Kommunalpolitik

Wentorfer Grünen-Mitglieder gründen eigene Fraktion

Die Grünen sind nicht mehr die stärkste Fraktion in Wentorf (Symbolfoto).

Die Grünen sind nicht mehr die stärkste Fraktion in Wentorf (Symbolfoto).

Foto: Caroline Seidel / dpa

Jens Gehring und Simone Lummitsch bemängeln Politik, Kommunikation und Umgang miteinander. Grüne nicht mehr stärkste Fraktion.

Wentorf. Ein Riss zieht sich durch die Grünen-Fraktion in Wentorf: Jens Christoph Gehring und Simone Lummitsch treten aus und gründen im gleichen Atemzug eine neue Fraktion mit dem Namen „Grüne Liste Wentorf“. Sie bemängeln die Art der Politik, die Kommunikation und den Umgang miteinander in der Grünen-Fraktion. Ihr Parteibuch möchten die Wentorfer Gemeindevertreter behalten. Die Spitzen des Ortsverbands und der Fraktion reagieren überrascht und verständnislos. Jens Gehring sagt: „Wir haben nach unserem Entschluss viel Zuspruch erhalten. Aus unserer eigenen Partei, aber auch aus anderen Parteien und Fraktionen.“ Austritt und Neugründung sind „konform mit der Gemeindeordnung des Landes Schleswig-Holstein“, erklärt Gehring. Die Grünen-Politiker freuen sich über Unterstützung von Parteikollegen. Sie erklären: „Wir verstehen uns als Gruppe mit derzeit sechs in der Diskussion gleichberechtigten Personen einer grünen Grundhaltung.“

Ziel sei es, eine andere Art von Politik in der Gemeinde zu gestalten und den Umgang miteinander und mit der Verwaltung „zum Positiven zu verändern“. „Wir wollen mit Menschen reden, nicht über sie. Und über Probleme reden, sie lösen, anstatt sie zu verschärfen“, sagt Gehring. „Denn nur wenn die Gemeindepolitik Lösungen findet, werden Beschlüsse gefasst.“

Entscheidung ist keineswegs leicht gefallen

Die Entscheidung sei keineswegs leicht gefallen. Viele Gespräche habe es gegeben, Probleme hätten sie seit zwei Jahren mehrfach mündlich und schriftlich angesprochen, doch ohne einen Konsens zu finden. „Die Grundhaltungen waren unterschiedlich. Es war nicht möglich, von innen etwas zu ändern“, sagt Jens Gehring.

Der Grünen-Ortsverbandsvorsitzende Holger Bartsch zeigt sich auf Anfrage überrascht, die Gründe könne er „weitestgehend nicht nachvollziehen“. Die Mitteilung über den sofortigen Austritt hätte ihn sowie die Fraktionsvorsitzenden erst wenige Minuten vor Veröffentlichung und vier Stunden vor der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses am vergangenen Dienstag erreicht. „Wenn man in der Fraktion zu einer Minderheit zählt, immer überstimmt wird, kann das zu Frustration führen“, sagt er. Den Austritt sieht er dennoch als „völlig unverhältnismäßig“. Die Fraktion steht laut Bartsch für eine grüne und eine gute Politik. Über Dinge werde demokratisch abgestimmt.

Fraktions-Neugründung hinterlässt offene Fragen

„Wir sind nicht begeistert, alle sind unglücklich mit der Situation“, sagt auch Fraktionsvorsitzende Katharina Bartsch. Ein Kommunikationsproblem sieht sie nicht, bemängelt vielmehr, Lummitsch und Gehring selbst hätten nur selten an Fraktionssitzungen teilgenommen.

Die Fraktions-Neugründung habe bei den Grünen einige Fragen offengelassen, die nun durch die Kommunalaufsicht geklärt werden sollen. Zudem soll Gehring aufgefordert werden, sein Wahlamt als stellvertretender Bürgermeister zurückzugeben.

Wie die Vorsitze in den sechs ständigen Ausschüssen in Wentorf umverteilt werden, das wird im Ältestenrat entschieden und auf einer Sondersitzung der Gemeindevertretung im Oktober final diskutiert. Die FDP und die neu gegründete Fraktion haben kein direktes Zugriffsrecht. Gibt es keine Einigung, entscheidet das Los über den Vorsitz in zwei Ausschüssen.

Grüne nicht mehr stärkste Fraktion in Wentorf

Auf jeden Fall ist die Grüne fortan nicht mehr die stärkste Fraktion in Wentorf. Von jetzt 18 Mitgliedern schrumpft sie auf 16. (CDU: 17, SPD: 15, FDP: 7) „Für die Mehrheitsverhältnisse ändert sich nur wenig“, sagt der Bürgervorsteher Lutz Helmrich (CDU), der sich selbst überrascht zeigt. Dass es bei den Grünen rumore, sei jedoch nichts Neues, immerhin stimmte die Fraktion selten einheitlich ab.

Die neu gegründete Fraktion sehen Gehring und Lummitsch als „vorläufige Lösung“ an: „Bezüglich der Weiterentwicklung diskutieren wir mehrere Szenarien.“