Tanzen

Wie Reinbeks Tanzschule in die Zeit nach Corona startet

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Susanne Tamm
Marina Schaper (v. l.), ihr Lehrerteam Christian Köhler und Miriam Schaper wollen das 40-Jährige gebührend feiern.

Marina Schaper (v. l.), ihr Lehrerteam Christian Köhler und Miriam Schaper wollen das 40-Jährige gebührend feiern.

Foto: Susanne Tamm

Marina Schaper gründete 1982 ihre Tanzschule in Reinbek. Ihr Team hat viele Aufs und Abs erlebt. Dann kam die Pandemie.

Reinbek. Wenn sie an den Fernsehdreiteiler „Ku’damm“ denkt, sagt Miriam Schaper: Ich dachte, die verfilmen mein Leben!“ Die 37 Jahre alte Tanzlehrerin sieht in der verfilmten Geschichte einer Tanzschule in Berlin einige Parallelen zu der ihrer Mutter in Reinbek. „Dort geht es auch um eine sehr klassische Mutter und ihre etwas rebellische Tochter“, sagt sie.

Allerdings ist die Reinbeker Tanzschule nicht 1906, sondern 1982 gegründet worden und somit jetzt 40 Jahre alt. Diesen runden Geburtstag will Inhaberin Marina Schaper (66) auf jeden Fall feiern. „Wir wollten schon im Januar zum Gründungsdatum loslegen, aber da war Herr Lauterbach leider anderer Meinung“, stellt sie fest. Deshalb werden der Ball mit geladenen Gästen im Oktober und der Tag der Offenen Tür mit vielen kurzen Workshops zum Mitmachen im August nachgeholt.

Tanzen: Film „Dirty Dancing brachte den Boom“

Krisen und Flauten sind die Schapers gewohnt: „Wir haben immer durchgehalten und uns immer wieder herausgebuddelt“, sagt die Chefin. In den 80er-Jahren erlebten die Tanzschulen durch den Mambo und den Film „Dirty Dancing“ einen Boom. Davon konnte auch Marina Schaper, damals noch am Standort Täby-Platz ansässig, lange zehren. Zumal der Paartanz in den 90er-Jahren dann „eine Riesenflaute erlebte“, wie es Marina Schaper ausdrückt. „Niemand wollte mehr tanzen.“ Für sie und ihre Tochter unvorstellbar. „Ich wurde in dieser Tanzschule geboren und wollte niemals etwas anderes werden als Tanzlehrerin“, erklärt Miriam Schaper.

Ihre Mutter korrigiert lachend: „Na ja, im Adolf-Stift geboren und in der Tanzschule aufgewachsen.“ Ihr sei es ähnlich ergangen. „Aber bei uns war das damals anders. Meine Eltern wollten, dass ich etwas Anständiges lerne. Deshalb habe ich eine kaufmännische Lehre gemacht“, erzählt sie. Mit 21 Jahren sei mit ihrem damaligen Verlobten auch zum Tanzunterricht gegangen und habe dort als Tanzlehrer den schlechtesten Schüler erlebt. „Da habe ich gedacht, dann kann das doch nicht so schwer sein, und habe meine Eltern so lang bekniet, bis sie mir die Ausbildung vom Allgemeinen Deutschen Tanzverband (ADTV) bezahlt haben.“ Damals musste man diese noch privat bezahlen.

Tanzschule Reinbek: Mit geliehenen 10.000 Mark hat sie alles begonnen

Marina Schaper selbst war im Turniertanz aktiv und erhielt ihre Ausbildung bei Gerd Hädrich, Ikone der Tanzwelt, und bei seiner Tochter Evelyn Hörmann. Die fragte verwundert: „Warum willst du denn die Ausbildung machen?“ Sie habe geantwortet, weil sie tanzen wolle. „Da hat sie gesagt: Aber als Tanzlehrer steht ihr doch nur herum. Und sie sollte Recht behalten, erzählt Marina Schaper lachend und begründet ihre Motivation: „Ich wollte Menschen schon immer den Spaß am Tanzen vermitteln – so, dass der Funke überspringt.“ Heute unterrichtet sie nur noch zweimal in der Woche, zieht sich langsam zurück und konzentriert sich auf die Büroarbeit und die Finanzen.

Schwelbrand war ein Schock

Am Anfang lieh sie sich 10.000 Mark von ihren Eltern und gründete die Tanzschule am Ladenzentrum. Als viele Faschings- und Oktoberfeste sowie Abtanzbälle im Hamburger Curio-Haus später nach 20 Jahren renoviert werden musste, wollte sich der Vermieter nicht beteiligen. Damals fand sie die neuen Räume in der Bergstraße 8 und zog im Januar 2004 dorthin um. Mit diesem zentralen Standort ist sie heute noch glücklich.

Zwei Jahre später musste sie wegen eines Schwelbrandes erneut alles renovieren. „Das war ein Schock“, erzählt sie. Auch ihre Tochter erinnert sich: „Ich stand gerade unter der Dusche, als die Nachricht kam. Ich habe dann einfach eine Mütze drüber gezogen, weil du so gezittert hast, dass ich dich fahren musste.“

Das Coronavirus hat Träume zum Platzen gebracht

Die Bergstraße sei für die Feuerwehr abgesperrt gewesen, in den Räumen war innen alles schwarz, auch die Fensterfront. Eine Stumpenkerze war zwar am Vorabend gelöscht worden, doch ihr Docht hatte bis an den Grund der Kerze weitergeglimmt. Die Hitze hatte die Tischplatte gesprengt, und so war der Brand entstanden. Glücklicherweise habe die Versicherung die Renovierung bezahlt. „Und die Stadt Reinbek hat uns großzügig die Säle im Schloss und im Sachsenwald-Forum überlassen, sodass unser Unterricht weiterlaufen konnte“, sagt Marina Schaper dankbar.

Doch die Pandemie mit ihren Lockdowns habe die Schapers schon vor besondere Herausforderungen gestellt. „Wir mussten einen von drei Tanzlehrern entlassen“, berichtet die Inhaberin. Und ich Tochter sagt: „Da sind wirklich Träume geplatzt. Ich wollte mit meiner Familie ein Haus bauen, das wird jetzt nichts mehr.“ Marina Schaper musste sich wie viele andere Unternehmen mit Steuerrecht und Kurzarbeit herumschlagen. Zeitweise musste das Familienunternehmen bis zu neun Monate schließen.

„Wir mussten unsere Tanzschule komplett neu denken“, fasst es Miriam Schaper zusammen. Denn allein mit Paartanz, mit Discofox, Cha-Cha-Cha oder Walzer könne heute keine Tanzschule mehr überleben, ist sie überzeugt. All diese Kurse auf Basis der bewährten Methoden des ADTV bieten ihre Mutter, ihr Kollege Christian Köhler und sie weiterhin an. Außerdem haben sie aber auch Modern Dance wie Hip-Hop und Streetdance bis hin zu tänzerischem Workout wie Zumba und Bokwa, Solotanz sowie eine breite Palette an Kinder- und künftig auch Seniorentanzkursen im Programm.

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