Ausstellung

Farbexplosionen im Schloss fordern ihr Gegenüber heraus

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Ricky Winter, Reinbeker Künstlerin, eröffnet ihre Ausstellung „Gegenüber" im Schloss Reinbek.

Ricky Winter, Reinbeker Künstlerin, eröffnet ihre Ausstellung „Gegenüber" im Schloss Reinbek.

Foto: Susanne Tamm

Ricky Winter zeigt im Schloss Reinbek ihre Werke. Beim Material gibt es kaum ein Tabu. Öl aber meidet sie - aus gutem Grund.

Reinbek. Emotional und impulsiv, ja fast explosiv wirkt der Farbduktus in der Malerei der Reinbeker Künstlerin Ricky Winter. Am Sonntag, 23. Januar, eröffnet sie unter dem Titel „Gegenüber“ ihre Ausstellung im Schloss Reinbek. Zu sehen sind bis 20. März neben 52 abstrakten und sehr dynamischen Gemälden auch sieben Plastiken in Form von deutlich ruhiger wirkenden Köpfen.

„Wenn ich male, lege ich schnell los – mit Energie und Power“, erzählt die Malerin. „Dann kommt irgendwann ein Stopp. Da geht nichts mehr. Wenn der Kopf einsetzt, dann entsteht ein Konflikt in mir und ich denke: ,Was machste jetzt damit.?’“ Dann stellt sie das Bild erst mal beiseite. Manchmal dauert es Monate, bis sie plötzlich weiß, dort muss noch mal dies oder das hin. Um das herauszubekommen betrachtet sie es auch im Spiegel oder durch ein umgedrehtes Fernglas, wenn ihr der nötige Abstand fehlt.

Tusche, Notenpapier, Flyer und Dachlack – alles kommt auf die Leinwände

So entstehen ihre Farblandschaften in mehreren Schichten und mit ganz verschiedenen Materialien. Als Basis rührt sie Pigmente in Acrylfarben an, manchmal auch mit Spachtelmasse oder sie verwendet Tusche. Auf Öl verzichtet sie: „Das dauert mir viel zu lange, bis es getrocknet ist.“ Doch ansonsten kennt sie beim Material keine Hemmungen: Moorlauge, Papier- oder Leinenstücke aus dem Müll, Grant, Notenpapier oder ein Flyer aus dem Jugendzentrum, bei einem Dachlack gerät sie regelrecht ins Schwärmen – alles wird in ihre Farbkompositionen eingearbeitet. Manche Strukturen scheinen den Betrachtenden entgegenzuspringen, andere ziehen sie hinein ins Bild. Einige wirken fast wie barocke Skizzen.

Zu sagen, was für sie ein gutes Bild ausmacht, fällt ihr schwer: „Es geht um Spannung oder um Tiefe, die Komposition muss einfach stimmen“, erklärt sie. Emotionen und Unterbewusstsein bestimmen Farbgebung und Komposition. „Das Malen hat für mich etwas sehr Befreiendes“, stellt die Reinbekerin fest. „Die Zugänge zu meinen Werken sind ganz individuell. Einige finden vielleicht auch keinen Zugang.“

Modellierte Köpfe strahlen ein wenig mehr Ruhe aus

Die Köpfe seien hingegen während der Corona-Zeit entstanden, in einer „verkopften“ Phase, erzählt Ricky Winter. „Dabei konnte ich ein bisschen sitzen und es ging ruhiger zu.“ Wer mit ihr ins Gespräch kommen will, kann am Sonntag um 11.30 Uhr zur Vernissage kommen. Auf der Internetsee www.schloss-reinbek.de wird die Laudatio von Klaus Plöger übertragen. Außerdem gibt es einen von der Sparkassen-Kulturstiftung Stormarn gesponserten Katalog.

( st )

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