Käufer gefunden

Rowohlt-Gelände in Reinbek wird zum Unternehmercampus

Die Inhaber der Pipping Immobilien GmbH Heiner Marcus Roskothen und Karl Gero Wendeborn mit den Geschäftsführern der Buhck Gruppe Dr. Henner und Thomas Buhck vor dem Altbau.

Die Inhaber der Pipping Immobilien GmbH Heiner Marcus Roskothen und Karl Gero Wendeborn mit den Geschäftsführern der Buhck Gruppe Dr. Henner und Thomas Buhck vor dem Altbau.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Die Unternehmen Buhck und Pipping kaufen die denkmalgeschützten Verlagsgebäude von Rowohlt in Reinbek. Das sind die Pläne.

Reinbek. Nach dem Umzug des Traditionsverlags Rowohlt ins Bieberhaus am Hamburger Hauptbahnhof war es für eineinhalb Jahre ruhig um die denkmalgeschützten, das Stadtbild prägenden Gebäude zwischen den Straßen Völckers Park und Böge. Nun stellen sich die neuen Eigentümer vor, die den Standort langfristig prägen wollen. Sie sind nicht unbekannt in der Region: Die Buhck Holding Gesellschaft sowie die angegliederte Stiftung brechen am Wentorfer Südring Ende 2021 ihre Zelte ab. Zweiter Käufer ist die Pipping Immobilien GmbH.

Das Immobilienunternehmen bezieht den Altbau des Rowohlt-Komplexes. Pipping gibt dafür seine Unternehmenszentrale an der Straße Zwischen den Toren in Wentorf auf. Ein Großteil der 67 Mitarbeiter wird von 2022 an im einstigen Verlagshaus arbeiten. „Es soll hier ein Unternehmercampus entstehen für kreatives Arbeiten und Netzwerken“, so Karl Gero Wendeborn.

Raum für regionale Unternehmer, Coworking und ein öffentlich zugängliches Café

Gemeinsam mit seinem Partner Heiner Marcus Roskothen schafft er Raum für regionale Unternehmer in Klein- und Großraumbüros. Geplant sind eine Art Coworking in Einzelbüros und Meetingräume, die allen Mietern offen stehen. Interessierte Unternehmer stehen in den Startlöchern.

Interessant für Anwohner: Eingeplant ist auch ein öffentlich zugängliches Café, wo auch Kulturveranstaltungen wie etwa Lesungen stattfinden könnten. „Möglicherweise sogar in Kooperation mit Rowohlt“, sagt Wendeborn. Ihm und seinem Partner schwebt eine Begegnungsstätte vor – kultureller, gesellschaftlicher und unternehmerischer Art.

Sanierung im Einklang mit dem Denkmalschutz

Dafür stehen jetzt noch einige Umbau- und Sanierungsarbeiten an – im Einklang mit dem Denkmalschutz. So werden etwa die Fassaden erhalten. In enger Zusammenarbeit mit der Behörde plant Buhck, den Anbau zum Völckers Park um ein Stockwerk zu erweitern. Der Standort soll lange vorhalten.

Buhck ist Wentorf seit 1972 treu, war davor für 75 Jahre in Bergedorf ansässig. „Wir kommen aus der Region und wollen auch in der Region bleiben“, so Thomas Buhck.

Verhandlungen laufen über drei Jahre

Seit etwa drei Jahren stehen die Geschäftsführer Dr. Henner und Thomas Buhck in Gesprächen mit dem einstigen Schweizer Eigentümer. Etwa zur gleichen Zeit brachten sich auch Heiner Marcus Roskothen und Karl Gero Wendeborn, die Inhaber der Pipping Immobilien GmbH als Käufer ins Spiel. Die Verhandlungen zogen sich. „Wir hatten relativ früh Kenntnis von Rowohlts Wegzug“, sagt Dr. Henner Buhck. Die Brüder Buhck streckten die Fühler nach einem neuen Unternehmenssitz seit einigen Jahren aus.

