St.-Adolf-Stift

Reinbeker Krankenhaus: Beste Adresse für Nierenkranke

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Undine Gerullis
Dr. Isabell Jester (Leiterin des Shunt-Zentrums) und Dr. Lutz Heischkel (Gefäßchirurg aus Eberswalde und Auditor der Zertifizierungsgesellschaft ClarCert 

Dr. Isabell Jester (Leiterin des Shunt-Zentrums) und Dr. Lutz Heischkel (Gefäßchirurg aus Eberswalde und Auditor der Zertifizierungsgesellschaft ClarCert 

Foto: Undine Gerullis / Gerullis

Das St.-Adolf-Stift ermöglicht eine vergleichsweise kurze Dialysezeit. Anstatt 15 dauert die Blutwäsche nur vier Stunden. Wieso?

Reinbek. Etwa 100.000 nierenkranke Menschen sind deutschlandweit auf Dialyse angewiesen. Tendenz mit zunehmender Lebenserwartung weiter steigend. Für sie gibt es eine hoch spezialisierte Anlaufstelle im Reinbeker Krankenhaus St.- Adolf-Stift. Das Krankenhaus wurde jetzt für seine vorbildliche Versorgung von Nierenpatienten durch Dialysezugänge ausgezeichnet.

„Die Nieren von Dialysepatienten sind nicht mehr in der Lage, die lebenswichtige Funktion der Entgiftung zu übernehmen. Das übernimmt die Dialyse“, erläutert Professor Dr. Markus Meier, Departmentleiter der Nephrologie (Nierenheilkunde) am St.-Adolf-Stift in Reinbek und Leiter des Nephrologischen Zentrums Reinbek-Geesthacht. Dabei strömen pro Minute 250 bis 300 Milliliter Blut aus dem Körper des Patienten durch den Apparat und wieder zurück. „Ohne diese Behandlung würden diese Menschen innerhalb weniger Tage sterben.“

Im St.-Adolf-Stift möglich: Parallelschaltung verkürzt die Blutwäsche erheblich

Damit der hohe Blutfluss in den nötigen Mengen und mit dem erforderlichen Druck für die regelmäßige Wäsche – pro Woche dreimal – gewährleistet ist, wird ein sogenannter Shunt, ein „Nebenanschluss“ gelegt. Dabei werden eine Vene und eine Arterie meist im Unterarm miteinander vernäht. „Ein künstlicher Zusammenschluss, den es sonst nirgendwo im Körper gibt“, erklärt Dr. Isabell Jester, Leiterin des Interdisziplinären Shunt-Zentrums im St.-Adolf-Stift. Dass sich in diesem Fall punktuell sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut vermischen und auch Nebenwirkungen auftreten könnten, sei bei dieser Erkrankung zu hinzunehmen. Denn ohne diese Verbindung würde eine Blutwäsche zwölf bis 15 Stunden dauern.

Bei diesen Dialysezugängen hat das vierköpfige Operationsteam um die Gefäßchirurgin mittlerweile so viel Expertise, dass das Krankenhaus nun als Shunt-Referenz-Zentrum ausgezeichnet wurde. „Davon gibt es nicht viele. Bei deutschlandweit knapp 2000 Krankenhäusern sind nur 18 als Shunt-Zentren zertifiziert. In Norddeutschland ist das Reinbeker das einzige“, sagt Dr. Lutz Heischkel, Leiter der Gefäßchirurgie am Werner-Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde und zuständig für die Zertifizierung. Der Ruf des Zentrums ist gut. Kein Wunder also, dass die Patienten von weit herkommen und eine Anfahrt von bis zu 200 Kilometern in Kauf nehmen. Denn in Reinbek arbeiten Chirurgen, Nierenärzte und Radiologen eng zusammen und jährlich werden dort mehr als 1000 Eingriffe vorgenommen. Die Zahl der Shunt- und Dialysepatienten macht etwa fünf Prozent der Gesamtzahl der Patienten im St.-Adolf-Stift aus.

Es kann beim Shunt zu Problemen kommen – Reinbek repariert

„Das Anlegen eines Shunts ist ein Routineeingriff, dauert nur wenige Stunden und wird seit den 1960er-Jahren praktiziert. Damals war das eine medizinische Revolution“, sagt Markus Meier.

Bei Zweidrittel aller Shunts aber kommt es nach gut einem bis eineinhalb Jahren zu Problemen. Entweder ist der Blutfluss zu stark oder zu gering oder es kommt zu Verstopfungen. Dann muss der Shunt repariert werden, manchmal bis zu fünfmal. „Und das können dann nicht so viele, da ist dann Kreativität und Können gefordert“, sagt Heischkel. Kein Shunt sei wie der andere, sagt die Leiterin des Reinbeker Shunt-Referenz-Zentrums Jester. Die 51-Jährige kann bereits 14 Jahre Erfahrung als Gefäßchirurgin in Hamburg und Reinbek vorweisen und bezeichnet die „komplizierten Fälle als Herausforderung“.

Das Durchschnittsalter der Dialysepatienten liegt laut Meier bei rund 75 Jahren. Eine Chance auf eine Nierentransplantation haben sie wegen des hohen Alters und der langen Wartezeit auf eine Spenderniere nicht. Die beträgt durchschnittlich zehn Jahre. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ist die Niere zwar das am häufigsten für eine Transplantation benötigte Organ. Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland aber nur 1909 Nieren in Universitätskliniken transplantiert, während 7338 Patienten für eine Nierentransplantation auf der Warteliste standen.

Die Dialyse verspricht einen Gewinn an Lebenszeit

Wer aber zu alt und zu vorerkrankt ist, kommt gar nicht erst auf die Liste. Dem bleibt „nur“ die Dialyse. Eine auch trotz des Shunts zeitaufwendige Angelegenheit: Dreimal die Woche für jeweils vier Stunden verbringen die Patienten bei der Dialyse. Dem gegenüber steht in der Altersgruppe der 70- bis 80-Jährigen ein durchschnittlicher Gewinn von vier Jahren Lebenszeit.

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