Squash

Sportart Squash hat in Bargteheide Hochkonjunktur

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Henrik Bagdassarian

Zweite Bargteheider Mannschaft qualifiziert sich als Landesliga-Meister für Aufstiegsspiele. Das erste Team beendet Saison auf Rang vier. Verein besteht seit 26 Jahren.

Bargteheide. Seine Mitgliedschaft im Bargteheider Squashclub ’88 hat Frank Lehmann einem voreiligen Versprechen zu verdanken. „Wenn Du es schaffts, dreimal gegen mich zu gewinnen, werde ich sofort bei euch im Verein eintreten“, sagte der Bargteheider seinem damals 17 Jahre alten Sohn Patrick. Ernsthaft damit gerechnet hat Frank Lehmann nicht. Was sollte sein Filius gegen ihn, der Squash-Ikone der 1980er-Jahre, schon ausrichten können? Kurze Zeit später saß der Vater am heimischen Esstisch und setzte seine Unterschrift unter den Mitgliedsantrag. Frank Lehmann: „Das ging dann doch schneller als erwartet.“

Bereut hat es der Hobby-Squasher nicht. Er darf – mittlerweile als Pressewart des Vereins – sportliche Erfolge verkünden. „Am letzten Spieltag der Landesliga Schleswig-Holstein hat unsere zweite Mannschaft Spitzenreiter Elmshorner SC mit einem 3:0-Erfolg auf Rang zwei verdrängt und die Meisterschaft gewonnen“, sagt er. Das Ticket für die Entscheidungsspiele um den Aufstieg in die Verbandsliga Hamburg/Schleswig-Holstein hatten die Stormarner bereits zwei Spieltage vor Saisonende in der Tasche. Am Sonnabend, 10. Mai, ermitteln die jeweils Erst- und Zweitplatzierten der Schleswig-Holstein- sowie der Hamburg-Liga zwei Teams, die in die nächsthöhere Spielklasse aufrücken.

„In Hamburg läuft der Spielbetrieb noch, deshalb stehen unsere Gegner noch nicht fest“, sagt Frank Dost, Vorsitzender und Mitglied der ersten Bargteheider Mannschaft. Der 47-Jährige erklärt: „Beide Teams unterscheiden sich weniger durch die Leistungsstärke als durch das Alter.“ Während die „Erste“ mit Dost, Jan Ebeling, 45, Joe Tame (Gründungsmitglied) und Christian Schüler, beide 50, sowie „Oldie" Jürgen Holst, 66, ein Durchschnittsalter von 51,6 Jahren aufweist, erreicht die zweite Mannschaft mit Torge Strupat, 41, Thomas Kamolz, 22, Patrick Lehmann, 21, Sebastian Albert, 23, und Youngster Lukas Schweizer, 19, knapp die Hälfte (25,2 Jahre).

Vor knapp 26 Jahren wurde der Bargteheider Squashclub ’88 gegründet. Es war die Zeit, als dünne Seidenblousons, bunte Legwarmer (von den Knöcheln bis zu den Knien reichende Wollstrümpfe) und Sportarten wie Squash Hochkonjunktur hatten. In vielen Städten der Bundesrepublik Deutschland sprossen Hallen wie Pilze aus dem Boden. „Das Interesse hat über die Jahre hinweg leider deutlich abgenommen“, sagt Dost. Dabei sei Squash eine Sportart, bei der man bereits als Anfänger passable Ballwechsel hinbekäme.

„Ich kann mich dabei jedes Mal herrlich auspowern“, sagt Strupat. Der Bargteheider griff 2002 erstmals zum Schläger, nachdem er mit dem Rauchen aufgehört hatte. Der Vater von drei Kindern nennt als Grund: „Ich wollte unter keinen Umständen zuzunehmen.“ Die Frage nach seinen Stärken beantwortet der 41-Jährige so: „Ich habe die auf mein Alter zurückzuführende Gelassenheit im Court.“

Auf die Frage, ob Squash ein hohes Verletzungsrisiko berge, antwortet Frank Lehmann: „Hier ein blauer Fleck, dort eine Zerrung – viel mehr habe ich in den vergangenen Jahren nicht zu Gesicht bekommen. Wichtige Voraussetzung ist aber intensives Aufwärmen, die richtige Lauftechnik und ein Gefühl für die Distanz.“

Bisher von schweren Verletzungen verschont geblieben ist auch Kamolz, der am Hamburger Flughafen eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolviert. Nicht nur auf der Arbeit gerät der 22-Jährige beim Thema Squash in Erklärungsnot. „Schlägt man da nicht immer den Ball gegen die Wand“, ist nur eine der Fragen, die er häufig gestellt bekommt. Kamolz: „Kaum einer, der noch nie einen Schläger in der Hand hatte, kann den physischen aber auch psychichen Wert dieser Sportart als perfekten Ausgleich für ein anstrengendes Arbeitsleben verstehen.“ Schweizer ist der Jüngste im Team. Der Schüler des Bargteheider Kopernikus Gymnasiums steht kurz vor dem Abitur. Für die gerade begonnenen Osterferien hat er sich viel vorgenommen. „In den kommenden Tagen will ich entscheiden, welche berufliche Richtung ich später einschlagen werde.“ Diese Sorgen hat Mannschaftskollege Albert nicht. Er arbeitet als Groß- und Außenhandelskaufmann in Ahrensburg. Der in Ammersbek wohnende 23-Jährige führt als Stärke sein „technisch sauberes Spiel“ an. Schwächen sieht er vor allem in der Kondition. „Daran arbeite ich aber fleißig“, sagt Albert und verschwindet aus dem Bargteheider Freizeitzentrum Lohe, um seine Freundin vom nahegelegenen Bahnhof abzuholen.

Patrick Lehmann hat neben der schnellen Ballsportart seit vier Jahren eine weitere große Leidenschaft: den Tanzsport. „Wie es sich für jeden Jungen meines Alters damals nach Meinung meines Vaters gehörte, sollte ich eine Tanzschule zu besuchen“, erzählt der 21-Jährige, der zunächst überhaupt keine Lust auf Tango und Cha-Cha-Cha hatte. „Auf meine Frage, ob ich denn eine Wahl habe, bekam ich zur Antwort: ‘Ja natürlich, den Kursus am Montag oder den am Donnerstag’.“

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