St. Adolf Stift

Vor Ort: Einsatzübung für die Feuerwehr in Corona-Zeiten

Wegen Corona können nicht alle 80 Feuerwehrkameraden gemeinsam üben - immer nur etwa zwölf bis 20

Wegen Corona können nicht alle 80 Feuerwehrkameraden gemeinsam üben - immer nur etwa zwölf bis 20

Foto: Florian Büh

Die Freiwillige Feuerwehr nimmt trotz Corona wieder den Übungsbetrieb auf – im Abrissgebäude beim Krankenhaus in Reinbek.

Reinbek. Normalerweise blitzen Blaulichter durch die Nacht, wenn die Feuerwehr am späten Abend am Einsatzort eintrifft. Normalerweise stehen Einsatzkräfte dicht an dicht und konzentrieren sich auf den Einsatzbefehl. Normalerweise – aber was ist schon normal in Corona-Zeiten? Vieles ist anders, vieles ist unnormal. So auch diese Einsatzübung am Montagabend auf dem Gelände des Krankenhauses.

Dieses Mal blinkt kein Blaulicht, stehen keine Feuerwehrleute direkt nebeneinander. Mit deutlichem Abstand folgen sie ihrem Einsatzleiter, ihren Trupppartnern. Trotz dieser ungewohnten Szenerie: „Endlich wieder eine richtige Übung“, schien so manche Einsatzkraft zu denken. Es war die erste Großübung in diesem Jahr, obwohl von „groß“ kaum die Rede sein kann: „Etwa zehn bis zwölf Kameraden können seit gut zwei Monaten wieder zusammen lernen“, erklärt Joachim Stanisch, Sprecher der Feuerwehr Reinbek.

Einsätze gehen weiter, Feuerwehrleute müssen im Training bleiben

Noch bis vor ein paar Monaten galt: Keine Treffen, keine gelebte Kameradschaft, keine Übungen – wenig von dem, was das ehrenamtliche Leben der Feuerwehr auszeichnet. Auch Einsätze liefen und laufen unter Hygienekonzepten und besonderen Anforderungen. Hans-Jörg Haase Wehrführer der örtlichen ehrenamtlichen Feuerwehr betont: „Natürlich geht das Einsatzgeschehen weiter – und wir müssen im Training bleiben. Daher müssen wir auch möglichst realitätsnah in Kleingruppen agieren.“

Das bedeutet: Atemschutzgeräteträger, die ihre Atemschutzmaske aufgesetzt haben, sind geschützt. Alle anderen müssen immer einen Mund-Nasen-Schutz tragen – drinnen wie draußen. Ob bei der Patientenbetreuung, beim Schläuche aus- oder einrollen oder wenn schnell etwas vom Fahrzeug geholt werden muss.

Fehler werden in einer Mappe notiert

Eine besondere Herausforderung, die aber peinlich genau von den anwesenden Führungskräften überprüft wird: Menschenleben retten und schützen – das Motto der Feuerwehrleute steht ganz oben auf der Prioritätenliste: Nicht nur fremdes Leben, auch das eigene.

„Eine unserer Kameradinnen hat Masken für alle Einsatzkräfte genäht“, erklärt Wehrführer Hans-Jörg Haase. Im „Feuerwehr-Reinbek-Design“ mit dem jeweiligen Namen, damit ein Vertauschen unmöglich ist. „Wir haben Verbesserungsvorschläge. Nun soll es eine zweite Auflage geben“, so der Wehrführer. Gemeinsam mit Gerd Tamm, dem ehemaligen Gemeindewehrführer, schaute er genau hin, wie seine Kameraden die fiktive Einsatzlage bewältigten.

David Kusber, einer der stellvertretenden Gruppenführer, war als Übungsleitung überall dort, wo Fehler hätten passieren können, notierte sich vieles in seiner Mappe samt Klemmbrett. Er hatte die Übung mit weiteren Kameraden ausgearbeitet.

Einsatzkräfte lernen Krankenhausgelände für den Ernstfall kennen

Zwei Löschfahrzeuge, eine Drehleiter und ein Führungsfahrzeug erreichten das leerstehende Haus im rückwärtigen Bereich des St.-Adolf-Stifts nacheinander. Auf ihr Blaulicht hatten die Feuerwehrleute bewusst verzichtet: „Wir sind – vor Corona – sehr oft hier gewesen, da waren die Patienten teilweise bei der Drehleiterausbildung an den Fenstern und haben uns zugeschaut“, erklärt Wehrführer Haase. Auch dies läuft in Corona-Zeiten anders.

Dennoch: „Die Feuerwehr ist hier immer gerngesehen. Wir pflegen einen sehr guten Kontakt. Umso besser sich die Einsatzkräfte hier auskennen, umso schneller können sie im Ernstfall helfen“, bekräftigt Jan Dethlefsen, Brandschutzbeauftragter des Krankenhauses. Er hatte sich bei der Feuerwehr gemeldet, dass das kleine Haus inmitten des St.-Adolf-Stifts bald abgerissen werden soll – und die Feuerwehr nun noch darin üben könnte. Vor einigen Jahrzehnten diente der Bau als Verwaltung, später war dort die Technische Betriebsleitung.

Personensuche im Abrissgebäude unter realitätsnahen Bedingungen

Zwei lebensnahe Puppen, mit dem Gewicht und der Größe eines Erwachsenen, wurden im Haus „versteckt“. Alle Räume im Erd- und Obergeschoss mit Theaternebel „verraucht“. Dinge, mit denen Feuerwehrleute bei einem Brand immer wieder rechnen müssen. Garniert wurde das Übungsszenario mit den schauspielerischen Fähigkeiten des Verletztendarstellers Jan Rülke, selbst in der Feuerwehr aktiv. Er versuchte immer wieder, direkt zum Ort des Geschehens zu gelangen, die Einsatzkräfte zu binden, anzumeckern, abzulenken. Auch Jan Dethlefsen hatte gleich zu Beginn der Übung seinen Auftritt und versuchte die Einsatzkräfte vor der Feuerwehrzufahrt abzufangen.

Die beiden eingesetzten Gruppenführer, Marcel Rüddiger und Patrick Haase, zugleich Sohn des Ortswehrführers, führten die Gruppen routiniert durch die zahlreich gestellten Fallen. Insgesamt zeigten sich die Einsatzkräfte zufrieden – und hoffen auf weitere und häufigere Übungen. Denn vor allem so kann Gelerntes verfestigt werden.