Stadtmarketing

Reinbek gestern und heute in den sozialen Medien

| Lesedauer: 5 Minuten
Susanne Tamm
Reinbeks Auszubildende Karolin-Mirell Friehe und Stadtarchivar Carsten Walczok stellen das neue Facebook-Projekt vor.

Reinbeks Auszubildende Karolin-Mirell Friehe und Stadtarchivar Carsten Walczok stellen das neue Facebook-Projekt vor.

Foto: Susanne Tamm

Stadtmarketing modern: Azubi Karolin-Mirell Friehe hatte die Idee dazu – und rannte bei Archivar Carsten Walczok offene Türen ein.

Reinbek.  Die Ergebnisse ihrer Arbeit kann Karolin-Mirell Friehe, Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten im dritten Jahr, jetzt jede Woche auf Facebook und Instagram bewundern. Denn die 22-jährige Barsbüttelerin hatte die Idee für ein spannendes Projekt, das sie jetzt jede Woche gemeinsam mit Stadtarchivar Carsten Walczok in die Tat umsetzt.

„Ich bin HSV-Fan“, erzählt sie. „Und auf dem Insta-Account des Hamburger Sportvereins habe ich historische Fotos gesehen. Da dachte ich mir, so etwas könnten wir doch auch für die Stadt Reinbek machen, die in letzter Zeit nur Stellenanzeigen postet.“

Stadtmarketing: Projekt-Idee, um den Facebook-Account zu beleben

Noch bis Ende August arbeitet sie in der Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Reinbek, deren Sprecherin Penelope Friebel noch in Elternzeit ist. Deshalb passiere auf dem Facebook-Account der Stadt derzeit nicht so viel. Karolin-Mirell Friehe ging auf Carsten Walczok zu, bat ihn um Unterstützung und rannte bei dem Stadtarchivar offene Türen ein.

„Das ist doch toll, wenn jemand mit eigenständigen Projektideen kommt, von dem das noch nicht einmal erwartet wird“, stellt der 59-Jährige fest. Mit den sozialen Medien beschäftigt er sich ansonsten aus Zeitgründen nicht, auch wenn ihm klar ist: „Das ist die Zukunft. Doch ich habe an den drei Vormittagen in der Woche mit Reinbeks Tagesgeschäft zu tun.“ Jetzt lernen beide voneinander:

Archivar ist für die historisch korrekte Beschreibung zuständig

Walczok schlägt verschiedene Motive aus der Stadtgeschichte vor, bei denen die Bildrechte für die Veröffentlichung geklärt sind, und gemeinsam entwickeln sie daraus das Thema der Woche. Er schreibt den Text für den Beitrag, und die Auszubildende redigiert ihn – ja, richtig, nicht etwa umgekehrt. „Was die geschichtlichen Fakten angeht, lasse ich mir natürlich nichts sagen“, erklärt der promovierte Historiker.

Was die zielgruppengerechte Ansprache auf Facebook und Instagram betrifft hingegen schon: „Da kann ich noch einiges hinzulernen“, räumt Walczok ein. Statt wissenschaftlichem Jargon ist eine klare, frische Sprache gefragt. Das Ergebnis stimmen die beiden gemeinsam ab. Karolin-Mirell Friehe macht zudem die aktuellen Fotos, um sie den historischen Pendants gegenüberzustellen, und postet den Beitrag. Jeden Donnerstag um 18 Uhr geht einer online.

Zwei Beiträge sind bereits veröffentlicht

Und die Idee kommt an. Zwei Beiträge, einer über Reinbeks altes Kaufhaus der Familie Occolowitz am Landhausplatz (die heutige Haspa) und einer über das Krankenhaus Reinbek St.-Adolf-Stift sind schon veröffentlicht. „Unser erster Beitrag auf Facebook erreichte 110 Likes und 21 Kommentare. Auf Instagram hingegen erreichten wir 156 Likes und 18 Kommentare“, erzählt die Auszubildende nicht ohne Stolz. Außerdem wurden beide Posts jeweils siebenmal geteilt, so weiter verbreitet und dort ebenfalls kommentiert und gelobt.

Und die Facebook-Beiträge ziehen Kreise: „Gleich nach dem ersten hat Gisela Manzel, Vorsitzende des Museumsvereins, angerufen“, erzählt Carsten Walczok. „Jetzt setzen wir uns zusammen und schauen, ob wir kooperieren. Außerdem hat mich Glindes Pressesprecherin Katharina Richter gefragt, ob wir diese Idee nicht auch für Glinde umsetzen könnten.“ Denn Carsten Walczok ist donnerstags Stadtarchivar in Glinde, mittwoch- und freitagnachmittags in Barsbüttel. „Wir besprechen jetzt am Donnerstag, wie wir das realisieren könnten“, verrät Walczok.

Vergleich von gestern und heute „ist faszinierend“

„Das mit dem Vergleich war zuerst nicht geplant“, erzählt die Auszubildende. „Aber es ist spannend zu sehen, wie es dort früher ausgesehen hat. Beispielsweise das Kopfsteinpflaster auf der Hamburger Straße oder wie die Leute einfach über den Platz gegangen sind.“ Carsten Walczok fügt hinzu: „Und es ist faszinierend zu sehen, wie viel vom Reinbeker Stadtbild heute noch geblieben ist: Gebäude, der Straßenverlauf.“

Vor 500 Jahren etwa habe es noch keine Knicks gegeben und die norddeutsche Landschaft habe noch anders ausgesehen. Auch Reinbek hat sich verändert: Vor dem Krankenhaus St.- Adolf-Stift, das im zweiten Beitrag gezeigt wurde, grasten 1911 noch die Kühe, dahinter gab es nur Wald. Das älteste Foto aus dem Archiv datiert der Historiker auf etwa 1870. Es zeigt das Schloss, das meistfotografierte Motiv in Reinbek. „Vom Schloss haben wir eine Unmenge Aufnahmen, vom Krabbenkamp fast nichts“, stellt Wal­czok fest. Und von vielen Fotografien seien die Bildrechte ungeklärt.

Fünf bis sechs Themen sollen noch folgen

Doch der Historiker und die Auszubildende haben noch fünf bis sechs Themen in petto. Was diese Woche veröffentlicht wird, ist noch nicht entschieden: Vielleicht wird es ein Motiv vom Schmiedesberg, von einem Rundgang mit Eduard Claußen (NSDAP), der von 1931 bis 1945 Bürgermeister in Reinbek war, oder das Schloss.

Für Karolin-Mirell Friehe steht fest, dass sie die richtige Ausbildung gewählt hat. Die Stadt Reinbek bildet derzeit acht junge Leute aus, je eine junge Frau in der Kita Schönningstedt und eine in der Stadtbibliothek. Im Rathaus sind außerdem zwei Anwärterinnen, die studieren. „Ich möchte gern nach dem Abschluss im Reinbeker Rathaus bleiben“, sagt Friehe. „Am interessantesten fand ich die ersten sechs Monate im Sozialamt, als gerade die Ukraine angegriffen worden war. Aber eigentlich gibt es in jeder Abteilung spannende Aufgaben.“

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