Ausstellung im Schloss

Andreas Möller in Reinbek: Ein Revolutionär am Webstuhl

| Lesedauer: 5 Minuten
Von Undine Gerullis
Flying 8 hat Andreas Möller seinen selbst entwickelten Webstuhl genannt. Er wurde ein Welterfolg.

Flying 8 hat Andreas Möller seinen selbst entwickelten Webstuhl genannt. Er wurde ein Welterfolg.

Foto: Undine Gerullis

Die Werke des Hamburgers sind preisgekrönt. Bei der Ausstellung im Schloss führt er auch in die Arbeit mit seinem Welterfolg ein.

Reinbek.  Weich, farbenfroh und preisgekrönt sind die Ausstellungsstücke, die ab Sonntag, 18. September, im Schloss gezeigt werden. Die Ausstellung heißt „Weben welt weit“ und zeigt Webarbeiten und Designobjekte des Künstlers Andreas Möller.

Der Hamburger ist einer der erfolgreichsten Vertreter des Weberhandwerks und hat für seine Arbeiten mit den auffälligen Mustern mehrere nationale und internationale Auszeichnungen wie den Bochumer Designpreis (2003 und 2006), den ersten Preis der Artextil in Caracas, Venezuela (2006) sowie den begehrten Justus-Brinkmann-Preis des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg (2017) erhalten. Doch nicht nur seine handgewebten Stoffe sind Teil der Ausstellung, sondern auch sein Webstuhl wird im Obergeschoss des Schlosses ausgestellt.

Auch sein Flying 8 wird bei der Ausstellung im Schloss zu sehen sein

Der nämlich ist von ihm eigens vor zwölf Jahren entwickelt worden. „Ich habe das Weben noch an herkömmlichen Webstühlen erlernt und fand bald, dass die Arbeitsweise verbessert werden kann“, erzählt er. Also setzte er sich ran und entwickelte in nur zehn Tagen einen neuen Stuhl. Der ist kleiner, leichter, leiser und ergonomischer in seiner Handhabung als alle bisherigen Webstühle. „Flying 8“ hat er ihn genannt. Acht ist die Anzahl der Holzschiffchen für die Fäden.

Entgegen der herkömmlichen Webstühle, die mit einer Breite von 16 Metern in nur wenige Häuser passen und mit bis zu 6000 Euro sehr teuer sind, kann sich Möllers Webstuhl fast jeder leisten. „Der ist ganz leicht nachzubauen. Es braucht nur ein paar Dachlatten und Schrauben“, sagt er. Die Bauanleitung für 145 Euro verschickt Möller weltweit und mit Erfolg. In mehr als 20 Ländern – von Finnland bis Botswana, von Schweden bis Indien – weben Frauen und Männer an seinem Stuhl.

„Der große Erfolg von Flying 8 hat mich selbst überrascht“

Gerade in Entwicklungsländern hat der Hamburger so dafür gesorgt, dass sich Menschen mit nur kleinem Startgeld selbstständig machen konnten und jetzt ihre Familien ernähren können. Für die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit ist Möller zum Unterrichten in viele Länder gereist. „Der große Erfolg von Flying 8 hat mich selbst überrascht“, sagt der 56-Jährige. Immer noch frage er sich, warum niemand vor ihm auf die Idee gekommen ist, den Webstuhl weiterzuentwickeln. Möller wird auch als „Revolutionär am Webstuhl“ bezeichnet.

Nur zehn Tage habe er für die Entwicklung seines Prototypen gebraucht. Der Zusammenbau geht noch schneller, verspricht er. Wie genau, lernen Kunden in einem Video – genauso wie das Weben selbst. Davon wird Andreas Möller am Sonntag, 18. September, bei der Ausstellungseröffnung um 11 Uhr in einem Interview mit Elke Güldenstein berichten.

Am 8. Oktober feiert er Geburtstag und 30 Jahre Selbstständigkeit

Die Leiterin des Schlosses sagt, dass „Andreas Möller ein besonders spannender Künstler, seine Ausstellung sehr sehenswert ist“. Am Sonnabend, 8. Oktober, ist der Hamburger mit Werkstatt und Ladengeschäft auf St. Pauli (Bernstorffstraße 164) erneut im Reinbeker Schloss. Zwischen 15 und 17 Uhr führt er durch die Ausstellung.

Der 8. Oktober ist nicht zufällig gewählt: Zum einen ist es der Geburtstag des Webers, zum anderen feiert er an dem Tag 30 Jahre Selbstständigkeit. Leicht sei die nicht immer gewesen, gibt er offen zu, mussten ihm anfangs seine Eltern finanziell unter die Arme greifen.

Kein Schnäppchen: Eine Decke aus Merinowolle kostet rund 1000 Euro

Mittlerweile aber kann der Vater eines Sohnes von seiner Arbeit ganz gut leben, hat er eine treue Fangemeinde für seine Handarbeiten. Zusammen mit Ehefrau Natalia Möller-Pongis betreibt er die „Weberei Hamburg“. Möller-Pongis’ Arbeiten aus Baumwolle, Bambus-Seide und anderen Fasern sind ebenso zeitlos wie die Werke ihres Mannes und werden auf gehobenen Kunsthandwerksmessen und in Galerien präsentiert.

Ein Schnäppchen sind die Schals, Handtücher und Decken allerdings nicht. Eine Decke aus Merinowolle mit einem Maß von 1,80 mal 2,50 Meter kostet rund 1000 Euro. Wenn es gut läuft, arbeitet Andreas Möller daran zweieinhalb Tage. Die Leidenschaft fürs Weben hat er übrigens schon mit zwölf Jahren entwickelt und sie seitdem nicht verloren.

Sechs Wochen dauert es, um die Grundlagen des Webens zu erlernen

Im Gegenteil: Gern möchte er anderen zeigen, wie sie aus Wollfäden etwas Besonderes schaffen können. Möller ist gerade dabei, sich eine zweite Werkstatt samt Schulungsraum im Gut Müssen in Schleswig-Holstein einzurichten. Hier will er Webstühle bauen und Interessierte in das alte, in Deutschland aussterbende Handwerk einführen.

Sechs Wochen dauert es, um die Grundlagen zu erlernen – und ein ganzes Leben, um neue Muster herzustellen. Zum letzte Mal gibt er am Sonntag, 30. Oktober, von 15 bis 17 Uhr im Schloss Einblicke ins Weben. Am 31. Oktober ist letzter Ausstellungstag.

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