ÖPNV

Das Ziel: Im Zehn-Minuten-Takt zum S-Bahnhof Reinbek

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Undine Gerullis
Geht es nach der Reinbeker Politik, sollen Buslinien den Reinbeker S-Bahnhof zukünftig öfter anfahren.

Geht es nach der Reinbeker Politik, sollen Buslinien den Reinbeker S-Bahnhof zukünftig öfter anfahren.

Foto: Undine Gerullis

Schneller zur S-Bahn – das will Reinbeks Politik erreichen. Welches neue Verkehrsmittel dabei auch eine Rolle spielen könnte.

Reinbek.  Oft und unfreiwillig läuft der Reinbeker Jannes Elfgen nach Feierabend vom S-Bahnhof Reinbek nach Hause. Die 15 Minuten Wegstrecke würde der Familienvater lieber mit der Buslinie 236 fahren und stattdessen Zeit mit seinen kleinen Kindern verbringen. „Doch regelmäßig fährt mir der Bus vor der Nase weg, weil die S-Bahn mal wieder zwei, drei Minuten Verspätung hatte“, sagt der Berufspendler. Statt 20 Minuten auf den Anschlussbus zu warten, läuft er lieber nach Hause.

Das könnte sich bald ändern. Denn nach Wünschen der Reinbeker Politik soll die Taktung der Buslinien, die den S-Bahnhof an- und von dort wieder abfahren, auf zehn Minuten verkürzt werden. „Fraktionsübergreifend wünschen wir uns, dass die Bustaktung der der S-Bahn angepasst wird“, sagt Günter Herder-Alpen, Vorsitzender des Verkehrsplanungsausschusse. „Denn auch wenn es noch ein wenig ruckelt auf der S-Bahn-Strecke“, sagt Herder-Alpen, „ist die Zehn-Minuten-Taktung super“. 6000 Menschen steigen täglich in Reinbek in die S-Bahn.

Zehn-Minuten-Takt: ÖPNV-Experte ist skeptisch

Ob sich der Zehn-Minuten-Takt durchsetzen lässt, da hat Björn Schönefeld, Experte für den Öffentlichen Personennahverkehr im Kreis Stormarn, so seine Zweifel. „Ob der Bedarf in Reinbek wirklich so groß ist, dass die Fahrten verdoppelt werden müssen, ist fraglich“, sagt er. Schließlich beträfe das gleich mehrere Linien, zöge einen immensen personellen Bedarf nach sich und koste viel – auch die Stadt selbst. Zumal Reinbek durch seine S-Bahn-Anbindung bereits viel besser dastehe als andere Stormarner Kommunen im ländlichen Raum, gibt der Verkehrsexperte zu bedenken Aufgenommen soll der Reinbeker Wunsch aber im fünften Regionalen Verkehrsplan in jedem Fall.

Den erstellen die vier Kreise Stormarn, Herzogtum Lauenburg, Pinneberg und Segeberg zum ersten Mal gemeinsam, er gilt bis 2026. Bis dahin wird die neue XPress-Buslinie von Trittau zur U-Bahn-Haltestelle Steinfurter Allee in Hamburg schon längst im Einsatz sein. Björn Schönefeld schätzt, dass die ersten Fahrgäste im Dezember 2023 schneller von Trittau bis zur U-Bahnstation in Billstedt kommen. „Die bereits vorhandene Linie 333 hält jetzt auf ihrer Strecke an so ziemlich jeder Kaffeekanne in Witzhave, Ohe, Neuschönningstedt, Glinde und Oststeinbek“, weiß Herder-Alpen. Deshalb sei es der Wunsch der Reinbeker, von der schnellen Verbindung zu profitieren, sollte die Strecke über die Möllner Landstraße verlaufen.

20-Minuten-Takt für Buslinie 237

Längst überfällig sei die geplante Umstellung der Buslinie 237 (Wentorf-Reinbek-Willinghusen) auf einen vollständigen 20-Minuten-Takt zwischen S-Bahnhof Reinbek und Glinder Markt. Das sieht auch Schönefeld so: „Die Stundentaktung zu Hauptverkehrszeiten ist nicht mehr zeitgemäß“, sagt er. Spätestens in 2024 ist eine Umstellung anvisiert. Längerfristig ist ebenfalls eine neue Stadtbuslinie 132 zwischen U-Mümmelmannsberg und S-Reinbek angedacht. „Die schnelle U2-Anbindung aus Reinbek über Bergedorfer Straße, Reinbeker Redder und Hamburger Straße begrüßen wir sehr“, sagt der Grünen-Politiker Herder-Alpen. „Wieder ein kleiner Schritt nach vorn auf dem Weg zur Verkehrswende.“

Ein weiterer könnte das On-Demand-Angebot ioki der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein (VHH) sein. Reinbeks Politiker machen sich dafür stark, dass die modernen, emissionsfreien Kleinbusse für mindestens sechs Fahrgäste mit Elektroantrieb auch auf Reinbeker Straßen im Einsatz sind. Nutzer geben per App Wunschstart und -ziel ein. Zusätzlich zum VHH-Ticket fallen ein Euro pro Fahrt und Person an. In Ahrensburg sowie im Raum Brunsbek–Lütjensee–Trittau ist der Shuttle bereits unterwegs, hat einen Haltepunkt in Neuschönningstedt und „wird gut angenommen“, sagt VHH-Sprecherin Christina Sluga.

Mobilitätsanalyse soll klären, ob ein weiteres Verkehrsmittel Sinn macht

Eine Mobilitätsanalyse soll jetzt klären, ob und welche Teile Reinbeks für den One-Demand-Service geeignet sind. Sie wird durch das Mobility Analytics Team von Ioki durchgeführt und ist ergebnisoffen. „Die Analyse ist aber kein Garant für eine Ausweitung des Ioki-Angebots“, sagt Björn Schönefeld. Die Chanchen wären aber größer, wenn Reinbek sich mit anderen Kommunen zusammentun würde. Für Wentorf liegt das Ergebnis der Analyse bereits vor.

Ein attraktiver öffentlicher Personennahverkehr ist das eine, gut ausgebaute Fahrradwege sind das andere, sagt Herder-Alpen. „Ein schwieriges und zähes Thema in Reinbek, das wir 2024 endlich angehen müssen“, sagt er. Zwei Verbesserungen soll es schon jetzt geben: Am S-Bahnhof sollen noch in diesem Jahr zwei abschließbare Fahrradgaragen gebaut werden. Zudem setzen sich die Grünen dafür ein, dass im gesamten Stadtgebiet die Zahl der Fahrradlehnbügel erhöht wird. So sollten die 80, die ungenutzt vor der Campusschule stehen, woanders aufgestellt werden.

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