Wentorf

Landpartie-Moderatorin Heike Götz: Das Gesicht des Nordens

In allen Sendungen radelt Heike Götz mit dem Fahrrad durch die Natur.

In allen Sendungen radelt Heike Götz mit dem Fahrrad durch die Natur.

Foto: NDR/Ingo Wandmacher

Auch die beliebte Sendung hat die Corona-Pandemie zu spüren bekommen. So nutzt die Moderatorin die gewonnene Zeit.

Wentorf. Heike Götz ist die Expertin, wenn es um Norddeutschland geht. Hauptsächlich von Mai bis Oktober ist die Moderatorin mit ihrem Fernsehteam unterwegs, um die schönsten Flecken Norddeutschlands zu entdecken. Besonderen Reiz haben für sie an ihren Stationen die Menschen und ihre Natürlichkeit, die der von Heike Götz entspricht. Über 200 Sendungen wurden bereits gedreht, alle mit dem Gesicht Norddeutschlands, wie Heike Götz auch genannt wird.

„Bei der allerersten Sendung der Landpartie gab es noch gar kein Fahrrad. Die Idee wurde nebenbei geboren, um zu den Interviews die schöne Landschaft zu zeigen“, sagt sie. Damals drehten sie in ihrer alten Heimat, auf dem Darß. Der Aufnahmeleiter hatte sein eigenes Fahrrad dabei, um nach Drehschluss die Gegend zu erkunden, und dann habe sie dieses Fahrrad bekommen. „Wir haben es seitdem immer wieder eingesetzt und es wurde zum Markenzeichen“, berichtet Heike Götz.

Landpartie-Moderatorin schmiss ihren Job als Lehrerin hin

Die 56-Jährige wurde in Grimmen bei Stralsund geboren. Dort ist sie aufgewachsen, hat ihr Abitur abgelegt und wurde Lehrerin. „So richtig konnte ich mich mit dem Beruf nicht anfreunden“, erzählt sie. In der Konsequenz schmiss sie im Sommer 1989 den Job. Für die damalige Zeit in der DDR ein mutiger Schritt.

Heike Götz wollte nun endlich ihren langgehegten Berufswunsch verfolgen: Journalismus interessierte sie schon lange. Die junge Frau bewarb sich bei ihrem Lieblingssender, dem Jugendradio DT 64 – mit Erfolg. „Es war ein tolles Team mit vielen jungen Reportern und Moderatoren“, erinnert sie sich. Heike Götz sprach hier die Nachrichten, später für Antenne Brandenburg.

Götz entdeckt immer wieder neue Ecken in Norddeutschland

Doch sie wollte nicht nur Texte lesen und so beschloss sie, ein Volontariat zu absolvieren. Während der Ausbildung saß sie nicht nur vor dem Mikrofon, sondern stand auch vor der Kamera. Uli Koglin und Achim Tacke, ihre späteren Produzenten, entdeckten das junge Talent. Im Winter 1999 drehten sie mit ihr die erste Landpartie.

Das ist nun 21 Jahre her. Die Sendung hat seitdem nicht an Beliebtheit verloren. Immer wieder entdeckt Heike Götz neue Ecken in Norddeutschland. Dabei radelt sie über Deiche, Wiesen und kleine Wege, vorbei an Bächen, Seen und den norddeutschen Meeren.

Auch die Landpartie hat Pandemie zu spüren bekommen

Sie ist ein Naturmensch. Und sie ist neugierig. „Das habe ich von meinem Vater. Wenn er unterwegs war, hat er immer die Menschen auf der Straße angesprochen, um mehr über die Orte, die Region und Begebenheiten zu erfahren“, sagt sie. Heike Götz hat genau das zu ihrem Beruf gemacht. Und so liebt sie die Begegnungen mit den Menschen, sucht nach außergewöhnlichen Geschichten und packt gern mit an.

Doch in diesem Jahr hat auch die Landpartie die Pandemie zu spüren bekommen. „Wir machen jedes Jahr ein großes Landpartie-Fest, auf dem wir das rote Fahrrad versteigern“, berichtet sie. Alle, die in der Sendung waren und etwas produzieren, stellen ihre Produkte dann aus, fast 100 Aussteller sind in der Regel dabei. 50.000 bis 80.000 Besucher sind jährlich bei dem Fest dabei. In diesem Jahr sollte es am Steinhuder Meer stattfinden, doch daraus wurde aus gegebenem Anlass nichts.

