Corona-Pandemie

Senioren bleiben beim Impfstart in Reinbek auf der Strecke

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Ann-Kathrin Schweers
Ein Senior wird gegen das Coronavirus geimpft (Symbolbild). Im Reinbeker Impfzentrum sind derzeit nur die Jüngeren dran.

Ein Senior wird gegen das Coronavirus geimpft (Symbolbild). Im Reinbeker Impfzentrum sind derzeit nur die Jüngeren dran.

Foto: Waltraud Grubitzsch / dpa

In Reinbeks Impfzentrum wird vorerst nur AstraZeneca verwendet. Unverständnis und Kritik: Bürgermeister üben weiter Druck aus.

Reinbek. Für die betroffenen Kommunen ist diese Planung nicht nachzuvollziehen: Das Impfzentrum im Reinbeker Jürgen-Rickertsen-Haus öffnet am 1. März. Aber: Verimpft wird zunächst nur der Vektorimpfstoff von AstraZeneca. Die Bürgermeister von Reinbek, Wentorf, Glinde, Oststeinbek und Barsbüttel sind gelinde gesagt entsetzt.

Schließlich hatten sie sich in einem Brandbrief an den Sozialminister Dr. Heiner Garg für eine Öffnung des Reinbeker Impfzentrums eingesetzt, um betagten Menschen den langen und für einige beschwerlichen Weg nach Mölln oder Bad Oldesloe zu ersparen. Doch gerade die können nicht vom AstraZeneca-Vakzin profitieren, denn dieses richtet sich nur an unter 65-Jährige.

„Skandalös“, findet Wentorfs Bürgermeister Dirk Petersen, der die Herangehensweise des zuständigen Sozialministeriums nicht nachvollziehen kann. Er rechnet mit Unmut in der Bevölkerung. Älteren Menschen würden vernachlässigt werden. Reinbeks Verwaltungschef sieht das genauso: „Es ist bedauerlich, dass wir im Sozialministerium darauf hinweisen müssen, wo der Süden Schleswig-Holsteins liegt. Für die scheint das Land in Bad Oldesloe zu enden“, sagt Björn Warmer, der auch die fehlende Kommunikation zu den Kommunen scharf kritisiert.

Vorerst nur AstraZeneca in Reinbeks Impfzentrum

Ob auf Einwirken der Bürgermeister, der Landtagsabgeordneten Lukas Kilian (CDU) und Martin Habersaat (SPD) oder des Kreises Stormarn, der sich auch in Kiel eingesetzt hat: Das Land erklärt nun, zumindest ab dem 15. März auch Impfstoff aus dem Hause Biontech und Pfizer nach Reinbek und Großhansdorf zu liefern, der nachmittags verimpft wird. Warmer sichert zu, weiterhin Druck auszuüben: „Ich verlange, auch im Namen der Kollegen, dass ab dem 1. März Impfstoff in Reinbek ausgegeben wird, der für alle da ist.“ Oststeinbeks Bürgermeister Jürgen Hettwer meint: „Jeder Tag zählt.“ Schließlich gehe es um Menschenleben.

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Wie es aus der Pressestelle des Sozialministerium heißt, sollen alle Impfzentren grundsätzlich „allen aktuell impfberechtigten Menschen zur Verfügung stehen“. Dass dies in Reinbek zunächst nicht geschehe, das liege an der begrenzten Menge der mRNA-Impfstoffe.

Das Ministerium habe sich jedoch quer gestellt

Lukas Kilian ist sauer. Er erklärt: „Weder der Mangel an Impfstoff, noch die örtlichen Gegebenheiten begründen diese Planung.“ Denn frühzeitig habe er in Kiel vorgeschlagen, eine der zwei Biontech-Impflinien aus Bad Oldesloe nach Reinbek zu verlagern. Auch der Landrat Dr. Henning Görtz (CDU) habe dies unterstützt. Das Ministerium habe sich jedoch quer gestellt. „Es ist sehr ärgerlich, dass unsere frühzeitigen Hinweise und Lösungsmöglichkeiten nicht aufgegriffen wurden“, sagt Kilian.

Nun seien durch den Zeitablauf Fakten geschaffen worden, die Terminvergabe für März in Bad Oldesloe habe begonnen. „Ich erwarte, dass das Gesundheitsministerium zukünftig sachdienliche Hinweise nicht als störende Kritik abtut, sondern aktiv aufgreift“, sagt Kilian. Er will weiter alle Hebel in Bewegung setzen, um einen früheren Impfstart für über 80-Jährige zu ermöglichen.

Impfzentrum in Reinbek soll täglich von 9 bis 12 Uhr geöffnet sein

Der jetzige Plan sieht vor, dass das Impfzentrum Reinbek ab dem 1. März täglich mit zwei Impflinien von 9 bis 12 Uhr öffnet. Pro Linie und pro Stunde können zwölf Personen mit dem AstraZeneca-Vakzin geimpft werden. Laut Andreas Rehberg beginnt die Terminvergabe kommende Woche. Sie richtet sich an die erste Priorisierungsgruppe, also in diesem Fall an medizinisches Personal und Pflegekräfte.

Wie Rehberg weiß, sind in dieser Gruppe jedoch bereits „eine ganze Reihe geimpft worden“. Er geht davon aus, dass in Schleswig-Holstein in den kommenden Wochen bereits Restmengen an die zweite Priorisierungsgruppe verimpft werden.

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