Stormarn
Hamburger Fußballtrainer

Oststeinbeks Stefan Kohfahl wechselt zu Real Madrid

Der Fußballlehrer hat der Regionalausgabe Stormarn des Hamburger Abendblattes exklusiv erzählt, warum er den Oststeinbeker SV am Saisonende verlässt – und welche madrilenischen Größen er getroffen hat.

Oststeinbek. Stefan Kohfahl hat sich auf einen Gartenstuhl gesetzt, in dem etwas verrümpelten Raum, der neben dem Kunstrasenplatz am Meessen an den Kabinentrakt angrenzt. In einer Stunde wird er die Fußballer des Oststeinbeker SV trainieren, wie er es seit bald zehn Jahren zwei- bis dreimal in der Woche macht. Und wie er es in diesem Frühjahr das letzte Mal machen wird. Alle paar Minuten klingelt sein Handy, das geht seit Wochen so. „Ich bin ein bisschen überrascht“, sagt der 45-Jährige, als er gerade mal nicht telefoniert, und stützt die Ellenbogen auf den schmutzigen Gartentisch. „Überrascht, dass alles so gut geklappt hat.“ Kohfahl hat neulich seinen neuen Arbeitsvertrag unterschrieben. Sein neuer Arbeitgeber hat auch unterschrieben. Er heißt Real Madrid.

Carlo Ancelotti, Coach des neunfachen Champions-League-Siegers, muss aber nicht um seinen Job fürchten. Kohfahl wird der Deutschland-Direktor der Real-Madrid-Clinic, der Jugendstiftung der Madrilenen. Das bedeutet: Er baut in der gesamten Bundesrepublik 80 Jugendcamps auf. Die auffälligsten Talente werden schließlich zu einem Bundesfinale eingeladen, wo Scouts des spanischen Fußballvereins die Besten auswählen und zum Probetraining nach Madrid einladen. Zunächst ist es ein Pilotprojekt. Besteht Kohfahl die „Probezeit“, wird er weltweit Camps aufbauen.

Als Kohfahl das erste Mal am Estadio Santiago Bernabéu ankam, um den Vereinsoffiziellen sein Konzept vorzustellen, bot sich ein geradezu bedrohliches Szenario. Bewaffnete Sicherheitsleute bewachen die Heimat Reals. „Der Eindruck hat sich aber schnell aufgelöst“, erzählt Kohfahl, der seitdem oft nach Madrid geflogen ist. „Dort herrscht ein sehr respektvoller und freundlicher Umgang.“ Und es sind nicht gerade kleine Lichter, mit denen Kohfahl zu tun hatte. „Mit Jose Angel Sanchez habe ich oft geredet. Er ist ein sehr sympathischer Typ.“ Der ehemalige spanische Nationalstürmer ist heute bei Real Direktor für institutionelle Beziehungen. Auch mit dem ehemaligen spanischen Nationalstürmer Emilio Butragueño hatte Kohfahl Kontakt. Und noch eine Ikone zeigte sich begeistert von den Ideen des Mannes, der Teile seiner Kindheit in dem Dorf Creixell verbracht hat und deswegen fließend spanisch spricht: „Juan Figer war fast eine Woche täglich mit mir essen. Er hat mir gesagt: ‚Wenn Real dich nicht nimmt, reden wir weiter’.“ Figer ist der wohl bekannteste Spielerberater der Welt, hatte schon Zico unter Vertrag und wickelte den Transfer Neymars zum FC Barcelona ab.

Einfach mal das Konzept verschickt

Wie aber ist es überhaupt dazu gekommen, dass ein Oberliga-Trainer bei einem der bekanntesten Vereine der Welt unterkommt? „Ich habe ein Konzept entwickelt und an zehn Vereine geschickt. Sechs davon waren interessiert“, so Kohfahl. „Ich hätte auch zu anderen internationalen Vereinen gehen können.“ Das Novum an seiner Idee sei es, die Fußballschule fern der Marketing-Abteilung hochzuziehen. Erst so sei eine nachhaltige Entwicklung der jungen Teilnehmer gewährleistet. „Außerdem gehen wir alles ganzheitlicher an. Es geht um soziales Miteinander und wir kümmern uns zum Beispiel auch um gesunde Ernährung.“

Fast alle Erst- und Zweitligaclubs haben eigene – über die Marketing-Abteilungen organisierte – Fußballschulen. So wie der HSV, wo Kohfahl bis Endes letzten Jahres arbeitete. Infrage für die Real-Madrid-Camps kommen also kleinere Vereine. Die noch bekanntesten sind Wattenscheid 09 oder KFC Uerdingen. Voraussetzungen sind eine bereits etablierte, gute Jugendarbeit, ein großes Vereinsgelände mit den räumlichen Möglichkeiten, 60 bis 90 Kindern Platz zu bieten und das von den Sterneköchen Christoph Rainer und Christian Eckhardt entwickelte Ernährungsprogramm einzuhalten.

Aus dem Hamburger Fußball-Verband nehmen der Niendorfer TSV und der SV Nettelnburg-Allermöhe teil. Und auch ein Stormarner Verein hat den Zuschlag erhalten: Der SSC Hagen Ahrensburg. „Darüber freue ich mich sehr, das ist eine tolle Sache“, sagt Jan Fedkenhauer, Juniorenobmann des SSC. „Wenn es ein Ahrensburger nach Madrid schafft, wäre das eine tolle Werbung für den Verein. Aber das ist natürlich ein vorsichtiger Traum.“ Voraussichtlich im Sommer 2015 wird das Real-Madrid-Camp in die Schlossstadt kommen.