Corona-Patienten

Adolf-Stift hat deutlich jüngere Patienten in dritter Welle

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Ann-Kathrin Schweers
Oliver Benn am Eingang des neuen Bürger-Testzentrums des St.-Adolf-Stifts im Waldhaus Reinbek. Der Stationsleiter nimmt gemeinsam mit weiteren Pflegekräften ohne Voranmeldung montags bis freitags von 7 bis 12 Uhr im Schutzanzug die Schnelltests vor.

Oliver Benn am Eingang des neuen Bürger-Testzentrums des St.-Adolf-Stifts im Waldhaus Reinbek. Der Stationsleiter nimmt gemeinsam mit weiteren Pflegekräften ohne Voranmeldung montags bis freitags von 7 bis 12 Uhr im Schutzanzug die Schnelltests vor.

Foto: St.-Adolf-Stift / BGZ

Drei Covid-19-Patienten in Reinbeker Klinik auf Intensivstation. Zahl „auf niedrigem Niveau stabil“. 75 Prozent des Personals geimpft.

Reinbek. 574 der derzeit 751 bereitzustellenden Intensivbetten waren laut dem Divi-Intensivregister am Mittwoch in Schleswig-Holstein belegt. 49 davon durch Covid-19-Patienten. Im Reinbeker St.-Adolf-Stift ist die Corona-Patientenanzahl „auf vergleichsweise niedrigem Niveau stabil“, erklärt Klinik-Sprecherin Andrea Schulz-Colberg auf Nachfrage. Dafür sinkt der Altersdurchschnitt auf der Covid-Station des Hauses. Die voranschreitenden Impfung der Älteren mache sich bemerkbar.

Am Mittwoch wurden in der Reinbeker Klinik 13 Covid-Patienten behandelt, davon zehn auf der Isolierstation und drei auf der Intensivstation. Zwei Patienten der Intensivstation werden beatmet, eine Person davon per Atemmaske und eine per Intubation, also per Schlauch in der Luftröhre. Der dritten Person gehe es bereits besser, so Schulz-Colberg. Sie werde auf die normale Covid-Station verlegt.

Zahl der Corona-Patienten im St.-Adolf-Stift „stabil“, aber deutlich jünger

„Unabhängig von Corona versorgen wir gerade viele intensivpflichtige Patienten, zum Beispiel jene, die an einer Lungenentzündung leiden oder nach einer chirurgischen OP“, sagt Schulz-Colberg. Durch das flexible Ansetzen oder Verschieben von Operationen, die aufgrund der Komplexität im Anschluss für ein bis zwei Tage einen Aufenthalt auf der Intensivstation nötig machten, könne die Klinik die Auslastung auf der Intensivstation steuern.

Durch die vergleichsweise geringen Covid-Patienten im Haus wird derzeit nur eine Bettenstation als Isolierstation betrieben. Anfang Januar dieses Jahres war das noch anders: „Wir haben 42 Covid-Patienten plus Verdachtsfälle auf drei Isolierstationen behandelt“, benennt Schulz-Colberg die Spitzenwerte.

Altersdurchschnitt der Covid-Patienten sinkt von 72 auf 49 Jahre

Eine Erklärung dafür sieht sie darin, dass derzeit insgesamt weniger hochbetagte Menschen behandelt werden müssen. „Vermutlich, weil die Menschen, bei denen ein schwerer Verlauf zu erwarten wäre, bereits geimpft sind. Viele unserer Patienten kamen im letzten Jahr aus Pflegeheimen“, so Schulz-Colberg. Da diese nun geschützt seien, hätten sie meist milde Verläufe, benötigten keine Krankenhausbehandlung.

Die Kehrseite: Der Altersdurchschnitt der Covid-Patienten in der Klinik sinkt. Schulz-Colberg berichtet: „Auf unserer Intensivstation lag der Altersdurchschnitt der Covid-Patienten bei 72 Jahren, aktuell ist er bei 49 Jahren.“ Infolgedessen steige auch die mentale Belastung für die Mitarbeitenden. Die vergleichsweise jungen Covid-Patienten würden bei schweren Verläufen im schlimmsten Fall mitten aus dem Leben gerissen werden.

Warten auf Ersatzimpfstoff für das Astrazeneca-Vakzin

Indes ist die Klinik sehr zufrieden mit der Impfquote im Haus. „Es sind bereits rund 75 Prozent der 1100 Mitarbeitenden zumindest einmal geimpft. Die Mehrheit schon zweimal“, sagt Schulz-Colberg. Als eines der ersten Krankenhäuser in Schleswig-Holstein startete das Adolf-Stift im Dezember mit der Impfkampagne. 467 Beschäftigte aus besonders sensiblen oder belasteten Bereichen sind bereits zum zweiten Mal mit dem Vakzin von Biontech/Pfizer geimpft.

„Rund 300 Mitarbeitende haben ihre Erstimpfung bei uns zentral im März mit Astrazeneca erhalten, ein Großteil nach dem Moratorium“, sagt Schulz-Colberg.

Für Anfang Juni steht eine Reihe von Zweitimpfungen im Krankenhaus an

Weil das Paul-Ehrlich-Institut und die Stiko die Empfehlung für Astrazeneca geändert haben und die Mitarbeitenden in der Regel unter 60 Jahre alt sind, wartet das Adolf-Stift für diese Gruppe auf neuen Impfstoff. Die im Haus vorhandenen Impfdosen von Astrazeneca gehen laut Kliniksprecherin nach Rücksprache mit dem Gesundheitsministerium in ein Impfzentrum.

Für Anfang Juni steht eine Reihe von Zweitimpfungen im Krankenhaus an. Welcher Impfstoff dann durch das Land zur Verfügung gestellt wird, muss sich zeigen. Seit der Änderung der Empfehlung für Astrazeneca stellt die Reinbeker Klinik ihren Mitarbeitenden auch Bescheinigungen für Impfzentren aus. Dort erhält das medizinische Personal aktuell die Vakzine von Biontech oder Moderna.

Testzentrum im Waldhaus gut besucht, Terminvergabe dort nicht nötig

Nebenan im Waldhaus bietet das Adolf-Stift seit Ende März ein Testzentrum. Dort werden täglich 80 bis 140 Bürger kostenlos getestet. Die Testungen können ohne Anmeldung montags bis freitags von 7 bis 12 Uhr durchgeführt werden. In den vergangenen Tagen hätten unzählige Menschen versucht, beim Adolf-Stift einen Termin auszumachen, und somit die Telefonleitungen für Patienten und Angehörige blockiert.

Sinnvoll sei es, vorab die Einverständniserklärung zum Test von der Internetseite der Klinik herunterzuladen und ausgefüllt mitzubringen. „Aber vor Ort kann auch alles geklärt werden, solange ein gültiger Lichtbildausweis mitgebracht wird“, sagt Schulz-Colberg. Es werde überlegt, die Zeiten des Testzentrums zu erweitern.

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