Stormarn
Großhansdorf

Großhansdorfs Turnhoffnungen

Delia de la Rubia und Magdalena Bürk starten in zwei Wochen für den Landesverband beim Deutschland-Pokal

Großhansdorf. Ein wenig aufgeregt sei sie schon, gibt die zwölfjährige Delia de la Rubia unumwunden zu. „Das dürfen wir sicherlich auch sein“, pflichtet ihr die gleichaltrige Magdalena Bürk bei. „Für uns ist es das Größte, am Deutschland-Pokal teilnehmen zu dürfen.“

Gut zwei Wochen müssen sich die beiden Geräteturnerinnen vom SV Großhansdorf noch in Geduld üben, dann gehen sie mit dem Team des Schleswig-Holsteinischen Turnverbands (SHTV) im bayerischen Unterföhring (24. und 25. Mai) an den Start.

Gemeinsam mit Alice Wegner (Raisdorfer TSV), Lina Ornowski und Kathrin Fudickar (beide TSV Kronshagen) treten die beiden Stormarnerinnen im Olympischen Kür-Vierkampf (Altersklasse 13-15) gegen weitere 21 Landesturnverbände an – sofern diese eigene Mannschaften an den Start schicken. Geturnt werden ausschließlich Übungen am Schwebebalken, Sprung, Stufenbarren und am Boden – in der Einzel- sowie in der Mannschaftswertung. Die Kampfrichter bewerten die einzelnen Übungen nach dem jeweiligen Schwierigkeitsgrad der Elemente.

„Darüber hinaus geht es beim Deutschland-Pokal für einige Mädchen darum, vom Deutschen Turnverband eine Einladung zum Sichtungslehrgang für den Bundeskader Ende des Jahres zu ergattern“, sagt Eike Biemann, Großhansdorfs Trainerin in Doppelfunktion. Die 50 Jahre alte Studienrätin betreut nicht nur die Turnerinnen des Vereins, sie übt nebenbei beim SHTV das Amt der Landesfachwartin im olympischen Geräteturnen weiblich aus.

Die Französischlehrerin des Großhansdorfer Emil-von-Behring-Gymnasiums bleibt mit beiden Beinen auf dem Boden. Sie sagt: „Mit vielen Turnerinnen anderer Landesturnverbände können wir nicht mithalten. Dafür sind unsere Möglichkeiten einfach zu beschränkt.“ Da wären zum einen die begrenzten Trainingsmöglichkeiten in der Sporthalle des Emil-von-Behring-Gymnasiums, die sich die Großhansdorfer Turnsparte mit anderen Trainingsgruppen des Vereins teilen muss. Zum anderen die rein auf ehrenamtliches Engagement aufgebaute Struktur des Vereins. Um diesen Nachteil wenigstens teilweise wettzumachen, nutzt Biemann mit ihren Schützlingen einmal pro Woche eine für alle Bedürfnisse des Geräteturnens ausgestattete Sporthalle in Kiel.

Schon einmal haben Delia und Magdalena hochklassigen Turnsport hautnah erleben dürfen. Im vergangenen Jahr besuchten beide das Internationale Deutsche Turnfest im Mannheimer Carl-Benz-Stadion (Baden-Württemberg). „Es war aufregend, die besten Turner Deutschlands direkt vor sich zu haben“, sagt Delia. Wie Magdalena besucht auch sie die siebte Klasse der Ahrensburger Stormarnschule.

Außerhalb der Sporthalle entpuppt sich Delia als Leseratte, die im Urlaub locker vier Exemplare ihrer favorisierten Buchserie House of Night hintereinander verschlingt. Magdalena dagegen outet sich als großer Anhänger der erstmals Anfang der 1970er-Jahre ausgestrahlten amerikanischen Fernsehserie Die Waltons. „Schuld sind meine Eltern, die meinem Bruder Justus eine Staffel auf DVD geschenkt haben“, sagt Magdalena. Am Jungen Theater Hoisdorf probt sie derzeit ihre Rolle in der Inzenierung Disco Inferno. In dem Musical – eine Anlehnung an Goethes Faust – verkörpert Magdalena die Hauptdarstellerin in jungen Jahren.

In den kommenden zwei Wochen gilt die ganze Konzentration beider dem Wettkampf in Unterföhring. Technische Feinheiten müssen einstudiert oder verbessert werden. „Im vergangenen halben Jahr hat Magdalena sich enorm steigern können“, sagt Biemann. „Sie traut sich auf dem Balken einen Salto rückwärts zu, am Boden sogar einen mit ganzer Schraube.“

Bis zum Deutschland-Pokal soll Magdalena die eineinhalbfache Schraube beherrschen, eventuell am Barren die Riesenfelge mit ganzer Drehung. „Ob wir das rechtzeitig hinbekommen, steht in den Sternen“, sagt Biemann.

Delia hingegen wird von Großhansdorfs Übungsleiterin als ausdrucksstarke Turnerin beschrieben, die ihre Aufgaben sicher und sauber bewältigt. Manches Mal scheint sie sich jedoch selbst im Weg zu stehen. Biemann: „Der Flic-Flac am Balken, der ihr vergangenes Jahr keine Schwierigkeiten bereitet hatte, stellt sie derzeit vor größere Probleme.“ Delia und Magdalena bilden ein eingeschworenes Team – auch wenn es um Biemann geht. Wie aus einem Mund erklingt: „Eike ist die beste Trainerin der Welt, die einen immer dann motiviert, wenn man es am dringendsten benötigt.“