Das Areal in Wentorf sei mit seinen großen Hallen ursprünglich ein Logistikstandort gewesen. „Heute nutzen wir ihn nur als Bürostandort“, erklärt Dr. Henner Buhck. Dort sitzen die 45 Mitarbeiter der wachsenden Muttergesellschaft, die 32 Unternehmen umfasst. Das aufstrebende Unternehmen wird in Reinbek vom Wachstumspotenzial profitieren. Der Plan ist es, das zweigeschossige Gebäude am Völckers Park aufzustocken.

Ausschlaggebend für Umzug: S-Bahn-Anbindung

Pipping zieht mit einem Großteil der Belegschaft, also mit 50 von 67 Mitarbeitern, in den Altbau an der Böge. Doch Roskothen und Wendeborn betonen, dass der neue Standort viel mehr als Pippings Immobilienzentrale wird. Das 1700 Quadratmeter große, eingeschossige Gebäude bietet neben Pipping Immobilien, dessen Verwaltung und dem Vermessungsbüro in Klein- und Großraumbüros Platz für weitere regional ansässige Unternehmer. Pipping will einen „kreativen und dynamischen Knotenpunkt für Jung und Alt schaffen.“

Ein ausschlaggebender Grund für den Wegzug aus Wentorf liegt fast auf der Hand: Die Anbindung durch den fußläufig erreichbaren S-Bahnhof ist ideal. Die einzigartige Architektur und das parkähnliche Grundstück sind ein weiterer Pluspunkt. „Es ist einfach ein Traum, vor die Tür zu gehen und die Mittagspause unter einem der Apfelbäume zu verbringen“, findet Wendeborn.

„Nach eineinhalb Jahren muss etwas passieren“

Die in den 1960er Jahren erbauten Gebäude zwischen Völckers Park und Böge stehen seit 2003 unter Denkmalschutz. Die Sanierung für Buhck und Pipping ist somit an einige Vorgaben gekoppelt. Unter anderem ist die Fassade der Gebäude denkmalgeschützt. In beiden Gebäuden werden alte Marmorböden erhalten, der unverkennbare Schornstein des Altbaus sowie das eindrucksvolle Treppenhaus im Anbau bleiben zudem.

„Der Zustand ist nach eineinhalb Jahren Stillstand so, dass so langsam etwas passieren muss“, sagt Dr. Henner Buhck. Der Unternehmer erwartet die Baugenehmigung für November. In Absprache mit der Denkmalschutzbehörde werden nicht nur die zwei Stockwerke saniert, sondern auch ein weiteres aufgebaut. Die Nutzfläche steigt von 900 auf 1300 Quadratmeter. Das sieht Buhck als unbedenklich, so habe bereits Rowohlt einst eine Genehmigung für ein drittes Stockwerk erhalten. „Das Gebäude soll die gleiche Anmutung wie bisher haben“, so Buhck. Um das dritte Stockwerk anzubinden, entsteht ein zusätzliches Treppenhaus, wird der Innenhof überdacht und dort ein Fahrstuhl installiert. Insgesamt investiert das Unternehmen drei Millionen Euro.

Einzug für 2022 geplant

Sowohl Buhck als auch Pipping rechnen mit einem Einzug Anfang 2022. Im Altbau sind die Arbeiter bereits seit drei Wochen damit beschäftigt, Leichtbauwände einzureißen. Der einstige Grundriss mit großzügigen Raumstrukturen soll wiederhergestellt werden. Nach und nach wird das Gebäude technisch und energetisch modernisiert. Am Eingang entsteht ein Café, das ein externer Gastronom betreiben wird. Wie Heiner Marcus Roskothen erklärt, wird es der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Pipping wolle nicht nur einen „attraktiven Arbeitsplatz“, sondern auch eine Begegnungsstätte schaffen.