Arbeitsmarkt

Fachkräfte gesucht: Viele offene Stellen im Baugewerbe

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Undine Gerullis und Lutz Kastendieck
Maurer, Dachdecker – wie hier auf dem Bild – und Tischler werden dringend gesucht. Bei der Arbeitsagentur in Reinbek sind allein 80 Stellen im Baugewerbe unbesetzt, manche schon mehrere Monate lang.

Maurer, Dachdecker – wie hier auf dem Bild – und Tischler werden dringend gesucht. Bei der Arbeitsagentur in Reinbek sind allein 80 Stellen im Baugewerbe unbesetzt, manche schon mehrere Monate lang.

Foto: R4200 / picture alliance /

Allein bei den Baufachkräften gibt es im Reinbeker Geschäftsstellenbezirk 80 offene stellen. Auch sind Lehrstellen unbesetzt.

Reinbek.  Verkäufer, Erzieher, Servicekräfte, aber auch Tischler, Maurer und Elektriker sind aktuell heiß begehrt auf dem Arbeitsmarkt. Allein bei den Baufachkräften gibt es aktuell 80 offene Stellen im Reinbeker Geschäftsstellenbezirk der Agentur für Arbeit. Der umfasst 23 Gemeinden – von Oststeinbek im Westen über Trittau im Norden, Friedrichsruh im Osten bis zu Wentorf im Süden.

„80 qualifizierte Handwerker müssen Sie erst einmal finden. Das ist nahezu unmöglich“, sagt Annika Hahn (39), Leiterin der Reinbeker Arbeitsvermittler. Sieben Köpfe umfasst ihr Team, Die Männer und Frauen an der Sophienstraße versuchen, Arbeitslose schnellstmöglich wieder in Lohn und Brot zu bringen und offene Stellen zu besetzen.

Tischler, Maurer und elektriker sind auf dem Arbeitsmarkt sehr gefragt

„Wir haben Vollbeschäftigung“, sagt Hahn, die vor einem Jahr die Leitung übernommen hat. Die Arbeitslosenquote beträgt aktuell nur 3,3 Prozent. Der Kreis Stormarn steht auch durch seine Nähe zu Hamburg in Schleswig-Holstein am besten da.

Offene Stellen gibt es viele, im September waren 863 unbesetzt. Insbesondere Groß- und Einzelhandelskaufleute (171), aber auch Pfleger, Erzieher und sozialpädagogische Assistenten (78) werden dringend benötigt. „Wer eine Arbeit sucht und bereit ist, sich weiterzubilden, findet sie auch“, ist die Teamleiterin überzeugt. Der Arbeitsmarkt floriere und habe das Niveau von vor der Corona-Pandemie erreicht. Die Qualifizierung der Arbeitssuchenden für offene Stellen in gefragten Branchen sei jetzt die große Herausforderung.

Im vergangenen Monat waren 1104 Menschen im Geschäftsstellenbezirk Reinbek arbeitslos gemeldet. Davon waren 55,5 Prozent Männer und 44,5 Prozent Frauen.

Die meisten finden nach durchschnittlich 111 Tagen wieder einen Job

111 Tage dauert es durchschnittlich, bis die meisten wieder eine neue Arbeit gefunden haben. „Die ersten drei Monate sind entscheidend“, sagt Hahn. Danach nehmen die psychischen und physischen Belastungen zu, geht das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten verloren. „Generell ist die Gefahr, langzeitarbeitslos zu werden, bei älteren Arbeitssuchenden größer“, sagt Hahn. Umschulungen, Probearbeiten oder Bewerbungstrainings sollen verhindern, dass aus Arbeitslosengeldbeziehern nach einem Jahr ALG2-Bezieher werden. Immer allerdings lasse sich das aus unterschiedlichsten individuellen Gründen nicht verhindern. 197 Menschen haben es allein in diesem Jahr nicht geschafft, rechtzeitig eine neue Stelle zu finden.

Bei den 160 Arbeitslosen im September unter 25 Jahren geht es oft um viel Grundsätzlicheres wie mangelnde Deutschkenntnisse oder einen fehlenden Schul- und Ausbildungsabschluss. Doch auch hier gilt: Wer sich bemüht und gewillt ist, findet eine Stelle.

Wer will, kann auch erst jetzt eine Ausbildung aufnehmen

„Für jede vierte angebotene Ausbildungsstelle werden noch Bewerber gesucht“, sagt die Chefin der Agentur in Bad Oldesloe, Kathleen Wieczorek. Im Jahresverlauf seien von Unternehmen 1606 Ausbildungsplätze gemeldet worden, für die es bis Ende August 871 Bewerber gegeben habe. Als unversorgt galten Ende September 154 Kandidaten. Es gebe keinen Grund, bei den Bemühungen nachzulassen. Selbst jetzt sei es möglich, eine Ausbildung aufzunehmen. Fakt sei auch, dass die Azubi- und auch Arbeitnehmersuche ein hart umkämpfter Markt sei. „Die Arbeitgeber überbieten sich mit immer mehr Benefits wie kostenfreien Obstkisten oder freien Getränken. So etwas stand vor zehn Jahren noch nicht in den Stellenanzeigen“, sagt Hahn.

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