Reinbek

Das Hoffen auf bezahlbaren Wohnraum im Holzvogtland

| Lesedauer: 4 Minuten
Ann-Kathrin Schweers
Das Holzvogtland aus der Luft betrachtet. Das Foto wurde mit einer Drohne aufgenommen. Die 5,3 Hektar große Fläche (viereckiger Acker rechts oben) am Kampsredder ist aktuell die einzige, die unter Auflagen bebaut werden dürfte.

Das Holzvogtland aus der Luft betrachtet. Das Foto wurde mit einer Drohne aufgenommen. Die 5,3 Hektar große Fläche (viereckiger Acker rechts oben) am Kampsredder ist aktuell die einzige, die unter Auflagen bebaut werden dürfte.

Foto: Alexander Harder / Markus Linden/Grüne Reinbek

Die Debatte um die Bebauung des Areals bewegt viele Menschen. Investoren wollen sich von Bürgerinitiative nicht beirren lassen.

Reinbek. Kaum eine Debatte bewegt Reinbek gerade wie jene um die Bebauung des Holzvogtlandes. Auf der einen Seite stehen die Investoren des Unternehmens Wohnbauer GmbH, auf der anderen die Bürgerinitiative (BI), die das Projekt gänzlich verhindern will. Wie berichtet, strebt die BI nun ein Bürgerbegehren für Mai kommenden Jahres an.

Und dann gibt es da noch Menschen wie Thomas Thon (38), die sich seit Jahren nichts sehnlicher wünschen, als endlich wieder zurück in ihre Heimat Reinbek ziehen zu können. Die Planungen für ein Neubaugebiet südlich des Kampsredders stimmen ihn hoffnungsvoll, auch wenn der Wunsch sicher privilegiert sei. „Ich weiß natürlich gar nicht, ob wir überhaupt ein Grundstück bekommen würden“, sagt der Vater zweier Kinder.

Ein Vorhaben: Bezahlbaren Wohnraum im Holzvogtland schaffen

Seine Mutter wohnt noch heute in der Stadt im Grünen, und auch Freunde, mit denen der 38-Jährige damals das Gymnasium Sachsenwaldschule besuchte. Heute lebt Thomas Thon mit seiner Frau und zwei Kindern (2 und 7 Jahre) im Norden Hamburgs. „Seit 10 Jahren suchen wir bereits in Reinbek“, erklärt Thomas Thon. „Aber das Angebot ist mäßig. Es werden beispielsweise Reihenhäuser für 5000 Euro pro Quadratmeter angeboten, und die sind dann auch noch sanierungsbedürftig.“

Und wenn dann mal ein Grundstück frei sei, dann würden fünf Fertighausbauer sich darauf stürzen und der Verkauf sei innerhalb von 24 Stunden abgewickelt. Finanzschwache würden so aus der Stadt vertrieben und Reinbeker, die es zum Studium oder für den Job nach Hamburg gezogen hat, werde es nahezu unmöglich gemacht, zurückzukehren.

Thomas Thon sei grundsätzlich ein Fan von Bürgerinitiativen und -beteiligungen. Er sagt: „Sie können auch Motor für Innovation und Kompromisse sein und Win-Win-Situationen aufzeigen.“ Jene zur Bebauung des Holzvogtlandes scheint ihm jedoch rabiat und ergebnisgeschlossen, die Fronten seien verhärtet. „Die Bürgerinitiative bezieht sich stark auf das Thema Umwelt. Das finde ich gut. Auch meiner Frau und mir ist die Umwelt natürlich sehr wichtig. Gerade deshalb ist es doch toll, dass es regionale Investoren gibt, die sich da reinhängen und ein überzeugendes Umweltkonzept zur Verfügung stellen. Es geht ja auch nicht um eine Bebauung des gesamten Holzvogtlandes, sondern nur um einen Teil am Kampsredder“, meint Thomas Thon.

Wohnbauer stehen mit 300 bis 400 Interessierten in Kontakt

Nun zittert die Familie ob des geplanten Bürgerentscheids: „Das könnte die Chance auf einen schönen – und in diesen Zeiten vermutlich bezahlbaren – Wohnraum verblassen lassen“, sagt Thomas Thon. „Dabei finde ich das Konzept der Wohnbauer in sich schlüssig. Dass eine Kita entstehen soll, ist toll, auch ein Café und ein Bürgerhaus finden wir schön. Außerdem die guten Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe und die Anbindung. Generell ist die Kleinstadtkultur in Reinbek einzigartig. Die Stadt ist weltoffen und freundlich, aber trotzdem strukturiert.“

Die Investoren Kai Dusenschön und Janno Krieger der Wohnbauer GmbH lassen sich nicht beirren. Der Reinbeker Kai Dusenschön erklärt: „Wir machen unser Ding weiter. Denn wir sind überzeugt, dass es einen Bedarf gibt, stehen mit 300 bis 400 Menschen in Kontakt.“ Schön wäre es, so Dusenschön, wenn auch diese Menschen Initiative ergreifen würden, sich etwa in den Sitzungen des Bauausschusses zu Wort melden. Aktuell entstehe der Eindruck, die Projektgegner seien in der Überzahl.

Es gibt Vor- und Nachteile für die Stadt Reinbek

Indes seien er und Janno Krieger immer gesprächsbereit für alle Parteien. „Einschnitte sind immer normal bei einem Neubaugebiet. Da wollen wir uns nichts vormachen. Es gibt Vor- und Nachteile für die Stadt Reinbek. Aber die Vorteile überwiegen und die politische Mehrheit ist da. Wir wollen zudem alles versuchen, was geht, und versprechen keine Dinge, die wir nicht durchbringen können.“ Die Wohnbauer sind zuversichtlich, mit ihrem Konzept überzeugen zu können.

Pro Bürgerbegehren ist Redakteurin Susanne Tamm. Ihr Kommentar "Begehren ist nur legitim" können Sie hier lesen.

Contra Bürgerbegehren ist Redakteur René Soukup. Sein Kommentar "Es geht oft nur um den Blick" können Sie hier lesen.

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