Junges Engagement

Luisa und Milla wollen ihre Tannen in Reinbek retten

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Susanne Tamm
Luisa Langbehn (9) und Milla Buske (7, rechts) haben Unterschriften gegen die Baumfällungen und unpassende Neubau-Projekte an ihrer Tannenallee gesammelt.

Luisa Langbehn (9) und Milla Buske (7, rechts) haben Unterschriften gegen die Baumfällungen und unpassende Neubau-Projekte an ihrer Tannenallee gesammelt.

Foto: Susanne Tamm

Kleine ganz groß: Zwei Grundschülerinnen sammeln Unterschriften gegen Baumfällungen und Neubauprojekte an ihrer Straße.

Reinbek.  Ganze neun Jahre ist Luisa Langbehn alt – für sie kein Grund, sich allein auf die Erwachsenen zu verlassen, wenn ihr etwas nicht gefällt. An ihrer Straße, der Tannenallee in Neuschönningstedt, verändert sich gerade viel: Häuser werden abgerissen, Bäume gefällt. Gerade mussten wieder fast zehn Fichten weichen. Luisa passt das nicht. Sie war traurig und hat so geweint, dass ihre Mutter Susanne Langbehn ihr vorgeschlagen hat, einen Brief an Bürgermeister Björn Warmer zu schreiben.

Der Brief ist nun fertig und um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, hat die Grundschülerin gemeinsam mit ihrer Freundin Milla Buske (7) Unterschriften dafür gesammelt. „57 Unterschriften haben wir bis jetzt“, erzählt die Neunjährige. „Es haben sogar einige unterschrieben, die nicht an unserer Straße wohnen und die es trotzdem nicht gut finden, dass hier so viele Bäume gefällt werden.“ Eine Nachbarin sei so begeistert von ihrem Einsatz für ihre Umwelt, dass sie ihnen empfohlen habe, doch einmal bei der Zeitung anzurufen.

„Junge Stadt im Grünen“ passt nicht mehr

Woher sie diese Idee mit den Unterschriften hatte, kann Luisa gar nicht so genau sagen. Mit Greta Thunberg hat ihr Engagement jedenfalls nichts zu tun. „Ach die! Den Namen vergesse ich immer. Das ist doch die, die nicht zur Schule geht, um zu protestieren“, erklärt sie ihrer Freundin Milla, die von der jungen, schwedischen Klimaschutzaktivistin und Preisträgerin des alternativen Nobelpreises noch nie gehört hat. Auch im Sachkundeunterricht der Gertrud-Lege-Grundschule war das Thema der weltweiten Klimaschutzbewegung der Schüler „Fridays for future“ noch nicht so richtig dran.

Zu ihrer Motivation erläutert Luisa: „Wir finden das einfach blöd. Da werden doch wieder so moderne, doofe neue Häuser hin gebaut, die nicht hierher passen. Dabei heißt unsere Straße doch Tannenallee!“ Ihre Freundin ergänzt betrübt: „Ja, und dabei gibt es hier bald keine Tannen mehr. An unserer Auffahrt wurde auch erst eine gefällt, die war so hoch wie ein Hochhaus. Da haben ganz viele Tiere ihr Zuhause verloren: Vögel, Eichhörnchen und Käfer.“ In ihrem Brief schreibt Luisa außerdem: „Der Leitspruch von Reinbek ,Die Stadt im Grünen’ passt nicht mehr, wenn immer mehr abgefällt und gebaut wird.“ Und später: „Die Häuser sollten so genehmigt werden, dass sie zur Straße passen. Natürlich brauchen andere Menschen Platz zum Wohnen. Aber wir müssen auch an die Natur denken.“

Mädchen wollen die Listen überreichen

Susanne Langbehn hat volles Verständnis für die Mädchen und unterstützt das politische Engagement der beiden. „Wir leben seit 15 Jahren hier. Es gibt sehr große Grundstücke, die während dieser Zeit mindestens einmal geteilt worden sind.“ Luisas Mutter will sich jetzt im Rathaus erkundigen, ob sie Bürgermeister Warmer ihre Listen und den Brief persönlich überreichen können.

Die Tannenallee ist eine grüne Straße, hier stehen viele Einfamilienhäuser mit Gärten und hohen Bäumen. Laut Bauamt gibt es hier noch keinen Bebauungsplan. Das heißt nach Paragraf 34 des Baugesetzbuches müssen Neubauten, die an das Ortsbild angepasst sind, in diesem Innenbereich der Stadt genehmigt werden. Passen denn die weißen Kuben der Reihenhäuser zur Bebauung der Tannenallee? Was die Anpassung an das Ortsbild betrifft, gibt es offenbar einen gewissen Interpretationsspielraum, wie Proteste beispielsweise in den Stadtteilen Prahlsdorf und im Villenviertel um die Bismarckstraße gezeigt haben. Daraufhin haben Reinbeks Politiker beschlossen, dass für das gesamte Stadtgebiet Bebauungspläne aufgestellt werden sollen, um Wildwuchs zu vermeiden. Dies gilt allerdings nicht für bereits genehmigte Bauvorhaben.

Bürgermeister soll aktiv werden

Ob der Eigentümer Luisas und Millas schriftlichen Forderung „Es müssen genau so viele Bäume nachgepflanzt werden, wie vorher gefällt wurden“ nachkommen muss, steht nicht fest. Denn die gesetzlichen Regelungen hängen vom Einzelfall ab: Stehen die gefällten Bäume unter Naturschutz? Greift die Baumschutzsatzung? Sind sie ortsprägend? Zum Einzelfall aber darf sich das Bauamt hier aus Datenschutz-Gründen nicht äußern. Dies würde die Privatsphäre des Eigentümers verletzen. Inständig bitten die beiden Mädchen jetzt den Bürgermeister: „Herr Warmer, bitte unternehmen sie etwas und schauen Sie sich unsere Straße an.“

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