Reinbek

Der Professor, der mal für eine Behandlung „entführt“ wurde

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Imke Kuhlmann
Prof. Dr. Christian Jürgens genießt einen exzellenten Ruf. Wegen ihm kommen auch Patienten aus dem Ausland nach Reinbek.

Prof. Dr. Christian Jürgens genießt einen exzellenten Ruf. Wegen ihm kommen auch Patienten aus dem Ausland nach Reinbek.

Foto: Imke Kuhlmann / HA

Ruhestand ist für den Orthopäden Christian Jürgens (70) aus dem Reinbeker St.-Adolf-Stift kein Thema. Er will sein Wissen weitergeben.

Reinbek.  Seit Ende vergangenen Jahres arbeitet Professor Dr. Christian Jürgens im Reinbeker Krankenhaus St.- Adolf-Stift. Eigentlich könnte der 70-Jährige schon längst seinen Ruhestand genießen, doch das ist nichts für den Mediziner, der einen internationalen Ruf genießt und weltweit sein Wissen weiterträgt. „Wissen nützt nur, wenn wir es weitergeben“, sagt Jürgens.

20 Jahre lang war der Orthopäde und Unfallchirurg ärztlicher Direktor am Berufsgenossenschaftlichen Klinikum Boberg, außerdem Lehrstuhlinhaber für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein Lübeck. Als Referent ist er weltweit begehrt.

Orthopäde wurde „entführt“, um Politiker zu behandeln

So wurde er im Jahr 2007 nach Afrika eingeladen, um in Abuja (Nigeria) einen Vortrag zu halten. „Mittendrin gab es Unruhe im Auditorium. Menschen mit Maschinenpistolen kamen auf mich zu und forderten mich auf, mitzukommen“, berichtet er. Ein Freund, der ihn begleitete, kommentierte die Situation: „Da sollten wir lieber mitgehen“. Mit drei Pick-ups, auf jedem saßen auch drei schwerbewaffnete Personen, ging es zu einem großen Anwesen. „Das Gebäude glich einer Festung“, so der Mediziner.

Als die Türen sich öffneten, erwartete ihn ein prächtiges Buffet. Doch Jürgens wollte nun wissen, was es mit der „Entführung“ auf sich habe und die Antwort kam dann prompt. Der heutige Staatspräsident und damalige Oppositionsführer Nigerias Muhammadu Buhari hatte Rückenprobleme. Jürgens untersuchte ihn und schaffte schnell Abhilfe. „Angst hatte ich keine, aber besorgt war ich schon, was passieren würde“, sagt er.

Der Orthopäde und Unfallchirurg ist Spezialist für Sonderfälle

Besonders betroffen gemacht hat ihn sein Einsatz im Iran. „Viele Patienten hatten dort unter den Folgen des Krieges zu leiden. Vor allem Probleme mit Gelenken, die den Bewegungsapparat behindern“, erzählt er. Jürgens ist glücklich, wenn er den Menschen helfen kann und ihnen auch ein Stück Lebensqualität zurückgeben kann, weil sie ihre Gelenke nach seiner Behandlung wieder benutzen können.

Der Orthopäde und Unfallchirurg ist Spezialist für Sonderfälle, wenn beispielsweise ein Bruch nicht richtig zusammen wächst oder Fehlstellungen auftreten. Von 2013 bis zum Jahr 2020 stand er auf der Focus-Liste der Top Ärzte. Wenn ein Fall besondere Herausforderungen mit sich bringt, kommt Jürgens ins Spiel. Im Adolf-Stift hat er allerdings noch mehr vor, als die Spezialistenrolle zu übernehmen. So möchte er gemeinsam mit einem Team das lokale Traumazentrum zu einem regionalen Traumazentrum ausbauen, womit sich das Krankenhaus Reinbek für besonders Schwerverletzte qualifiziert.

Neue Aufgaben haben Jürgens immer gereizt

Für den Mediziner ist es immer ein besonderer Reiz, sich neuen Aufgaben zu stellen. Genau das hat ihn dazu bewogen, trotz seines Ruhestands die Hände nicht in den Schoß zu legen. Sein neuer Arbeitgeber lässt ihm freie Hand in der Gestaltung seines Arbeitsplatzes. Und so kann Jürgens noch ausreichend Zeit mit seiner Ehefrau Susan und dem Jagdhund Othello auf seiner Lieblingsinsel Mallorca verbringen.

Auch international wird er weiter aktiv sein. Nicht nur mit Vorträgen, Patienten lassen ihn einfliegen oder kommen seinetwegen nach Reinbek. Und trotz seines großen Erfolgs ist Prof. Jürgens bescheiden und ein echter Teamplayer. „Ich bin dankbar für meinen Weg, doch ohne die vielen Menschen, die mich begleitet und unterstützt haben, hätte ich es nie geschafft“, sagt er. In der Medizin funktioniere eben nichts ohne ein gutes Team.

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