Weniger Sendungen durch Corona

Zudem wurden in diesem Jahr deutlich weniger Sendungen gedreht. Gerade kommt Heike Götz von einem ihrer Lieblingsorte zurück, dem Darß in Mecklenburg-Vorpommern. Am 6. Dezember wird diese Sendung um 20.15 Uhr im NDR-Fernsehen ausgestrahlt werden. Am 20. Dezember um 20.15 Uhr gibt es dann eine Weihnachtslandpartie aus Ostfriesland zu sehen.

„Ich genieße die gewonnene Zeit gerade für mich“, sagt Heike Götz über den Freiraum aufgrund der reduzierten Drehtermine. Die leidenschaftliche Pilgerin lebt mit ihrem Mann Detlef Lafrentz in Wentorf. Der Stadtrand von Hamburg ist für sie ihre Heimat. „Wir haben den Wald genauso vor der Tür wie die Stadt“, sagt sie. Die nutzt sie gern, beispielsweise bei regelmäßigen Besuchen klassischer Konzerte in der Elbphilharmonie.

Moderatorin nutzt ihre freie Zeit für sich

Das Spaziergengehen ist für die beliebte Moderatorin eine ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigungen. Regelmäßig wandert oder pilgert sie mit ihrem Mann: sowohl auf verschiedenen Fernwanderwegen in den Alpen, auf dem „Coast to Coast“-Pfad von einer Küste Englands an die andere und auf dem „Camino frances“ sowie dem „Camino del norte“, zwei verschiedenen Jakobswegen in Spanien. Doch auch auf dem norddeutschen Jakobsweg „Via Baltica“ war Heike Götz für die fünfteilige NDR-Reihe „Pilgern im Norden“ von Usedom über Hamburg bis kurz vor Osnabrück unterwegs.

In diesem Jahr war das Ehepaar noch kurz vor der Pandemie in Japan, um auf dem „Kumano Kodo“ zu pilgern, einem Weg, der genauso wie der Jakobsweg zum Unesco-Welterbe gehört. Aktuell nutzt Heike Götz ihre freie Zeit, um ihr Englischwissen aufzufrischen und besucht dazu einen Kursus.

Götz engagiert sich ehrenamtlich in Meditationsgruppen

Mit ihrem Mann findet sie durch Feldenkrais und Meditation neben der turbulenten Fernsehwelt Ruhe. „In einer Welt mit so vielen verschiedenen Einflüssen ist es für mich hilfreich, immer wieder zu mir selbst zu kommen.“ Die Vipassana-Meditation, die zu den ältesten Meditationstechniken Indiens zählt, favorisiert sie. „In dieser Meditationsform geht es darum, die Dinge zu sehen, wie sie wirklich sind“ erklärt sie. „Und ich liebe die Stille.“

Die holt sie sich immer wieder nach anstrengenden Drehtagen. In einer Meditationsgruppe engagiert sie sich ehrenamtlich. Heike Götz schreibt unter anderem den Newsletter und dreht kleine Filme über diese Meditationslehre. „Ich helfe mit dem, was ich kann“, sagt sie. Das Ehrenamt müsse leicht von der Hand gehen.

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„Wir müssen jetzt umdenken in unserem Konsumverhalten“

Ebenso findet die Moderatorin es selbstverständlich, die jungen Menschen bei „Fridays for Future“-Aktionen zu unterstützen. „Zur Klimademo zu gehen, finde ich das Mindeste, was wir tun können. Wenn ich mir vorstelle, was die Klimakrise in den nächsten Jahren für Auswirkungen auf uns alle haben wird, müssen wir spätestens jetzt wirklich umdenken in unserem Konsumverhalten. Das kann jeder“, so Götz.

In den Abendstunden sitzt Heike Götz ab und an gern mit ihrem Mann zusammen und singt zur Gitarre, die er spielt. Entspannung ist für die Moderatorin an vielen Stellen wichtig, um bei den beruflichen Terminen präsent und ausgeglichen zu sein. Für sie selber zählt das Fernsehgucken jedoch nicht zu ihren Lieblingsbeschäftigungen. Ihr Motto: „Authentisch und echt sein ist wirkliches Glück.“