Glinde

Miriam Butkereit beweist mentale Stärke

Judoka vom TSV Glinde gelingt Comeback nach schweren Verletzungen. Sie besucht auf Einladung des Deutschen Judo-Bundes Brasilien und Japan

Glinde. Miriam Butkereit weiß, was es bedeutet, nach langwierigen Verletzungen hart an sich zu arbeiten und sich wieder an die Spitze zu kämpfen. Ein kaputtes Schultereckgelenk, mehrere Meniskus-Operationen, zudem bündelweise gerissene Bänder – die 19Jahre alte Judokämpferin des TSV Glinde ließ sich in den zurückliegenden Jahren von keiner noch so unliebsamen Herausforderung von ihrem Weg abbringen.

„Ich kann Dinge gut verdrängen und ausblenden“, sagte Butkereit noch im Frühling dieses Jahres. „Ich hoffe aber, dass der Judogott Erbarmen zeigt und mich wenigstens dieses Jahr vor weiteren Verletzungen verschont.“ Butkereits Worte fanden anscheinend Gehör: Sie blieb – eine kleine Hüftoperationen einmal ausgenommen – vom Verletzungspech verschont und arbeitete sich Stück für Stück an ihr ehemaliges Leistungsniveau heran.

Mit zählbarem Erfolg: Bei den Deutschen Judo-Meisterschaften der Altersklasse U 21 im brandenburgischen Frankfurt (Oder) unterlag sie erst im Finale der Gewichtsklasse bis 70 Kilogramm ihrer Nationalmannschaftskollegin Szaundra Diedrich (JC 66 Bottrop) und gewann die Silbermedaille.

Butkereit ging mit dem C-Nationalmannschaftskader des Deutschen Judo-Bundes dieses Jahr zweimal auf Fernreise. Im Sommer reiste sie gemeinsam mit der weiblichen bundesdeutschen U-21-Elite und den U-18-Weltmeisterschaftsteilnehmerinnen nach Fortaleza, eine im Nordosten Brasiliens gelegene Großstadt mit knapp zweieinhalb Millionen Einwohnern. Butkereit: „Fortaleza liegt nahe am Äquator. Das Training bei hoher Luftfeuchtigkeit und mehr als 30Grad Celsius war für mich eine besondere Erfahrung.“ Von der Hotelanlage durften sich die deutschen Judoka, gemäß den für Touristen geltenden Sicherheitsbestimmungen, nach 18Uhr nicht weit entfernen. „Claudiu Pusa riet uns, außerhalb des Hotels auf das Tragen von Handtaschen und Schmuck zu verzichten“, sagt die Judoka. Übrigens: Der U-21-Bundestrainer selbst nahm es mit der nötigen Achtsamkeit nicht so genau: Nach einem ausgiebigen Nickerchen an einem der weitläufigen Stadtstrände vermeldete er notgedrungen den Verlust seines Handys.

Brasiliens Nationalsprache ist Portugiesisch. Für die Halbportugiesin Butkereit – ihr Vater stammt von der iberischen Halbinsel – ein klarer Vorteil: „Ich kann mich, wenn es um einfache Dinge geht, verständigen“, sagt sie. Eines darf in Brasilien natürlich nicht fehlen: der Fußballsport. „An manchen Tagen wurde das Training von der Sporthalle an den Strand verlegt. Dort haben wir Deutsche gegen die brasilianischen Judoka Fußball gespielt“, erzählt Butkereit.

Für die 13.-Klässlerin der Glinder Gemeinschaftsschule Wiesenfeld stand in der zweiten Jahreshälfte ein weiterer sportlicher Höhepunkt an: Die 19-Jährige erhielt vom Deutschen Judo-Bund eine Einladung zu einer 16-tägigen Fortbildungsreise nach Japan. „In der ersten Woche haben wir in einer ländlichen, sehr hügeligen Gegend Kondition gebolzt“, erinnert sich Butkereit. Der zweite Teil der Reise führte die Sportlerinnen aus Deutschland in Japans Hauptstadt Tokio. Dort trafen sie morgens um 7Uhr beim Randori, einer Übungsform japanischer Kampfkünste, auf U-21-Vertreterinnen Frankreichs, Italiens und Japans.

Miriam Butkereit, für die es bereits der zweite Besuch der Neun-Millionen-Metropole war, sagt: „Tokio ist eine faszinierende Stadt. Eine fremde Welt, an die ich mich aber schnell gewöhnen kann.“

Gleich nach Silvester beginnt für Butkereit die Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft der Frauen (18./19.Januar im baden-württembergischen Ettlingen). „Aufgrund der verletzungsbedingten Rückschläge mangelt es mir noch ein wenig an Kraft“, sagt Butkereit. „Auf meine mentale Stärke dagegen kann ich mich verlassen. Das habe ich mehr als einmal bewiesen.“