Prozess

Rottweiler beißt Joggerin (22) in den Unterschenkel

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Rottweiler gelten als gefährlich und brauchen einen Maulkorb.

Rottweiler gelten als gefährlich und brauchen einen Maulkorb.

Foto: Bernd Thissen / dpa

Aggressiver Hund ist im Wald unangeleint und ohne Maulkorb unterwegs. Halter wegen Körperverletzung verurteilt.

Reinbek. Diese Joggingtour wird die 22 Jahre alte Jennifer M. so schnell nicht vergessen. Als die Geesthachterin an einem Nachmittag Ende März ihre Laufrunde im Wald zwischen Reinbek und Lohbrügge drehte, wurde sie plötzlich von einem Rottweiler angefallen. Sie hatte sich von hinten genährt, als der massige Hund plötzlich an ihr hochsprang. Er verbiss sich in Arm und Bein und hinterließ eine schmerzhafte etwa 15 Zentimeter große Verletzung am rechten Unterschenkel. Branko S. zog den Hund sofort von ihr weg.

Ein dreiviertel Jahr später sahen sich Hundehalter und Joggerin am Freitag vor dem Amtsgericht wieder. Der 40 Jahre alte Lohbrügger mit serbischen Wurzeln war wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. Ihm wird vorgeworfen, seine Kontroll- und Aufsichtspflicht als Halter verletzt zu haben, und mit seinem Rottweiler unangeleint, ohne Maulkorb und ohne Hundeführerschein unterwegs gewesen zu sein. In Hamburg stehen Rottweiler auf der Liste der Gefahrenhunde.

Dreiste Lüge muss der Angeklagte schnell eingestehen

Doch die erste Überraschung folgte gleich nach Verlesung der Anklage, als Branko S. verkündete, dass es nicht sein Hund war. „Ich habe keinen Hund. Den kann ich mir als Arbeitsloser gar nicht leisten. Ich war da nur joggen, habe geholfen und verstehe gar nicht, warum ich hier jetzt sitze.“ Er unterstellte dem Opfer sogar, nur auf die Zahlung von Schmerzensgeld aus zu sein.

Dass es sich dabei aber um eine dreiste Lüge handelte, musste der Angeklagte aber ziemlich schnell eingestehen. Es gab ein heimlich geschossenes Beweisfoto der jungen Joggerin, auf dem Branko S. und Hund Rocky zusammen zu sehen sind. Jennifer M. hatte wohl schon geahnt, dass sich die Sache nicht einfach so regeln ließ. Sie erstattete Anzeige, nachdem Branko S. telefonisch nicht zu erreichen war.

Auch eine Polizistin hat der Hund angegriffen

Auch die Polizisten trafen ihn später in seinem Zuhause im Hochhaus in Lohbrügge mit einem Rottweiler an, der zur Beschreibung durch das Opfer passte. Auch da trug der Hund keinen Maulkorb, war aggressiv und schnappte nach einer Polizistin.

„Ja, Rocky ist mein Hund“, gab Branko S. kleinlaut zu und entschuldigte sich umfangreich beim Opfer: „Das ist total blöd gelaufen. Ich hoffe, dass alles wieder gut wird und es kein traumatisches Erlebnis für dich war.“ Das war es für Jennifer M. nicht. „Ich gehe nach wie vor joggen. Die Wunde ist verheilt.“ Doch großen Hunden begegne sie – obwohl sie selbst mit einem aufgewachsen ist – jetzt anders. „Das Problem liegt ja nicht beim Hund, sondern beim Halter“, sagt sie.

Angeklagter gelobt Besserung

Rocky sei ein lieber Artgenosse, noch ein bisschen wild, „aber eigentlich wollte er nur spielen“, erwiderte Branko S. Auch er sei mittlerweile vernünftig geworden und habe mit dem Branko S. von früher nichts mehr zu tun. Das Vorstrafenregister des 40-Jährigen ist lang und enthält unter anderem Raub, Drogenhandel, Sachbeschädigung und Urkundenfälschung. „Ich habe mich geändert, nehme keine Drogen mehr, habe den Führerschein gemacht, will jetzt Geld als Paketfahrer verdienen und meinem Sohn endlich Unterhalt zahlen. Und ich besuche mit Rocky eine Hundeschule.“

Alles gute Ansätze, die Richterin Dagmar Gòraj bei ihrer Urteilsfindung berücksichtigte: Branko S. muss eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen à 10 Euro an die Staatskasse zahlen. Sie blieb unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, gab ihm aber mit auf den Weg: „Sie hatten Glück, dass die Attacke glimpflich ausgegangen ist. Es hätte auch zu schlimmen Bisswunden im Gesicht kommen können. Nicht auszudenken, wenn das Opfer ein Kind gewesen wäre.“

( uge )

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