Stormarn
Ahrensburg

Der 1500-Tore-Mann

Handballer Markus Fraikin erzielt innerhalb von 20 Jahren insgesamt 1501 Treffer für den Ahrensburger TSV

Ahrensburg. Genau erinnern an seinen Treffer zum zwischenzeitlichen 22:22 gegen die SG Hamburg-Nord III kann Markus Fraikin sich nicht. „Die Partie haben wir überraschend verloren, Einzelaktionen gerieten auch bei mir aus Enttäuschung in den Hintergrund“, sagt der Handballer des Ahrensburger TSV, derzeit Spitzenreiter der Landesliga Hamburg. „Dass genau dieses Tor auf meine Kappe ging, habe ich im Nachhinein auch nur anhand des Spielberichtsbogens feststellen können.“

Gut, dass Statistiken manchmal ihren Sinn erfüllen. So auch die ewige Torschützenliste der Ahrensburger. Angeführt wird sie von Fraikin. Seine Bilanz in 432 Liga-Einsätzen ist beeindruckend: 1501 Tore. Davon 1337 aus dem Spiel heraus erzielt und 164 vom Siebenmeterpunkt aus verwandelt. Fraikin schmunzelt. „Da Statistiken angeblich nicht lügen, muss der Treffer zum 22:22 mein insgesamt 1500. Torerfolg im Trikot des Ahrensburger TSV gewesen sein“, sagt der 41-Jährige, der vor zwanzig Jahren begann, alle Torschützen seines Vereins zu erfassen.

Zu Beginn waren es die Hallenhefte inklusive der Torjägerchronik, die sich in der Wohnung Fraikins stapelten. „Knapp vier Jahre später präsentierte sich der Ahrensburger TSV als einer der ersten Vereine Schleswig-Holsteins mit einem eigenen Auftritt im Internet“, erinnert sich Fraikin. Von nun an genügte ein kurzer Blick ins World Wide Web, um auf dem aktuellen Stand der ATSV-Torschützenliste zu sein.

Allerdings: Nur wenige Privatleute hatten damals Zugang in das noch sehr jungfräuliche weltweite Netzwerk. Meist waren es Studenten, die an Universitäten im Internet surften. „Da unter Studenten der Handballsport sehr beliebt war, entwickelte sich um unseren Internetauftritt schnell eine Eigendynamik“, sagt der 41 Jahre alte studierte Jurist, der – um sein Studium zu finanzieren – nebenbei Internetauftritte entwickelte und als Sportjournalist jobbte. Beides erledigte Fraikin so erfolgreich, dass nach Ablegung des zweiten Staatsexamen seine bisherigen Nebenjobs für ihn zur Haupterwerbsquelle wurden. „Ich hatte nach dem Staatsexamen noch Aufträge zu erfüllen, die ich unbedingt zu Ende bringen wollte“, sagt Fraikin. „Und irgendwie bin ich dabei hängengeblieben.“

Noch immer fährt Fraikin zweigleisig. Als selbstständiger Programmierer von Internet-Anwendungen verdient er ebenso sein Einkommen wie als freier Mitarbeiter in einer Sportredaktion der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt NDR. Während der Fußball-Bundesligasaison begleitet er fast jedes Wochenende Moderator Florian Naß, selbst Spross einer Handball-Familie, in die bundesweit verstreuten Arenen. Und während Naß sich gedanklich mit seinem neun bis 15-minütigen Kommentar für die ARD-Sportschau auseinandersetzt, entscheidet Fraikin über den Zusammenschnitt der entsprechenden Spielszenen.

„Kommende Woche steht bei mir die Begegnung Eintracht Frankfurt gegen Borussia Mönchengladbach auf dem Dienstplan“, sagt der Ahrensburger. Allerdings: Sportliche Höhepunkte waren für ihn seine Einsätze für die ARD bei den Olympischen Spielen 2000 im australischen Sydney und acht Jahre später in Chinas Hauptstadt Peking. Doch Zeiten ändern sich. Jobs in Australien oder Asien haben für Fraikin an Reiz verloren – das heimische Ahrensburg dagegen an Bedeutung gewonnen. Gemeinsam mit Lebensgefährtin Simona Stahl genießt der 41-Jährige jede freie Minute mit Sprössling Jonathan, zehn Monate alt.

Stahl, seit knapp dreieinhalb Jahren an der Seite von Fraikin, gehört zu den Leistungsträgerinnen in Ahrensburgs Damen-Handballteam. „Jonathan und ich begleiten Simona zu fast jeder Partie“, sagt Fraikin. Er hofft, dass der Filius in seine Fußstapfen treten wird. „Ich wette, dass Jonathan Linkshänder ist, denn die sind im Handballsport sehr gefragt“, sagt Fraikin und lacht.

In der C-Jugend der DJK Hamburg begann der 41-Jährige mit dem Handballsport auf Vereinsebene. 1994 folgte der Wechsel nach Ahrensburg. „In meiner ersten Saison gelang uns der Oberligaaufstieg, damals die höchste Liga Hamburgs“, sagt Fraikin. 2003 folgte für eine Spielzeit sogar der Sprung in die Regionalliga (heute Dritte Liga), in die die Stormarner von 2005 bis 2007 nochmals zurückkehrten.

Der Zuschauerandrang in der Heimgartenhalle ließ damals wie heute zu wünschen übrig. Fraikin: „Bei Freundschaftspartien wie 2005 gegen den Hamburger SV oder ein Jahr später gegen die Nationalmannschaft Südkoreas war die Halle mit mehr als 600 Zuschauern proppevoll. Ansonsten scheint der Handballsport nicht das Lieblingskind der Ahrensburger zu sein.“

Fraikin will im Saisonendspurt den Aufstieg in die Hamburg-Liga perfekt machen. Wie lange er selbst noch aktiv sein wird, weiß er nicht. „Ich denke nur noch von Saison zu Saison – unabhängig von der Liga.“