Tiergeschichte

Diese Katze lebt in einer Taxi-Zentrale in Reinbek

| Lesedauer: 5 Minuten
Susanne Tamm
Zu Taxi-Unternehmer Kambiz Salehi kommt Katze Sheeva auch auf Zuruf und lässt sich auf den Arm nehmen.

Zu Taxi-Unternehmer Kambiz Salehi kommt Katze Sheeva auch auf Zuruf und lässt sich auf den Arm nehmen.

"Sheeva" ist bekannt wie ein bunter Hund. Ihr Zuhause im Gebäude des Autorufs Süd-Stormarn sollte eigentlich nur zum Übergang sein.

Reinbek. Wenn Taxiunternehmer Kambiz Salehi sein „Schätzelein“ ruft, braucht seine Lebenspartnerin Doreen Peters nicht eifersüchtig zu sein: Denn alle Mitarbeiter und die Stamm-Fahrgäste des Autorufs Süd-Stormarn wissen, damit ist Sheeva gemeint, die „Taxen-Katze“ vom Reinbeker Bahnhof. „Sheeva ist zwar eigentlich seit zwölf Jahren meine Katze, aber seitdem ich mit Kami zusammenlebe, bin ich abgemeldet“, erzählt sie.

Die pelzige Vierbeinerin lebt mittlerweile in der Taxi-Zentrale. Und ist in Reinbek bald bekannt wie ein bunter Hund. Viele Stammfahrgäste lassen es sich nicht nehmen und bringen ihr Leckerli mit. Kinder oder Patienten der Praxen über der Taxi-Zentrale begrüßen und streicheln sie, wenn sie durch den Fensterspalt nach draußen schlendert.

Katze Sheeva lebt mittlerweile in der Taxi-Zentrale in Reinbek

„Das hat sich eher zufällig so ergeben, dass sie hier wohnt“, erzählt Kambiz Salehi. „Als Doreen und ich vor einem Jahr zwischen Weihnachten und Neujahr zusammenzogen, haben wir erst spät erfahren, dass wir in der neuen Wohnung keine Katze halten dürfen. Die Zentrale sollte eigentlich nur eine Übergangslösung sein. Wir hatten gedacht, wir finden noch etwas anderes.“ Doch mittlerweile fühle sich Sheeva in ihrem neuen Revier so wohl, dass sie dort weiterhin leben soll. Mittlerweile bewache sie ihr Territorium wie ein Luchs: Beobachtet sie auf dem Fußweg andere Katzen oder Hunde, tigert sie auf der umlaufenden Fensterbank auf und ab.

„Hier hat sie immer Gesellschaft, das gefällt ihr“, hat Peter Hanko, "Mädchen für alles" in der Taxi-Zentrale, beobachtet. Der 80-Jährige fährt nicht nur aushilfsweise Taxi, sondern unterstützt auch als Disponent oder Buchhalter. "Die Zentrale ist schließlich unter der Woche bis Mitternacht und am Wochenende rund um die Uhr besetzt", sagt er. Denn auch wenn die Taxifahrten des Unternehmens ohne Gastronomie, kulturelle Veranstaltungen, private Feste und vor allem Betriebs-Weihnachtsfeiern um fast 60 Prozent zurückgegangen sind, herrscht für Taxiunternehmen auch während der Corona-Pandemie weiter Betriebspflicht.

Taxi-Geschäft wird nur durch Krankenfahrten aufrechterhalten

"Finanzielle Unterstützung bekommen wir dabei aber nicht", kritisiert Kambiz Salehi. "Für uns war es das traurigste Weihnachten überhaupt." Er ist seit 1987 im Taxi-Geschäft, hat den Autoruf Süd-Stormarn 2018 gegründet. Seine neun Taxen stehen außerdem am Famila-Markt und am Marktplatz in Glinde. Dass die Gastronomie mit bis zu 70 Prozent ihres Umsatzes vom Vorjahr erhält und dazu noch die Einnahmen vom Außer-Haus-Verkauf als Zubrot behalten darf, empfindet er als ungerecht: "Die Friseure und Masseure tun mir leid. Aber ihre Mitarbeiter gehen in Kurzarbeit und sie zahlen letztlich nur die Miete. Meine 20 Mitarbeiter haben manchmal noch nicht einmal das Bargeld, um zu tanken."

Sein Geschäft werde nur durch die Krankenfahrten aufrechterhalten. Für Menschen der Risikogruppe seien Taxen sicherer als die öffentlichen Verkehrsmittel: Die Begegnungen seien geringer, für die Fahrgäste gilt ebenfalls Maskenpflicht. Die Fahrer dürfen aus verkehrsrechtlichen Gründen am Steuer keine Maske tragen.

Katze Sheeva hat auch viel von einem Hund

Sheeva maunzt ihr Herrchen an, als wollte sie ihn trösten. Das Fenster steht für sie immer offen, sie kommt und geht, wie es ihr passt: typisch Katze eben. Ansonsten habe sie aber auch viel von einem Hund, weiß Doreen Peters. "Sie ist sehr kommunikativ und menschenbezogen", berichtet Kambiz Salehi. "Wenn sie hereinkommt, erzählt sie mir erst einmal alles: Sie miaut und lässt sich ausgiebig streicheln." Sein Taxi erkennt sie am Fahrgeräusch und kommt ihm durch das Fenster bereits maunzend entgegen.

Wenn das Fenster geschlossen ist, geht sie eben zur Tür. "Kommt sie von draußen wieder herein, kommt sie zu mir und muss erst einmal mitteilen, was draußen so los war", sagt der Unternehmer lachend. Sobald er sich von seinem Bürostuhl erhebt nimmt Sheeva dort Platz. "Sein Sessel ist ihr absoluter Lieblingsplatz, dort schläft sie auch gern", sagt Doreen Peters.

Taxi-Zentrale ist am Wochenende rund um die Uhr besetzt

Auch in der Silvesternacht braucht Sheeva nicht allein zu sein: Die Taxi-Zentrale muss wie am Wochenende rund um die Uhr besetzt sein, auch Kambiz Salehi wird arbeiten. "Wenn ich funke, sitzt Sheeva zu 90 Prozent auf meinem Schoß", berichtet er. Dieses Jahr erwartet er nicht viel Geböller oder Knallerei - zumal die Taxi-Zentrale in der Nachbarschaft der Reinbeker Polizei-Station liegt. Aber auch in vorigen Silvesternächten war Sheeva immer entspannt. "Sie geht dann nur nicht raus", berichtet der Unternehmer. Er und sein Team hoffen auf 2021 und wünschen sich, dass die Bevölkerung schnell durchgeimpft wird.

( st )

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