Steinburg

Auf der Suche nach dem speziellen Thrill

Ausdauersportler Christian Gerhardt vom Spiridon-Club Bad Oldesloe startet beim vierten Hamburger Men’s Health Urbanathlon

Steinburg. Sie quälen sich in der sogenannten Schlangengrube im Laufschritt durch knietiefes, verschlammtes Wasser. Danach überwinden sie in Windeseile ein steiles, gut drei Meter hohes Hindernis mit dem Namen Räuberwand. Und allein gehalten durch die Kraft ihrer Arme, hangeln sie sich Strebe für Strebe knapp 20Meter weit unter einem Metallgerüst – mit dem Spitznamen Monkey Business – hindurch.

Die Rede ist von der in den vergangenen Jahren stark angewachsenen Gruppe der Extremsportler, denen ein schlichter Zwölf-Kilometer-Lauf nicht die nötige Herausforderung bietet. Der Steinburger ist sich bewusst, wie schwer es für seine Mitmenschen sein muss, zu verstehen, was ihn antreibt. „Ich möchte im Wettkampf meinen ganzen Körper einsetzen und dabei möglichst viele Muskelgruppen bis zur Höchstgrenze belasten“, sagt Christian Gerhardt vom Spiridon-Club Bad Oldesloe. Und das ungeachtet dessen, ob er am acht Kilometer langen, mit 20natürlichen und künstlichen Hindernissen gespickten Survival Run im niedersächsischen Serengeti-Park (bei Hodenhagen) teilnimmt oder sich für einen Start beim Hamburger Men’s Health Urbanathlon entscheidet.

Der Hamburger Urbanathlon ist nur etwas für ganz Hartgesottene: Rund 4500 männliche und weibliche Teilnehmer mussten auf der rund zwölfKilometer langen Strecke insgesamt 13Hindernisse überwinden. Sie bewältigten dabei – angetrieben von den gut 30.000begeisterten Zuschauern – im Laufschritt mehr als 1000 Treppenstufen. Dabei überwanden sie an die 250Höhenmeter.

Unterwegs müssen die Sportler Hindernisse, die Truck Torture (Lkw-Folter) oder Sand Bag Attack (Sandsack-Attacke) heißen, überwinden. Die Hindernisse, die den Läufer vom am Hamburger Fischmarkt beginnenden und entlang des Elbufers bis nach Ovelgönne weiterführenden Parcours erwarteten, hatten es in sich. Im Eiltempo führte der Streckenverlauf unter geparkten, tonnenschweren Nutzfahrzeugen hindurch, und über meterhohe Stapel von Autoreifen. Gefolgt von einem 75Meter langen Sprint im tiefen Sand des Elbstrands – mit einem zehn Kilo schweren Sandsack auf dem Rücken.

„Nein, ich bin kein Adrenalin-Junkie. Safety First, hat bei mir oberste Priorität“, sagt der 43Jahre alte Industriekaufmann Christian Gerhardt, der keine halben Sachen macht. Mehr als eineinhalb Jahre hat Gerhardt sich auf seine erste Teilnahme an einem Triathlonwettbewerb vorbereitet. „Ich wollte vor dem ersten Start in der Lage sein, eine Distanz von 1000Metern kraulend zu schwimmen.“

Gesagt – getan. In Hamburgs Alsterdorfer Schwimmhalle belegte Gerhardt einen Anfängerkursus in der schnellsten aller Schwimmlagen. „Es ist die richtige Technik und die Fähigkeit, mit der Materie Wasser eins zu werden, die einen mittelmäßigen von einem guten Schwimmer unterscheidet“, sagt er, der vor mehreren Jahren über das Halfpipe-Skaten und das Speedskating den Spaß an den Hindernisläufen entdeckte. Allerdings: Auf den Hamburger Urbanathlon, der in diesem Jahr zum vierten Mal ausgetragen wurde, wurde Gerhardt eher per Zufall aufmerksam: Vor gut zwei Jahren erzählte ein Dortmunder Kollege begeistert von seiner bevorstehenden Teilnahme.

„Daraufhin meldete ich mich im Internet ebenfalls an,“, erzählt Gerhardt. Der Dortmunder Kollege hatte sich mit dem anspruchsvollen Wettbewerb übernommen. Gerhardt selber erzielte in Hamburg mit Rang 69 (1:04,16Stunden) – bei 4500Startern – einen Achtungserfolg. Noch besser lief es beim Survival Run im Serengeti-Park, an dem Gerhardt gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Rebecca Meins und Freund Karsten Dose im Teamwettkampf an den Start ging. Es wurde ein durchschlagender Erfolg: Unter 180 Mannschaften belegte sein Team, The Running Gag, Rang zwei hinter der Mannschaft der Bundespolizei.

„Deren Team ging immerhin mit mehr als 20 männlichen Teilnehmern an den Start, wobei lediglich die Zeiten der besten drei gewertet wurden“, sagt Freundin Rebecca Meins, die sich in der Einzelwertung der Frauen ebenso über den 19.Rang freute wie Gerhardt über den 13. Platz im Gesamtergebnis.