Gemeinschaftsschule

Wentorf: Wer informiert wen über Corona-Fälle?

Tobias Frohnert, Pressesprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg: Wenn Schulen Nachrichten über ihre Lernplattformen verbreiten wollen, sollten sie die Eltern darüber informieren.

Tobias Frohnert, Pressesprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg: Wenn Schulen Nachrichten über ihre Lernplattformen verbreiten wollen, sollten sie die Eltern darüber informieren.

Foto: Marcus Jürgensen

Eltern kritisieren Gemeinschaftsschule Wentorf. Sie fühlen sich schlecht informiert. Kreisverwaltung lädt nur Kontaktpersonen zu Test.

Wentorf. Anders als erhofft, lagen gestern noch nicht alle Ergebnisse der Coronatests an der Gemeinschaftsschule Wentorf vor. Daher gilt vorerst die verhängte häusliche Quarantäne für rund 80 Achtklässler weiter. Sie gehen in die Jahrgangsstufe des Mädchens, das zuerst positiv auf Sars-CoV2 getestet wurde. Die Kritik von Eltern, die sich von der Schule schlecht oder gar nicht informiert sehen, greift derweil um sich.

Wie berichtet haben Eltern Ende vergangener Woche Informationsdefizite beklagt. Die Mutter eines Neuntklässlers, für den seit Donnerstag nach einem weiteren Corona-Fall ebenfalls Quarantäne galt, legt nach: „Ich kann ja nicht riechen, wie die Schule Eltern informieren will.“ Der Vater einer Mitschülerin kritisiert: „Die glauben wohl, wir hätten die Lernplattform unserer Kinder täglich im Blick.“

Corona-Ausbruch erst aus der Bergedorfer Zeitung erfahren

Sehr erbost ist auch die Mutter, eines Achtklässlers, deren Sohn zum Zeitpunkt der Corona-Nachricht krank zu Hause war. „Ich habe von dem Corona-Ausbruch in seiner Klassenstufe erst aus der Bergedorfer Zeitung erfahren. Gerade wenn ein Kind krank daheim bleibt, muss die Schule mich doch informieren.“ Sie und ihr Mann hätten jedoch weder einen Anruf noch eine E-Mail erhalten. „Wer kann denn sagen, dass es sich tatsächlich nur um einen harmlosen Schnupfen oder um einen Allergieschub handelt?“

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Zweiter Corona-Fall an Wentorfer Gemeinschaftsschule

Ein Anruf in der Schule steigerte den Ärger der zweifachen Mutter noch. „Aus dem Sekretariat hieß es, die Schule habe alle Daten ans Gesundheitsamt übermittelt, die kümmerten sich nun.“ Doch woher sollten Mitarbeiter im Ratzeburger Kreishaus wissen, welche Schüler krankheitsbedingt fehlen? „Ich hätte meinen Sohn nach Abklingen seiner Erkältung wieder in die Schule geschickt, dabei gilt auch für ihn ein Betretungsverbot bis zum 3. September.“ Inzwischen ist zumindest eine Besorgnis abgeklungen: Die Eltern, der ältere Bruder und auch der Achtklässler sind wohlauf.

Schulsekretariat hat alle Daten ans Gesundheitsamt geschickt

Der Verweis auf die Kreisverwaltung, was die Information aller Eltern anbelangt, stößt dort auf Widerspruch: „Wir bekommen von den Schulen tatsächlich die Klassenlisten der jeweiligen Jahrgangsstufen übermittelt“, bestätigt Kreissprecher Tobias Frohnert. „Die benötigen wir, um die Kohorten zu bestimmen. Danach wird dann entschieden, wer getestet wird.“

Die Kreisverwaltung lade den ermittelten Personenkreis zum Corona-Test ein. In Wentorf seien zunächst mögliche Kontaktpersonen der infizierten Achtklässlerin getestet worden, tags darauf Mitschüler und Lehrer des Neuntklässlers, der ebenfalls infiziert ist.

Die Information der anderen Schüler und Eltern sei Sache der jeweiligen Schule, stellt Frohnert klar. Selbstverständlich hätten Eltern auch eine Holpflicht. „Wenn solche Informationen über Online-Lernplattformen der Schulen verbreitet werden sollen, sollten die Eltern jedoch darüber informiert werden.“

Wentorfer Neuntklässler sind alle negativ auf Corona getestet

Die gute Nachricht: Die Testergebnisse für die Neuntklässler liegen inzwischen vor. Alle Getesteten sind negativ.