Wentorf

Preisgekröntes Literaturtalent

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Undine Gerullis
Pauline Behrendt sitzt mit ihrem druckfrischen Buch im Bergedorfer Schlosspark.

Pauline Behrendt sitzt mit ihrem druckfrischen Buch im Bergedorfer Schlosspark.

Foto: Undine Gerullis

Deutschlands beste Jungslammerin Pauline Behrendt erhält den mit 2000 Euro dotierten Nachwuchspreis der Thomas-Mann-Gesellschaft.

Wentorf. Wege, mit starken Gefühlen wie Wut oder Ärger umzugehen, gibt es viele. Die einen greifen zu Schokolade, andere joggen eine Runde, Paulina Behrendt schreibt. „Gefühle auf Papier bringen oder auch ganz unromantisch ins Handy tippen“, nennt die 20-Jährige das. „Je kürzer und prägnanter die Zeilen, desto intensiver ist das Gefühl“, sagt die junge Autorin. Die Hamburgerin, die in Wentorf aufgewachsen ist, findet so treffsicher die richtigen Worte, dass sie schon mehrfach ausgezeichnet wurde. Aktuell ist sie die beste deutschsprachige Poetry-Slammerin in der Altersklasse der unter 20-Jährigen.

Am vergangenen Wochenende kam eine zweite Auszeichnung dazu: Die Thomas-Mann-Gesellschaft Hamburg zeichnete Paulina Behrendt für ihre Kurzgeschichte „Von Mohnblumenrot und Marienkäferhaut“ aus. Der Preis wird in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben und wurde ihr im Museum für hamburgische Geschichte am Holstenwall überreicht. Er ist mit 2000 Euro dotiert und will Nachwuchsliteraten fördern.

Über Pferde schreibt sie längst nicht mehr, über Freundschaft schon

Jung ist Paulina Behrendt in jedem Fall. Ihre ersten Gedichte über mädchentypische Themen wie Pferde und Freundschaft entstanden mit 13 Jahren. Über Pferde schreibt sie längst nicht mehr, über Freundschaft schon. „Die Unverbindlichkeit meiner Generation, das Aufschieben von Entscheidungen, sich immer alles offen halten bis zum Schluss, ist ein Thema, das mich umtreibt“, sagt Paulina Behrendt.

Um die Freundschaft zwischen einer Lehrerin und einer Schülerin geht es auch in ihrer preisgekrönten Kurzgeschichte, die eigentlich keine Kurzgeschichte ist, sondern das erste Kapitel ihres fertigen Romans, der in ihrer Schublade liegt. Sie behandelt das Thema „Wendepunkte“ und erzählt davon, wie eine gelangweilte und uninteressierte Schülerin eine innere Wendung hinlegt, als eine junge engagierte Lehrerin neu in die Klasse kommt.

Als Autorin der leisen Töne einen Namen gemacht

„Der Text entstand kurz nach meinem Abitur am Gymnasium Wentorf. Ich stand da selbst vor einer Wendung und vor der Frage, wie es weitergehen soll.“ Paulina Behrendt musste sich zwischen Medizin oder Literatur entscheiden. Heute studiert sie im fünften Semester Medizin an der Hamburger Universität, fühlt sich super aufgehoben und schreibt nebenbei.

Die Texte trägt die junge Frau inzwischen vor Publikum auf großen Hamburger Bühnen wie im Schauspielhaus, Ernst-Deutsch-Theater oder in der Elbphilharmonie vor. Als Autorin der leisen Töne und genaue Beobachterin von Zwischenmenschlichem hat sie sich einen Namen gemacht.

„Ich freue mich, wenn meine Worte etwas Bleibendes hinterlassen“

Selbst noch nicht lange der Schule entwachsen, analysieren Schüler im Deutschunterricht sogar schon ihre Texte wie das Gedicht „Strebertext“. Wenn sie dann gefragt wird, warum sie dieses oder jenes literarische Mittel verwendet hat, muss sie herzhaft lachen. „Ich bin doch nicht Goethe. Darüber mache ich mir keine Gedanken. Ich schreibe und freue mich, wenn meine Worte bei Lesern und Zuhörern etwas Bleibendes hinterlassen.“

Und das tun sie. Stolz zeigt sie ihr erstes Buch „Heiße Milch mit Honig“, das sie druckfrisch in den Händen hält. Es ist vor zwei Wochen erschienen und überall im Buchhandel erhältlich. Es enthält eine Sammlung ihrer besten Texte.

Paulina Behrendt hat schon Poetisches über neue Käsetheken geschrieben

„Das eigene Buch signieren zu dürfen, ist ein tolles Gefühl“, sagt die junge Autorin. Offen gibt sie zu, dass ihr großer Traum immer noch sei, mit Schreiben ihren Lebensunterhalt bestreiten zu können.

In gewisser Weise ist sie da schon auf einem guten Weg. Denn Poetry Slam ist angesagt, entdecken große Unternehmen die schnelle, auf den Punkt gebrachte Literaturform und vergeben gut bezahlte Aufträge an junge Slammer. Die Themen sind vielseitig. So hat Paulina Behrendt beispielsweise schon Poetisches über neue Käsetheken einer großen Supermarktkette verfasst. „Das war herausfordernd aber keineswegs unmöglich“, sagt sie. Sie musste sich ein wenig hineindenken und dann kamen die Worte von ganz allein.

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