Prozess

Falsche Polizisten: So kamen Ermittler ihnen auf die Spur

| Lesedauer: 3 Minuten
Die Angeklagten sitzen neben ihren Anwälten im Verhandlungssaal des Lübecker Landgerichts und verdecken ihre Gesichter mit Aktenordnern. 

Die Angeklagten sitzen neben ihren Anwälten im Verhandlungssaal des Lübecker Landgerichts und verdecken ihre Gesichter mit Aktenordnern. 

Foto: Filip Schwen

Zwei Männer sollen Senioren betrogen haben. LKA-Beamter sagt beim Prozess vor dem Landgericht in Lübeck aus.

Lübeck/Barsbüttel.  Am dritten Verhandlungstag im Prozess vor dem Landgericht Lübeck gegen zwei Männer, die als Teil einer Bande Senioren betrogen haben sollen, hat ein Ermittler des Landeskriminalamtes (LKA) erläutert, wie sie den Kriminellen auf die Spur gekommen waren. Die Staatsanwaltschaft wirft Cihan M. und Aziz U. (Namen geändert) vor, Teil einer Gruppe gewesen zu sein, die sich als Polizisten ausgegeben habe, um Senioren dazu zu bringen, ihnen ihr Erspartes auszuhändigen (Az.: 704 Js 13880/20).

Zwischen Januar und April des vergangenen Jahres sollen die Männer mindestens elfmal im Hamburger Umland zugeschlagen und rund 58.000 Euro erbeutet haben. Unter den Opfern ist auch eine 81 Jahre alte Frau aus Barsbüttel, die den Kriminellen ihr gesamtes Erspartes in Höhe von 7000 Euro übergeben hatte.

Funkzellendaten werden ausgewertet

Den Angeklagten im Alter von 26 und 23 Jahren soll dabei laut Staatsanwaltschaft die Aufgabe zugefallen sein, das Geld, das die Opfer im Glauben, es an die Polizei zu übergeben, an einem vereinbarten Ort deponiert hatten, abzuholen und an Auftraggeber in der Türkei zu transferieren. Neben den beiden Angeklagten soll ein weiterer Mann beteiligt gewesen sein, der bereits zu einer Haftstrafe verurteilt wurde. Darüber hinaus geht die Anklagebehörde von weiteren unbekannten Tätern aus.

„Entscheidend bei den Ermittlungen war die Auswertung von Funkzellendaten“, sagte der LKA-Beamte am Freitag vor Gericht. Bei dem Verfahren analysieren die Ermittler für Mobilfunkmasten in der Nähe, welche Geräte sich dort eingewählt haben und wann es zwischen welchen Handys Telefonate gab. „Solche Banden sind während der Taten auf eine ständige Kommunikation angewiesen, um sich abzustimmen“, so der Kriminalbeamte.

Fantasienummern werden mittels Computer generiert

Innerhalb der kriminellen Gruppen gebe es in der Regel drei Ebenen. „Zum einen das Callcenter, in diesem Fall in der Türkei, das potenzielle Opfer aussucht und anschließend die manipulativen Anrufe tätigt.“ Dann gebe es die Abholer, die zu den Wohnadressen der Betrugsopfer geschickt würden, um die Beute einzusammeln. „Dazwischen geschaltet ist meist ein Logistiker, der die Abholer rekrutiert und das Geld am Ende an die Auftraggeber transferiert“, so der LKA-Ermittler. In diesem Fall sei Cihan M. letztere Funktion zugefallen, während Aziz U. und der bereits verurteilte Mann die Abholer gewesen seien.

„Meist lassen sich die Nummern, von denen die Opfer aus kontaktiert wurden, nicht zurückverfolgen, weil es sich um Fantasienummern handelt, die mittels eines speziellen Computerprogrammes generiert werden“, erklärte der Ermittler. Auswerten lasse sich aber die Kommunikation der Kriminellen untereinander, denn ein Mobiltelefon wähle sich für jeden Anruf und jede SMS in einen nahe gelegenen Funkmast ein.

Telefonate wurden abgehört

Während der Ermittlungen gegen den inzwischen verurteilten Komplizen habe das LKA Cihan M. anhand der Daten auf dessen Handy als Kontaktperson identifizieren können. „Wir haben für die Rufnummer die Funkmasten im Umkreis von Barsbüttel ausgewertet und festgestellt, dass er von dort zur selben Zeit mehrfach angerufen wurde, zu der sich die Betrugstat ereignete“, so der LKA-Ermittler im Gerichtssaal.

Anrufer sei Aziz U. gewesen. In den folgenden Wochen habe das Landeskriminalamt einen Zusammenhang zu weiteren Taten herstellen können. Auch seien mehrere Telefongespräche zwischen ihnen und den Auftraggebern abgehört worden. Im April 2020 wurden die Männer schließlich festgenommen.

Der Prozess soll am Dienstag, 13. April, um 13 Uhr, fortgesetzt werden. Das Urteil ist für den 30. April angesetzt.

( fsn )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Reinbek