Steinburg

Eichede wieder nur in der Statistenrolle

Für die Stormarner ist beim Hallenmasters in Kiel schon nach der Vorrunde Schluss. Holstein Kiel verteidigt vor 8500 Zuschauern seinen Titel.

Steinburg. Schon nach zwei von drei Spielen sind alle Hoffnungen geplatzt. Der SV Eichede ist beim 15. Hallenmasters des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbands vorzeitig ausgeschieden. Oliver Zapel sitzt in der sechsten Reihe der für die Spieler und Offiziellen freigehaltenen Tribüne in der Kieler Sparkassen-Arena und folgt der Begegnung zwischen Flensburg 08 und dem VfR Neumünster nur scheinbar beiläufig. Als die Flensburger mit vereinten Kräften und vollem Risiko für die eigene Gesundheit gerade noch einen Gegentreffer verhindern, bekommt er das zu Sehen, was er bei seinen Schützlingen zuvor vermisst hat.

"Diese Szene sagt alles aus", so der Trainer des Schleswig-Holstein-Ligisten. "Alles geben. Egal, ob man mit dem Kopf gegen die Latte prallt." Für die Steinburger ist nach der Vorrunde Schluss, weil sie nicht das Engagement zeigten wie ihr Ligakonkurrent, der dank seines unbändigen Willens erst im Finale gegen Seriensieger Holstein Kiel scheitert und damit zur Überraschungsmannschaft avanciert. "Wenn wir nachher nach Hause fahren, wissen wir, dass wir nicht alles herausgeholt haben", hadert Zapel. "Eigentlich müssten wir uns bei jedem der mitgereisten Fans entschuldigen." Dann steht er ruckartig auf und strahlt für heute ein letztes Mal Entschlossenheit aus. Wenigstens im Abschlussspiel soll ein Sieg her.

300 hauptsächlich im Oberrang postierte Stormarner, darunter die zweite Mannschaft sowie die B- und C-Junioren-Teams, wurden Zeuge einer pompösen Eröffnungsshow. Mit Nebelmaschinen und einem dreiminütigen Feuerwerk stimmten die Veranstalter auf das alljährliche Turnier ein. 8500 Zuschauer verbreiteten eine Atmosphäre, die für die Eicheder, die im heimischen Ernst-Wagener-Stadion in der Regel vor rund 200 Anhängern auflaufen, völlig ungewohnt war. "So eine Kulisse ist nicht immer leistungsfördernd. Wir sind weit unter unseren Möglichkeiten geblieben", resümierte Zapel. Tatsächlich wirkten seine Schützlinge bei den Niederlagen gegen den Regionalligaklub Neumünster (1:3) und gegen Flensburg (0:1) eingeschüchtert und gehemmt. Vielleicht wäre alles anders gelaufen, wenn Nico Fischer in der Auftaktpartie nach zehn Minuten nicht die Latte, sondern zum 2:2 getroffen hätte. Stattdessen fiel zwölf Sekunden darauf das 1:3. "Wir mussten uns erst mal an die besondere Situation gewöhnen", sagte Fischer. "Wenn man dann zurückliegt, fällt das umso schwerer."

Der Außenverteidiger gehörte noch zu den auffälligsten Eicheder Akteuren, aber auch er vermochte den Ausfall der routinierten Jan-Ole Rienhoff und Torge Maltzahn nicht ausgleichen. "Die beiden haben uns gefehlt", so Zapel. "Niemand hat sich getraut, die Verantwortung zu übernehmen." Erschwerend kam hinzu, dass der Offensive um André Kossowski und Benedict Kummerfeldt die Kaltschnäuzigkeit abging. "Es war einfach nicht mein Tag. Eine Erklärung dafür habe ich nicht", sagte Kummerfeldt, der sich am Wochenende zuvor beim Rudi-Herzog-Pokalturnier in Bad Oldesloe noch die Torjägerkanone gesichert hatte. Den einzigen Treffer in den ersten beiden Partien erzielte mit Petrik Krajinovic bezeichnenderweise ein Abwehrspieler. Erst im für die Tabelle der Gruppe B bedeutungslos gewordenen Spiel gegen den ETSV Weiche Flensburg agierten die Eicheder befreiter. Durch Tore des erstmals eingesetzten Prince Berchie und Sebastian Meyer gewannen sie mit 2:1 - eine Leistungssteigerung, die zu spät kam.

So endete die stets mit Spannung erwartete Großveranstaltung für die Steinburger, wie sie es gewohnt sind. Bei ihrer fünften Teilnahme verpassten sie zum vierten Mal den Einzug in das Halbfinale. Nur 2010 überstand der Klub die Vorrunde, scheiterte dann aber mit 1:8 an Holstein Kiel - die höchste Niederlage, die je eine Mannschaft beim Hallenmasters kassierte.

Der Lokalmatador wurde auch in diesem Jahr seiner Favoritenrolle gerecht. In der Vorrunde präsentierten sich die Kieler zunächst nur beim 4:0 gegen den SV Todesfelde (Schleswig-Holstein-Liga), dessen in den Vereinsfarben Blau-Gelb gekleideter Anhang im Unterrang ein schönes Bild abgab, überzeugend. Im Derby gegen den Regionalligarivalen VfB Lübeck (1:1) und gegen den TSV Kropp (Schleswig-Holstein-Liga, 0:0) tat sich der Titelverteidiger schwer. Nach dem 3:2-Halbfinalsieg gegen Neumünster feierte er im Endspiel gegen Flensburg 08 mit 3:1 seinen sechsten Turniererfolg.

Während sich die Reihen in der Halle lichten, schließen die Eicheder die Vorrunde ab. Die neutralen Zuschauer und die zahlreichen Holstein-Fans stärken sich für die K.o.-Runde, von den mitgereisten Eichedern hat noch keiner seinen Platz verlassen. Eichede gewinnt knapp, aber verdient. Kapitän Dennis Wagner erhält als Trostpreis ein mit Fußbällen gefülltes Netz und eine Urkunde. Zapel kann sich schon wieder ein Lächeln abringen. Der Blick geht nach vorne, vor der Rückrunde in der Schleswig-Holstein-Liga, in der Platz zwei verteidigt werden soll, steht ein Testspielmarathon an. Die Fans verlangen keine Entschuldigung, sie verabschieden ihr Team mit Applaus.