Hotelgewerbe

Mit Kreativität durch die Krise gekommen

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Susanne Tamm
Jörg Dassau leitete das Sachsenwald Hotel Reinbek seit fünf Jahren.

Jörg Dassau leitete das Sachsenwald Hotel Reinbek seit fünf Jahren.

Foto: Susanne Tamm

Das Sachsenwald Hotel Reinbek mit Tagungsgeschäft hat während der Pandemie sogar neue Mieter für seine Veranstaltungsräume gewonnen.

Reinbek. Während der pandemiebedingten Schließungen hatten Gastronomie und Hotellerie arg zu kämpfen. Jörg Dassau und sein Team erfüllen nicht nur die vorgeschriebenen Hygienevorschriften, sie gehen sogar noch darüber hinaus. Der Direktor des Sachsenwald Hotels Reinbek hat sein Haus mit 64 Zimmern für bis zu 118 Gäste samt Tagungsgeschäft gemeinsam mit seinen 18 Mitarbeitern durch die Corona-Krise gesteuert und sieht es auch für die nahe Zukunft gut aufgestellt – obschon einige Firmen nach der Pandemie verstärkt auf Online-Tagungen setzen.

„Corona hat uns sehr gefordert. Wir mussten organisatorische Abläufe und Konzepte komplett neu gestalten. Das war natürlich angesichts der monatlich neuen Entscheidungen der Politik nicht so einfach“, berichtet der 52-Jährige. „Wir haben frühzeitig ein Hygienekonzept erstellt und es zur Beurteilung nach Kiel geschickt“, erzählt der Hotelleiter, der von 1986 bis 1989 im Reinbeker Vier-Sterne-Haus eine Ausbildung zum Koch absolviert hat und nach einem Ausflug ins Marketing und mehr als zwei Jahrzehnten als Hoteldirektor vor fünf Jahren an seine Ausbildungsstätte in Reinbek zurückgekehrt ist. „Dabei geht es uns sowohl um den Schutz unserer Gäste als auch um den unserer Mitarbeitenden.“

Unter gewöhnlichen Umständen wäre 2020 „sensationell“ geworden

Das Jahr 2020 wäre unter gewöhnlichen Umständen für das Sachsenwald Hotel Reinbek „sensationell“ geworden, sagt Jörg Dassau. Denn die sieben Veranstaltungsräume seien bereits sehr gut im Voraus gebucht worden. Zum Sachsenwald Hotel Reinbek gehören Räume von 20 bis zu 420 Quadratmetern Veranstaltungsfläche. Darunter der größte Saal, der Holsteinsaal samt Bühne, das Foyer. Dann kam die Pandemie. Die Zahl der Übernachtungen brach um fast 50 Prozent ein. „Allein durch die ausgefallenen Musicals fehlen uns zehn bis 15 Prozent der Übernachtungen vor allem an den Wochenenden und während der Ferien“, sagt der Direktor.

„Wir mussten kreativ werden und haben uns gefragt: ,Wer könnte uns denn noch benötigen?’“, erzählt der Leiter des Tagungshotels. Seine Mitarbeiterinnen und er haben sich ans Telefon gehängt: Alle habe man angesprochen – die Stadt Reinbek, das Amtsgericht, die Schulen der Umgebung ebenso wie Firmen, die sich sonst Hotels in Bergedorf für ihre Geschäftsreisenden gebucht hätten. „Dass einige Bergedorfer Häuser geschlossen waren, hat uns tatsächlich in die Karten gespielt“, verrät der Hotelleiter.

Auch Reinbeker Schulen haben auf angebotene Krisenpreise zugegriffen

Die Mühen haben gefruchtet: „Wir haben einige dieser Firmen als Kunden gewinnen können“, sagt Jörg Dassau. „Ohne das Team hätte das sicher nicht so gut funktioniert.“ Die Stadt habe den Saal für ihre politischen Sitzungen, das Amtsgericht für Prozesse und Versteigerungen gebucht. Auch Reinbeker Schulen hätten für ihre Klausuren auf angebotene „Krisenpreise“ zugegriffen. Die mag der Direktor nicht nennen. Er sagt dazu nur: „Wir wollten einerseits helfen, andererseits unsere laufenden Kosten decken.“ Jeder Mieter der Räume müsse die Hausordnung mit den Hygienestandards unterschreiben und diese auch umsetzen.

Das Hygienekonzept des Hauses sieht nicht nur die allgemeine Maskenpflicht, die drei bekannten „Gs“ (Getestete, Geimpfte und Genesene) sowie 1,5 Meter Mindestabstand vor. „Wir haben in unserem Gastraum die Stühle entfernt, damit wir einen noch größeren Abstand wahren können“, sagt Jörg Dassau. „Wir sind streng: Im Aufzug darf sich zurzeit nur eine Person aufhalten, die dort auch Maske tragen muss.“ Auch die bedruckten Sets als Speisekarten seien ungewöhnlich für ein Vier-Sterne-Haus, aber hygienischer als herkömmliche.

Weniger Müll, weniger Lebensmittel, die weggeworfen werden

Beim Frühstück habe man zuerst auf den reinen Zimmerservice gesetzt. Mittlerweile wurde der einstige Pub als Büffet-Raum mit Einbahnstraßenregelung umgebaut, in dem sich bis zu drei Gäste bedienen dürfen. Salate, Konfitüren, Müsli und Ähnliches können sich die Gäste nun portionsweise in kleinen Weckgläsern an den Tisch mitnehmen. „Wir haben die Zeit genutzt und an unserer Auswahl gefeilt. Jetzt produzieren wir weniger Müll und müssen auch weniger Lebensmittel wegwerfen.“

Alles dauere etwas länger, aber die Gäste fühlten sich sicher. Die Kontrollen durch die Behörden seien „super“ gelaufen. „Wir wurden sehr gut von ihnen beraten und haben gefragt: ,Was können wir noch tun?’ Denn es ist immer besser, vorbereitet zu sein“, ist der Hotelleiter sicher.

Testpflicht und Maskenpflicht nie infrage gestellt

Auch als die Inzidenz in Schleswig-Holstein gegen Null gegangen sei, habe man die Testpflicht und die Maskenpflicht nie infrage gestellt. „Wie jeder andere hoffe ich, dass es keinen weiteren Lockdown gibt“, sagt Dassau. Trotz der künftig stärker digitalen Ausrichtung vieler Firmen, ist er „felsenfest überzeugt“, dass Vertriebstagungen und Schulungen auch weiter analog und persönlich laufen müssen. „Es ist klar, dass der Markt stärker umkämpft sein wird“, stellt er fest. „Aber das sehe ich als positive Herausforderung.“

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