Ahrensburg

Fußballvereine für Kreisligareform

Am 8. Juni fällt die Entscheidung über gemeinsame Spielklasse mit Lauenburg. Das Abendblatt fragte bei den 41 Clubs nach.

Ahrensburg. Die Anregung kam vom Spielausschussobmann des Kreisfußballverbands Lauenburg, Karsten Klingbeil. Inzwischen ist daraus ein abstimmungsfähiges Modell geworden. Wenn sich die Vertreter aller 41 Fußballvereine Stormarns am 8. Juni auf der Verbandstagung treffen, entscheiden sie darüber, ob es ab der Saison 2014/2015 eine gemeinsame Liga der beiden benachbarten Kreise geben soll. Während die Diskussionen auch vereinsintern hitzig geführt werden, zeichnet sich knapp zwei Monate vor der Entscheidung eine Mehrheit der Reform-Befürworter ab.

Der Wunsch nach einem Anstieg der Leistungsdichte überlagert die ökonomisch begründeten Bedenken. Viele Clubs erhoffen sich attraktivere und spannendere Spiele - und würden dafür weitere Anfahrtswege in Kauf nehmen. 15 Vereine sprachen sich bereits deutlich für eine Zusammenlegung aus, sieben weitere signalisierten ihre Zustimmung unter Vorbehalt.

Jörg Lembke, Erster Vorsitzender des Kreisfußballverbands Stormarn, hält die Reform für unumgänglich. Er sagt: "Es droht uns in der Kreisliga Stormarn ein unheimliches Leistungsgefälle." Zurückzuführen sei das auch auf die demographische Entwicklung.

"Die Zahl der Fußballteams im Kreis sinkt. Mittelfristig würde wohl auch die vierte Kreisklasse wegbrechen", so die Befürchtung von Lembke, der den Vereinen das Modell auf einer Arbeitssitzung vorstellte und um Zustimmung warb.

Dirk Jorga, Abteilungsleiter des VfL Tremsbüttel, stimmt in den Tenor ein: "Auch wenn unsere zweite Mannschaft davon negativ betroffen sein könnte, ist das eine vernünftige Idee. Die Liga würde wieder attraktiver." Bezeichnend für die gesamte Debatte ist, dass Jorga sogar aus dem eigenen Lager Widerspruch erhält. Marco Schier, Trainer der ersten Mannschaft, sagt: "Das Niveau würde durch die Lauenburger Teams nicht steigen. Stormarn täte sich damit keinen Gefallen."

Der am häufigsten angebrachte Kritikpunkt ist der erhöhte Fahrtaufwand und die damit verbundenen Kosten. Betroffen sind vor allem die Nordstormarner. Aus Bad Oldesloe, Pölitz und Hamberge dauert etwa die Fahrt zum TSV Gudow rund eine Stunde.

Auch den FC Ahrensburg würde die Teilnahme an einer Kreisliga Stormarn/Lauenburg vor eine große Herausforderung stellen. Der Erste Vorsitzende Naim Rahmoni denkt sogar daran, das letzte Register zu ziehen: "Das wäre für die beiden Herrenmannschaften nicht zu bewältigen. Die Spieler würden sich dann Vereine in Hamburg suchen." Für den reinen Fußballverein ein Horrorszenario. Doch auch beim FCA wird intern relativiert. Trainer Frank Levenhagen: "Man sollte über den Vorschlag zumindest nachdenken. Vielleicht sind wir auch in der Kreisklasse A gut aufgehoben."

Pro und Contra abzuwägen ist die Aufgabe, vor der sich die noch unentschlossenen Vereine sehen. Die Entscheidungsfindung ist für viele auch deswegen so kompliziert, weil sie alle Argumente in sich vereinen. So ringt Göran Schulze (Ligaobmann des SC Elmenhorst) mit sich selbst: "Sportlich gesehen wäre es eine Bereicherung", sagt er und beleuchtet anschließend die andere Seite: "Es würden auch viele interessante Kreisderbys wegfallen." Außerdem rechne er wegen der weiten Wege mit Zuschauerschwund.

Die Vereine stimmen nur darüber ab, ob es zu der Kreisligareform kommt, nicht aber über die Art der Umsetzung. Details wären noch mit den Lauenburgern zu klären. So ist noch fraglich, wie der Übergang erfolgen würde. Möglich wäre, in der ersten Saison 18 Mannschaften zu der neuformierten Liga zuzulassen und zur darauffolgenden Spielzeit auf 16 Clubs zu reduzieren. Mehrere Vereine sprachen sich allerdings dafür aus, einen "schnellen Schnitt" zu vollziehen.

Ebenfalls noch unklar ist, in welchem Verhältnis die Clubs die neue Liga auffüllen würden. Der größere Anteil würde wohl aus der Kreisliga Stormarn, der gemeinhin die höhere Leistungsdichte bescheinigt wird, kommen. Die beiden Erstplatzierten wären unabhängig von ihrer Kreiszugehörigkeit für die Verbandsliga Süd-Ost qualifiziert.

Auch die Lauenburger Vereine müssen noch ihre Stimme abgeben. Da der Vorschlag aus den eigenen Reihen kam, ist kaum Widerspruch zu erwarten. In Stormarn haben alle 41 Vereine mit Fußballabteilung ein Stimmrecht, auch, wenn sie nicht direkt betroffen sind, wie etwa der Frauenfußballclub (FFC) Oldesloe. Es entscheidet die einfache Mehrheit.

So würden die Vereine heute abstimmen: Für eine gemeinsame Kreisliga aus Stormarn und Lauenburg (15 Vereine): SSC Hagen Ahrensburg, FFC Oldesloe, Brunsbeker SV, Delingsdorfer SV, TSV Grabau, SV Grönwohld, SSV Großensee, SV Hammoor, TuS Hoisdorf, TSV Gut Heil Dwerkaten Lütjensee, SV Preußen Reinfeld, VfL Rethwisch, SV Eichede, Tralauer SV, SV Westerau

Voraussichtlich dafür (7): VfL Oldesloe, TSV Bargteheide, SC Elmenhorst, SSV Jersbek, SV Timmerhorn-Bünningstedt, FSG Südstormarn, WSV Tangstedt

Unentschlossen (8): FC Ahrensburg, JuS Fischbek, SV Meddewade, SV Siek, VfR Todendorf, VfL Tremsbüttel, Witzhaver SV, TSV Trittau

Enthaltung (1): FSV Kickers Ahrensburg

Dagegen (5): SV Türkspor Bad Oldesloe, TSV Badendorf, Bargfelder SV, SV Großhansdorf, TSV Zarpen

Voraussichtlich dagegen (5): SC Union Oldesloe, SV Hamberge, SSV Pölitz, Rümpeler SV, SV Rehhorst