Schulaktion

Gurken und Radieschen für hungrige Kinder

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Undine Gerullis
Die Vierländer Gemüsehändlerin Sabine Behns (l.) unterstützt die Brotdosenaktion von Kirsten Bähr, Vorsitzende des Schulvereins der Klosterbergenschule. Die Brotdosen werden an bedürftige Kinder oder diejenigen, die ihre Frühstückspause einfachen vergessen haben, verteilt.

Die Vierländer Gemüsehändlerin Sabine Behns (l.) unterstützt die Brotdosenaktion von Kirsten Bähr, Vorsitzende des Schulvereins der Klosterbergenschule. Die Brotdosen werden an bedürftige Kinder oder diejenigen, die ihre Frühstückspause einfachen vergessen haben, verteilt.

Foto: Undine Gerullis

Schulverein sorgt für gesund gefüllte Brotdosen an der Grundschule Klosterbergen.Ddenn manches Kind kommt mit knurrendem Magen.

Reinbek. Kohlrabi, Gurke, Mairübchen – Kirsten Bähr strahlt, als ihr die Vierländer Gemüsehändlerin Sabine Behns auf dem Wochenmarkt die volle Kiste in die Hand drückt. „Damit können viele Brotdosen bestückt werden, werden hungrige Bäuche satt“, freut sich Bähr, Vorsitzende des Schulvereins der Grundschule Klosterbergen. Denn täglich kommen bis zu zwölf von insgesamt 260 Eins- bis Viertklässler ohne ein gesundes Frühstück in die Schule – entweder, weil die Kinder sie in der Eile stehen gelassen haben oder ihre Eltern sie gar nicht gepackt haben.

„Das ist ein Problem, dass es schon immer gab und wahrscheinlich immer geben wird. Die Gründe dafür sind vielfältig“, sagt Katrin Rabe, Schulleiterin der Grundschule Klosterbergen. Fakt aber sei, dass es sich mit leerem Magen schlecht lerne, die Kinder unkonzentriert und unruhig seien. Das habe Auswirkungen auf die gesamte Klasse. „Und es macht einfach traurig, anderen beim Essen zuzusehen, wenn der eigene Magen knurrt“, weiß Kirsten Bähr, selbst Mutter einer Tochter.

Alle Beteiligten einig und arbeiteten Hand in Hand an einer Lösung

Dass da Abhilfe geschaffen werden muss, da waren sich alle Beteiligten einig und arbeiteten Hand in Hand an einer Lösung. Seit drei Wochen füllt nun eine Mitarbeiterin des Vereins Betreuungsinsel, der verantwortlich für den Mensabetrieb ist, täglich die Dosen mit Brotschnitten sowie Obst und Gemüse. Ersteres wird täglich frisch gekauft, erhält der Schulverein bei der Bäckerei Zimmer Rabatt. Das Obst und Gemüse spenden Markthändler, holt Kirsten Bähr zum Marktschluss die Gurken und Paprika, Äpfel und Bananen ab und stellt eine Spendenquittung aus. „Es ist ein gutes Gefühl, helfen zu können“, freut sich Gemüsehändlerin Sabine Behns. Beim Zusammenstellen der Gemüsekiste achtet die zweifache Mutter auf kindgerechte Gemüsesorten wie Rübchen, Paprika und Gurke. „Tomaten essen Kinder ja nicht so gern“, weiß sie aus eigener Erfahrung. Das kann Kirsten Bähr bestätigen. Ihre eigene Tochter ist jetzt erst mit neun Jahren auf den Geschmack gekommen. Sie wisse aber auch, dass Kinder in der Kita oder Schule Dinge essen, die sie zu Hause liegen lassen.

Die Erdbeeren, Pflaumen und Pfirsiche von Obsthändler Cem Kurnaz, werden schnell weg sein, da ist sie sich sicher. Der Hamburger und Inhaber von Crazy Fruits hat sofort Ja gesagt, als er um Sachspenden gebeten wurde: „Ich habe selbst vier Kinder, weiß, was dahintersteckt und was Kinder gern essen. Was man hat, sollte man teilen“, sagt Kurnaz, der zudem noch die Hamburger Tafel unterstützt.

Die Hilfsbereitschaft der Händler ist groß

Mit der Ausbeute an diesem Sonnabend ist Kirsten Bähr sehr zufrieden: jeweils zwei volle Kisten und Tüten lädt sie in den Kofferraum ihres Autos und braucht beim Tragen Hilfe. Montagmorgen zum Schulbeginn gibt sie sie in die Schule ab. Die Hilfsbereitschaft der Händler ist groß und hat Bähr überrascht – an vier Ständen holt sie sonnabends, an zwei mittwochs volle Tüten und Kisten ab. „Bislang haben die Spenden immer gereicht“, sagt die 41-jährige Reinbekerin. Manchmal blieb sogar etwas übrig. Das wird dann nicht weggeschmissen, sondern wird an die anderen Kinder in den Klassen verteilt.“

Offen gibt Bähr zu, dass im Vorfeld die Sorge bestand, dass die lecker gefühlten Frühstücksdosen Begehrlichkeiten bei den anderen Kindern wecken und diese absichtlich ihre zu Hause stehen lassen könnten. Diese Sorge stellte sich als unbegründet heraus, die Anzahl der zu befühlenden Dosen ist seit Wochen gleich.

Hoffnung, dass Eltern ihren Kindern künftig selbst ein Frühstück einpacken

Erst einmal bis Ende des Jahres soll die Aktion laufen, in der Hoffnung, dass Eltern das Einpacken der Frühstückspause für ihre Kinder selbst in die Hand nehmen. „Ob es dann weiter geht, entscheiden wir später“, sagt Bähr, die das Angebot eines gesundes Frühstücks gern allen Kindern machen möchte. „Dafür fehlen uns momentan aber die Kapazitäten“, sagt sie und freut sich über helfende Hände.

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