzenberger nach wie vor als Ausbildungspferd – darunter sind auch Klasens Söhne Luc, 13, Ben, 10, und der zweieinhalbjährige Jul.

Zwischen Jana Klasen und ihrem Wallach besteht eine innige Bindung. „Santinello ist für mich ein wichtiger Lebensbegleiter“, sagt die 38-Jährige über ihr Pferd, das sie selbst ausgebildet hat. Dafür scheint sie ein geschicktes Händchen zu haben: Vor Kurzem haben Pferd und Reiterin beim vereinseigenen Dressurturnier in der Prüfungsklasse M** den zweiten Rang belegt (68,333 Prozent) – knapp hinter Sieger Torsten Hümpel (Hasentaler RV Geesthacht) mit Rappenbergs Sunrise (68,871). Ein Schnitzer von Santinello kostete Klasen den Sieg. „Für einen kurzen Moment hat mein Pferd das Kommando übernommen und mir eine Lektion aus der S-Dressur angeboten, die im Ablauf nicht vorgesehen war“, sagt sie.

Während zwei Richterinnen den kleinen Patzer in ihrer Bewertung wenig Beachtung schenkten, maß die Dritte ihm mehr Bedeutung zu. „Kein Grund zum Ärgern, dann machen wir es eben das nächste Mal besser“, sagt Klasen und lacht.

Besser lief es kurz zuvor bei Philippa Jensen. Die 17-Jährige von PS Granderheide (Wertnote 7,6) verwies mit ihrem ebenfalls neun Jahre alten Wallach Resümee in der Ein-Sterne-M-Dressurprüfung Konkurrent Torsten Hümpel (7,5) auf den zweiten Rang. „Ich bin sehr stolz, dass wir uns in diesem starken Teilnehmerfeld durchgesetzt haben“, sagt Philippa.

Wenn es der jungen Hoisdorferin gelingt, ihr Leistungspotenzial bei den Ende Juni in Bad Segeberg und Mitte Juli in Kattendorf ausgetragenen Sichtungsturnieren für die deutschen Jugend-Dressurmeisterschaften auf den Punkt abzurufen, scheint der Weg für eine erneute Teilnahme an den nationalen Titelkämpfen frei.

Die Reitgemeinschaft Ahrensfelde wurde unter anderem von den Schwestern Andrea und Alexa Lutzenberger 1995 mit dem Ziel gegründet, Breitensport und Jugendarbeit zu fördern. „Eine Wochenendausfahrt mit Pferden stärkt bei Kindern und Jugendlichen die soziale Kompetenz“, sagt Alexa Lutzenberger.

Die 43-Jahre alte Diplom-Agraringenieurin erläutert die Faszination des Dressurreitens. „Die Lektionen entsprechen den natürlichen Bewegungsabläufen der Pferde in freier Wildbahn“, sagt sie. „Durch jahrelanges, konsequentes Training werden einzelne Bewegungsabläufe herausgearbeitet und verfeinert.“ Alexa Lutzenberger ritt selbst erfolgreich Dressur, erreichte mehrere Platzierungen bis hin zur Klasse M. Mittlerweile lässt ihr der Beruf keinen zeitlichen Spielraum mehr. Das Wohlergehen der Pferde ist für sie aber nach wie vor oberstes Gebot. „Ein Pferd, das sich bei der Arbeit im Dressurviereck wohlfühlt, hat einen entspannten Gesichtsausdruck, ein klares Auge, aufmerksam aufgerichtete Ohren und einen locker getragenen Schweif, der nicht nervös hin und her schlägt“, so Alexa Lutzenberger.

Zudem sei ein leichtes Kauen auf dem Gebiss unter Speichelfluss ein Zeichen für eine feine Reiterhand. „Ein Pferd mit senkrecht getragener Stirnlinie ist im Genick locker und im Bereich der Halswirbel frei von Anspannung“, sagt die 43-Jährige. „In dieser Haltung wird aber auch die Ohrspeicheldrüse angeregt und Speichel produziert.“